Subotic: Anscheinend haben sich die Bayern-Meisterschaften nicht so richtig geil angefühlt

dzBorussia Dortmund

Vor dem Wiedersehen mit Borussia Dortmund spricht Neven Subotic im Exklusiv-Interview über seine neue Heimat Berlin, die BVB-Rückkehr von Mats Hummels und das Bundesliga-Leben als Underdog.

Dortmund

, 30.08.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Herr Subotic, wie ist es, in Berlin S-Bahn zu fahren?

Anzeige


(lacht) Erholsam, weil ich dem Stau auf der Straße entgehe. Ich komme pünktlich an und habe Zeit, um zum Beispiel Interview-Fragen zu beantworten.


Was haben die Union-Fans gesagt, als sie Sie in der Bahn nach dem 0:4 gegen RB Leipzig erkannt haben?

Die Union-Fans sind freundlich und wertschätzend. Viele haben mich persönlich nochmals willkommen geheißen - und fast alle haben mir deutlich gemacht, was dieser Klub für sie bedeutet.


Sie sind mit den BVB-Fans und den Menschen im Ruhrgebiet sehr gut klargekommen. Wie gefällt Ihnen die Berliner Mentalität?

Man kann die Menschen durchaus vergleichen. Die Mentalität passt zu mir. Ob Berlin oder Dortmund, beide Städte kommen aus einer bewegenden Vergangenheit, die eben nicht von Luxus geprägt war, sondern auf Gemeinschaft aufgebaut ist. Die Menschen sind ehrlich, direkt und sehr herzlich. Sowohl in Dortmund als auch hier in Berlin.

Subotic: Anscheinend haben sich die Bayern-Meisterschaften nicht so richtig geil angefühlt

Subotic sagt: „Ob Berlin oder Dortmund, beide Städte kommen aus einer bewegenden Vergangenheit, die eben nicht von Luxus geprägt war, sondern auf Gemeinschaft aufgebaut ist.“ © dpa

Ihr Wechsel zu Union Berlin kam überraschend. Was hat den Reiz ausgemacht, zu einem Aufsteiger zu wechseln?

Für mich war vorher schon klar, dass ich entweder zurück in die Bundesliga möchte oder nach England wechseln will. Ich kenne die Bundesliga, da weiß ich, woran ich bin. Mir gefällt die Qualität des Fußballs und auch die Atmosphäre in den Stadien. Und bei Union habe ich das alles, gepaart mit einer historischen Aufgabe, die sehr herausfordernd ist und die mich auch deshalb reizt.


Beim 1:1 in Augsburg haben Sie erstmals wieder in der Bundesliga auf dem Platz gestanden. Hatten Sie dieses Gefühl vermisst?

Das ist kein Geheimnis. Die Bundesliga ist mein Zuhause. Mittlerweile ja schon im 13. Jahr.


Bei Ihrer Vorstellung in Berlin haben Sie erklärt, dass Sie wüssten, dass Sie über sich hinauswachsen müssten. Was meinen Sie damit?

In fast jedem Spiel sind wir der Underdog. Diese Situation ist nicht nur neu für meine Mitspieler. Punkte zu holen, ist eine neue Herausforderung auch für mich. Dafür reicht Erfahrung alleine nicht aus, ich muss und möchte die nächste Stufe als Fußballer erreichen.


Dazu passt, dass Sie erklärt haben, auch mit 30 Jahren noch dazuzulernen. Was haben Sie in den 18 Monaten in Frankreich bei AS St. Etienne gelernt?

Sehr vieles, vor allem aber, wie man mit einer komplett anderen Herangehensweise an Fußball auch Erfolg haben kann. Dort genossen Mannschaftsgefühl, der Zusammenhalt und das Wohlbefinden der Spieler einen sehr hohen Stellenwert. Das war für mich zum Teil neu. Aber Frankreich hat ja auch die WM gewonnen. Das zeigt, dass es verschiedene Wege zum Erfolg gibt.


Was können Sie Ihrem neuen Klub geben? Vor allem Erfahrung?

Ich bin hier ein top motivierter Spieler, der auf viel Geld verzichtet hat, um hier zu spielen. Ich glaube, ich kann auch Vorbild für die jüngeren Generationen sein. Die Erfahrung ist wichtig, ich kann der Mannschaft helfen, die richtigen Entscheidungen innerhalb des Spiels zu treffen.

Subotic: Anscheinend haben sich die Bayern-Meisterschaften nicht so richtig geil angefühlt

Subotic will Vorbild für die junge Generation sein. © dpa

Zum Beispiel?

Wie gehe ich mit einem 0:1 um. Das ist eine Situation, die auch eine Reaktion erfordert, idealerweise aber eine, die nicht nur von Herzen kommt. Sie muss auch gut überlegt sein.


