Stürmer Rouwen Hennings holt bei BVB-Gegner Fortuna Düsseldorf die Kastanien aus dem Feuer

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Fortuna Düsseldorf will als eingetragener Verein in der Bundesliga bestehen. Trainer Friedhelm Funkel und ein 32-jähriger Stürmer sind dabei die größten Hoffnungsträger. Unsere Gastkolumne.

von Bernd Jolitz

Dortmund

, 07.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Realistische Selbsteinschätzung ist nicht unbedingt das, was man von Rheinländern erwartet – zumindest, wenn es um Fußball geht. Bei Fortuna Düsseldorf und ihrem Umfeld war es da über viele Jahrzehnte hinweg genau so, wie man es auch vom ungeliebten Nachbarn 1. FC Köln kennt: Entweder ist alles einfach nur großartig und die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb eigentlich nur eine Frage der Zeit - oder es ist eben alles Murks, völlig aussichtslos und überhaupt einfach nur eine Katastrophe.

Umso erstaunlicher, dass die Düsseldorfer inzwischen doch merklich anders ticken. „Ich finde es ganz fantastisch, wie realistisch unsere Anhänger sind“, sagt Fortunas Cheftrainer Friedhelm Funkel. „Die Jungs und Mädels wissen ganz genau, wie schwer es für uns im zweiten Jahr nach dem Aufstieg ist, sich überhaupt in der Bundesliga zu behaupten. Sie erwarten keine Wunderdinge von uns und unterstützen uns auch in schwierigen Situationen bedingungslos.“

Fortuna will weiter in der ersten Bundesliga mitmischen

Und in einer schwierigen sportlichen Lage befindet sich Fortuna in der Tat. Nach 13 Spieltagen steht sie auf Platz 15 der Bundesligatabelle, nur einen Zähler vor dem Relegationsrang, den Hertha BSC belegt. Doch Vorsicht: Es ist eben VOR der Hertha, die durch eine enorme Finanzspritze ihres Investors Lars Windhorst doch wirtschaftlich in einer ganz anderen Liga spielen sollte als die Düsseldorfer, die weiterhin ein eingetragener Verein sind und erst vor wenigen Wochen ihre Satzung sogar dahingehend geändert haben, dass nun eine Dreiviertel-Mehrheit der Mitglieder für eine Ausgliederung der Profiabteilung stimmen müsste. Kurzum: Das ist ausgeschlossen. Fortuna hat ihren Weg manifestiert, als Verein bestehen zu können – oder notfalls sehenden Auges unterzugehen.

Stürmer Rouwen Hennings holt bei BVB-Gegner Fortuna Düsseldorf die Kastanien aus dem Feuer

Bei Fortuna Düsseldorf eine Institution: Trainer Friedhelm Funkel. © dpa

Zweiteres hat jedoch niemand auf der Agenda, denn dazu sind die Düsseldorfer eben doch zu sehr Rheinländer. Fortuna will weiter in der obersten Etage mitmischen, obwohl sie im Sommer in Dodi Lukebakio (kurioserweise ausgerechnet in Richtung Hertha BSC) und Benito Raman (zu Schalke) ihre mit Abstand besten Torschützen verloren hat.

Jeweils zehn Treffer erzielten die beiden Belgier, und die als Ersatz auserkorenen Ghanaer Bernard Tekpetey und Nana Ampomah haben bislang überhaupt nicht gezündet. Auch für den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte steht bislang kein einziger Treffer zu Buche: Dawid Kownacki, 22-jähriger Nationalstürmer Polens und von vielen in seiner Heimat als designierter Nachfolger Robert Lewandowskis gehandelt.

BVB-Gegner Fortuna bringt einen gefährlichen Stürmer mit

Dass Kownacki nach einer halbjährigen Ausleihe, während der er in der vergangenen Saison unter anderem auch beim BVB zum 3:2-Endstand traf, mit einem Vier-Jahres-Vertrag fest verpflichtet werden konnte, war eine Sensation und ein Ausrufezeichen hinter dem Verhandlungsgeschick des Sportvorstandes Lutz Pfannenstiel. Nur 7,5 Millionen Euro musste Fortuna an Sampdoria Genua überweisen, in bequemen Raten zudem – ein Schnäppchen nach heutigen Maßstäben. Und dass der hochtalentierte Kownacki irgendwann auch wieder trifft, sehen nicht nur die optimistischen Rheinländer als sicher an.

Bernd Jolitz schreibt für die „Rheinische Post“ über Fortuna Düsseldorf.

Bis es soweit ist, muss Rouwen Hennings die Kastanien aus dem Feuer holen. Zehn Treffer hat der 32-Jährige in dieser Saison bereits erzielt, zudem im Pokal in Villingen auch noch das „Tor des Monats“ geschossen. Es ist der beste Hennings, den es je gab, und inzwischen ist aus der anfangs spaßigen Social-Networks-Diskussion, ob der frühere Karlsruher als Hinterbänkler in Jogi Löws EM-Kader 2020 rutschen sollte, sogar ein Thema geworden, mit dem sich Fachzeitschriften beschäftigen. Derzeit ist der Mann, von dem viele noch vor wenigen Monaten behaupteten, er sei nur ein Zweitligastürmer, hinter Leipzigs Timo Werner der an Bundesliga-Toren gemessen zweitbeste deutsche Stürmer.

Ziel Fortunas bleibt allein der Klassenerhalt. So viel Realismus muss sein, und so viel ist in Düsseldorf auch vorhanden. Der Hoffnungsträger dabei ist neben Rouwen Hennings und dem von Manchester City ausgeliehenen US-Nationalkeeper Zack Steffen der Trainer: Friedhelm Funkel, Deutschlands Rekord-Aufstiegscoach, der in Düsseldorf sein spätes Glück gefunden hat und in Kürze seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängern wird. Sollte es ihm erneut gelingen, den Traditionsklub vor dem Abstieg zu retten, werden sie ihm in der Landeshauptstadt wohl endgültig ein Denkmal errichten.

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