Tuchels Ehrfurcht spielt Dortmund in die Karten - BVB erlebt einen denkwürdigen Abend

dzKommentar

Der BVB erlebt gegen Paris einen denkwürdigen Abend in der Champions League. Thomas Tuchels Ehrfurcht spielt Dortmund in die Karten. Jetzt ist alles möglich.

Dortmund

, 19.02.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für solche Spiele liebt man den Fußball, solche Abende vergisst man nicht. 2:1 gegen Paris Saint-Germain, das mag nüchtern betrachtet kein wirklich gutes Ergebnis sein für Borussia Dortmund, doch die Dramaturgie an einem mal wieder denkwürdigen Abend im Signal Iduna Park ließ zunächst noch keinen Platz für pessimistische Analysen. Man musste einfach begeistert sein von diesem Spiel, abgesehen von der sehr unglücklichen Verteidigungsarbeit vor dem Gegentor war es eine fast perfekte Leistung der Spieler in Schwarzgelb.

BVB-Neuzugang Haaland: Wille pur, Energie pur

Einer stach wieder einmal heraus und sorgt dafür, dass der BVB im März noch ein echtes Rückspiel und auch echte Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale der Champions League hat: Erling Haaland hatte weiß Gott kein Glück am Fuß bis zu seinen Treffern, doch es ist seine große Stärke, dass er trotzdem einfach immer weiter spielt, immer weiter an sich glaubt. Haaland war zur Stelle, als sich vor dem Pariser Tor plötzlich die Chance bot, das war das wichtige 1:0. Und mit welcher Entschlossenheit der Norweger nach dem Ausgleichsschock das 2:1 erzielte, das riss alle förmlich von den Sitzen. Das war Wille pur, Energie pur.

Einsatzwille, Gier, Moral und ein großes Herz: Die gesamte Dortmunder Mannschaft brachte alle notwendigen Elemente in dieses Achtelfinal-Hinspiel und machte einem pomadig und überheblich auftretenden Gast das Leben schwer. So bemerkenswert es war, wie sich Borussia Dortmund in diese Partie biss und im Spielverlauf immer mehr die Kontrolle eroberte, so sehr enttäuschte Tuchels Ensemble. Seine Erklärung konnte die perplexen Pariser Journalisten kaum trösten. Viel höhere Belastung als der BVB, Verletzungspech: Tuchel grub tief in der Kiste lahmer Floskeln.

Tuchel wird für vorsichtige Herangehensweise kritisiert

Angelastet wurde ihm nach der Partie vor allem die Systemumstellung. Seine vorsichtige Herangehensweise zeigte, wie groß die Ehrfurcht des Ex-Trainers vor der Aufgabe in Dortmund war. Tuchel schickte ein extrem defensiv eingestelltes Paris auf den Rasen, mehr Respektsbekundung geht kaum.

Video
Lucien Favre: "Wichtig war die Reaktion nach dem 1:1"

Das Ausgleichstor von Neymar, als der BVB ein einziges Mal in seiner Abwehrarbeit nicht auf der Höhe war, lässt den Franzosen nüchtern betrachtet jedoch alle Chancen und erschwert die Aufgabe für den BVB gewaltig. Es war der einzige Wermutstropfen nach einer Top-Leistung der Borussia, zum zweiten Mal in dieser Saison bot Borussia Dortmund im eigenen Stadion einer noch deutlich teureren und mit Weltklasse-Spielern reichlich bestückten Mannschaft erfolgreich die Stirn.

Der BVB muss sich im Bundesliga-Alltag beweisen

Es sagt sich leicht, dass dies nun der Maßstab sein muss, wenn die Mannschaft am Wochenende wieder in Richtung Bremen reist. Sportdirektor Michael Zorc erhob das Spiel „zur noch wichtigeren Partie in dieser Woche.“ Dieses 2:1 gegen Paris aber wird auch mental richtig Kraft gekostet haben. An der Weser ähnlich konzentriert und motiviert zu agieren, wird zur größeren Herausforderung, als die müden Beine wieder frisch zu bekommen.

Umfrage

Wer ist Ihr BVB-Spieler des Tages?

2515 abgegebene Stimmen

Und Thomas Tuchel? Seine Rückkehr nach Dortmund brachte einen Abend zum Vergessen. Tuchel wird die Pleite mächtig wurmen, sie wird die Kritik an ihm lauter werden lassen und erhöht den Druck vor dem Rückspiel massiv. Das Auswärtstor aber könnte Gold wert sein. Dass Tuchel im Rückspiel seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen kann, das war aus seiner Sicht die einzig positive Nachricht nach dem Kurz-Trip in die alte Heimat.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen