Teil drei der BVB-Doku: Als Klopp und Watzke per Anhalter nach Hause fuhren

„Inside Borussia Dortmund“

Teil drei von „Inside Borussia Dortmund“ beleuchtet die schwierige Phase der BVB-Rückrunde. Jürgen Klopp erzählt, wie er gemeinsam mit Aki Watzke nach der Meisterfeier 2011 per Anhalter nach Hause fuhr.

Dortmund

, 30.08.2019, 11:10 Uhr / Lesedauer: 3 min
Teil drei der BVB-Doku: Als Klopp und Watzke per Anhalter nach Hause fuhren

Jürgen Klopp fuhr gemeinsam mit Hans-Joachim Watzke nach der Meisterfeier 2011 per Anhalter nach Hause. © Amazon Prime

Aufstehen nach dem Nackenschlag, neuer Mut, dann der nächste Wirkungstreffer - Teil drei der Dokumentation „Inside Borussia Dortmund“ nimmt den Zuschauer mit beim Wechselbad der Gefühle, das die Mannschaft in der Rückrunde der vergangenen Saison durchlebte.

BVB-Trainer Favre: „Das war eine Lehrstunde“

Die ganze Breite der Emotionen: die Niedergeschlagenheit nach dem Aus in der Champions League gegen Tottenham, die Wiederauferstehung nach der sportlichen Krise in der Bundesliga mit dem emotional aufwühlenden Las-Minute-Sieg in Berlin, am Ende der diesmal 90 Minuten Zeitreise das Spiel in München. Die Köpfe sind unten, bei jedem einzelnen. Trainer Lucien Favre, der zugibt: „Das war eine Lehrstunde!“

Teil drei der BVB-Doku: Als Klopp und Watzke per Anhalter nach Hause fuhren

BVB-Torhüter Roman Bürki gibt Einblick in sein Seelenleben. © Amazon Prime

In Teil drei ist der Zuschauer deutlich mehr „inside“. Zum Beispiel in Roman Bürkis Privatwohnung, in der ein Plakat sein Lebensmotto verkündet: „Mach mehr von dem, was dich glücklich macht!“. Bürki, der erzählt von seiner Verarbeitung der Saison unter Peter Bosz und Peter Stöger, in der die Kritik auf den Schweizer Keeper einprasselte. „Ich habe zu viel gewollt.“

Watzke hält Ansprache vor dem Hertha-Spiel

Nicht nur der Torwart steht im Mittelpunkt. Die Mikrofone sind hautnah dabei, wenn Hans-Joachim Watzke auf der Tribüne beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg sagt: „Wenn wir hier in Rückstand geraten, dann Gute Nacht!“ Watzke, der verrät, wie er vor dem wichtigen Auswärtsspiel in Berlin, das der BVB ohne Alcacer, Witsel und Götze bestreiten muss, in einer Ansprache an die Mannschaft das Team einschwor. „Das hat gefruchtet, aber das kannst du auch nicht jede Woche machen, dann hört dir bald keiner mehr zu.“ Sportdirektor Michael Zorc, der nach dem Last-Minute-Sieg hoch emotionalisiert ist. „Ich habe immer noch Puls!“

Diese Inneneinblicke, von der Stimmung in der Kabine nach Siegen oder Niederlagen, der Detailarbeit in der Vorbereitung auf ein Spiel, von Marco Reus, der erzählt, wie er seinen Trainer informiert, dass bei seiner schwangeren Frau die Wehen eingesetzt haben und er deshalb nicht zum Spiel gegen Wolfsburg kommen kann, die machen Spaß. Sie geben auch diesem Teil der Doku ihre besondere Note.

BVB-Showdown am Düsseldorfer Flughafen

Die Vereinshistorie bekommt auch in diesen 90 Minuten einen großen Raum. Der Börsengang 2000, der vor allem eine Geldbeschaffungsmaßnahme ist, um die (zu) teure Mannschaft zu finanzieren. Der folgenschwere Fehlschuss von Marcio Amoroso in der Champions League-Qualifikation, der den auf Kante gestrickten Etat platzen lässt wie eine reife Melone. Die versteinerten Gesichter von Sanierer Watzke und Präsident Dr. Reinhard Rauball 2005, als sich am Düsseldorfer Flughafen die Zukunft des hoch verschuldeten Klubs entschied. „Damals“, sagt Watzke, der seinerzeit frisch installierte Geschäftsführer, „ging es nicht darum, ob ich diesen Job zehn Jahre mache. Die Frage war eher, gibt es uns in drei Monaten noch.“

Teil drei der BVB-Doku: Als Klopp und Watzke per Anhalter nach Hause fuhren

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke blickt emotional zurück auf Fast-Insolvenz im Jahr 2005. © Amazon Prime

Auch in diesen Sequenzen zeigt Filmemacher Aljoscha Pause die rasend schnelle Entwicklung im Wandel zwischen den Extremen. Triumph, Existenzangst, der Wiederaufbau bis zum nächsten Triumph, das alles in kaum zehn Jahren. Fünf Jahre nach der Sanierung führt Strahlemann Jürgen Klopp den BVB zur Sensations-Meisterschaft. „Er uns erweckt“, sagt Sportdirektor Zorc.

Aufarbeitung der Negativ-Spirale kommt zu kurz

Es ist das Highlight dieser Folge, als Klopp erzählt, wie er nach dem Korso zur Feier der ersten Meisterschaft 2011 ganz allein auf einem der Anhänger erwacht, nicht weiß, wo er ist, dann Watzke trifft und sich mit ihm per Anhalter im Auto eines unbekannten türkischen Anwohners den Weg durch die gesperrten Dortmunder Straßen bahnt - Hühner-Gegacker aus dem Kofferraum und Geruch von frisch geschlachtetem Lamm inklusive.

Klopp gibt mit seinen lebhaften Erzählungen dieser Folge eine besondere Note, wohl auch deshalb kommt die Aktualität ein wenig zu kurz. Die Aufarbeitung der Negativ-Spirale im Februar hätte man gern intensiver beleuchtet gesehen. Man muss auch in dieser Folge sehr genau hinsehen, um Einblicke in Favres Arbeitsmethoden zu erkennen. Das meiste bleibt (aus nachvollziehbaren Gründen) im Dunkeln.

Der dritte Teil von „Inside Borussia Dortmund“ ist jetzt bei „Amazon Prime Video“ verfügbar.
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