Während Ihrer Ausleihe nach Köln haben Sie schon einmal gegen den BVB gespielt. Wird es nun am Samstag „normaler“ sein, gegen den Ex-Verein auf dem Platz zu stehen?

Es war natürlich speziell und das wird es auch am Samstag wieder sein. Aber damals war klar, dass, sobald der Anpfiff ertönt, es keine Freunde gibt. Und es war auch klar, dass die Freundschaften nach dem Abpfiff sofort wieder da sind. So muss das in den 90 Minuten auch sein. Die Momente in Köln nach dem Spiel gegen Dortmund werden für mich immer unvergesslich sein.


War es am Ende eine logische Entscheidung, den BVB zu verlassen?

Mein Wunsch war es nie, den Verein zu verlassen. Doch es wurde dann irgendwann klar, dass dieser Schritt einfach notwendig ist. Deshalb hatte ich meinen Fokus darauf gesetzt, die beste Entscheidung für die Zukunft zu treffen. Wohlwissend, dass Dortmund für alle Zeit mein Zuhause bleiben wird.


Wie eng ist der Kontakt zu ehemaligen Mitspielern noch?

Der Kontakt ist zu vielen noch da, nicht nur zu Schmelle oder Lukasz Piszczek, sondern auch zu anderen, die nicht mehr dort spielen. Wie Nuri Sahin. Und diesen Kontakt werde ich hoffentlich auch ein Leben lang halten. Das, was wir gemeinsam erlebt haben, ist außerordentlich, einzigartig und auch wunderschön gewesen. Die Jungs liegen mir alle noch sehr am Herzen.


Mit Mats Hummels haben Sie jahrelang die Innenverteidigung beim BVB gebildet. Was sagen Sie zu seiner Rückkehr zum BVB?

Ich habe mich sehr gefreut über die Entscheidung. Einerseits für Mats, der damit auch gezeigt hat, was für ihn wichtig ist. Er hat Meisterschaften mit Bayern gewonnen, aber anscheinend haben die sich nicht so richtig geil angefühlt. Jetzt die Herausforderung mit dem BVB anzunehmen, könnte noch mal ein richtiges Highlight in seinem Leben werden. Zudem war das für den Verein auch ein sehr wichtiger und auch richtiger Transfer, nicht nur für die nächsten ein, zwei Jahre, sondern auch darüber hinaus. Mats verfügt über so viel Erfahrung, er kann mit seinen Qualitäten mithelfen, auch die nächste Generation zu entwickeln.

Subotic: Anscheinend haben sich die Bayern-Meisterschaften nicht so richtig geil angefühlt

Subotic freut sich über die BVB-Rückkehr von Mats Hummels. © dpa

Hummels geht bei Eckbällen immer mit nach vorne. Wer hat im direkten Kopfallduell Vorteile?

(lacht) Das ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen.


Hat der BVB das Zeug zur Meisterschaft?

Die Chance war ja schon da, sie ist auch in diesem Jahr da, da bin ich sicher.


Mit Köln haben Sie damals gegen den BVB das „zu Null“ gehalten. Wie muss Union auftreten, um am Samstag ein ähnliches Ergebnis zu erzielen?

Wir dürfen Ihnen keinen Raum geben, wo sie spielen können und müssen sie dauerhaft unter Druck setzen, damit sie einerseits schlechte Pässe spielen und wir andererseits eigene Chancen kreieren können. Wenn wir uns nur hinten reinstellen und hoffen, dass sie bloß kein Tor schießen, dann haben wir schon verloren. Wir müssen Ihnen das Leben so schwer wie möglich machen.


Statt Pierre-Emerick Aubameyang wie damals mit Köln wird Ihnen Paco Alcacer gegenüberstehen. Was wissen Sie über ihn, wie bereiten Sie sich vor?

Er ist ein herausragender Spieler, der mit einem Lauf oder einem Schuss ein Spiel entscheiden kann. Aber wir haben in der Videoanalyse gesehen, welche Gegenmittel wir ergreifen können.


Wie werden die BVB-Fans sie am Samstag empfangen?

Mit echter Liebe und von ganzem Herzen. Daran glaube ich.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gastkolumne
Stürmer Rouwen Hennings holt bei BVB-Gegner Fortuna Düsseldorf die Kastanien aus dem Feuer
Hellweger Anzeiger 09 Fakten
BVB gegen Düsseldorf: Premiere für Reus, Rekord für Hazard, Jubiläum für Hakimi?
Hellweger Anzeiger Borussia Dortmund
BVB-Wunschkandidat Erling Haaland - der blonde Riese mit der unglaublichen Torquote