So will der BVB seine Standardschwäche endlich in den Griff bekommen

dzBorussia Dortmund

Das Verteidigen von Standards bleibt eine große Schwäche des BVB. Alle 208 Minuten fällt so ein Gegentor, schlechter ist seit Sommer 2018 kein anderes Bundesliga-Team gewesen. Auch das Trainerteam ist gefordert.

Dortmund

, 10.09.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Alarmstimmung verbreiten will, findet in den Daten des Dienstleisters Deltatre, die unserer Redaktion vorliegen, schnell belastendes Material. Borussia Dortmund kassiert alle 208 Minuten ein Gegentor nach ruhenden Bällen. Von den aktuellen Bundesligisten sind nur der SC Freiburg oder der FC Augsburg ähnlich schwach bei ruhenden Bällen. Oder in totalen Zahlen: Seit Sommer 2018 kassierte nur Hannover 96 (20 Gegentore) mehr Treffer nach Standards als der BVB (16) und drei andere Mannschaften. Zwei der fünf Gegentore in dieser Saison fielen nach Ecken - Platz 17.

Der BVB hat ein Problem zu lösen

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„Standard-Situationen sind bei uns immer ein Thema“, sagt Borussia Dortmunds Co-Trainer Manfred Stefes auf Anfrage. „Wir wissen auch, dass wir uns da verbessern müssen.“ Zugleich verweist er zurecht darauf, dass in der Statistik aus der Vorsaison beim BVB vier Strafstöße auftauchen - die Elfmeter müsste man eigentlich bei allen Mannschaften herausrechnen.

  • Borussia Dortmund hat seit Sommer 2018 in der Bundesliga sechs Gegentore nach Ecken und sechs Treffer nach Freistößen kassiert.

  • Alle 208 Minuten fällt so ein Treffer für die BVB-Gegner. Der FC Bayern München musste nur alle 370 Minuten ein Tor nach einem ruhenden Ball hinnehmen.

  • Einzig Werder Bremen (3) kassierte in dieser Saison mehr Treffer nach Ecken als der BVB (2), der zehn Torschüsse nach Standards zuließ. Nach Flanken ist Borussia Dortmund aber noch ohne Gegentor.

  • In den Defensiv-Zweikämpfen ist Dortmund Ligaspitze: 62 Prozent der Duelle wurden gewonnen. Nur der SC Freiburg (18) foulte dabei seltener als der BVB (20).

So oder so: Der BVB hat ein Problem zu lösen. Genauer gesagt sind es mehrere Aufgaben. Denn die Gründe für das unzureichende Abwehrverhalten vor allem bei Eckbällen sind vielschichtig. Konzentration gehört dazu, damit der Gegner nicht mit einem Bauerntrick zum Erfolg kommt wie Union Berlin mit einer flach ausgeführten Ecke. Willen und Entschlossenheit sind ebenso gefragt, sonst wäre das 1:0 des 1. FC Köln am zweiten Spieltag nicht gefallen, die richtige Mentalität ist eine wichtige Komponente.

„Verantwortung für Ball, Raum und Gegner muss jeder Einzelne übernehmen“, fordert Stefes. Eine Schwierigkeit kann auch die Verpflichtung von Mats Hummels alleine nicht beheben; nämlich jene, dass die Spieler von Borussia Dortmund im Durchschnitt nicht die längsten sind. Dass der BVB hier verwundbar ist, hat sich längst herumgesprochen. Zu den Gegentoren nach Ecken und Freistößen kamen in der Vorsaison noch elf Treffer nach Flanken. Die Meisterschaft ist unter anderem in der Luft verpufft.

BVB-Trainerteam zeigt umfassende Videoanalysen

Cheftrainer Lucien Favre und seine beiden Assistenten Edin Terzic und Manfred Stefes verstehen ihre Arbeit bei ruhenden Bällen als Teamwork. Alle wollen und müssen dazu beitragen, diese Anfälligkeit in den Griff zu bekommen. Zu ihrer Zeit in Gladbach, das wissen Favre und Stefes genau, sei es ihnen gelungen, mit ihrer Mannschaft fast eineinhalb Jahre ohne Gegentor nach Standardsituationen zu bleiben. Dies allein mit kopfballstärkeren Spielern zu begründen, greift zu kurz.

So will der BVB seine Standardschwäche endlich in den Griff bekommen

Lucien Favre (l.) und seine beiden Assistenten Edin Terzic (r.) und Manfred Stefes verstehen ihre Arbeit bei ruhenden Bällen als Teamwork. © imago

Auch die systematische Herangehensweise zu hinterfragen, greift zu kurz. Stefes ist sicher: „Es gibt kein Patentrezept.“ Bei ihren umfassenden und fortwährenden Videoanalysen haben die Dortmunder Trainer laut Stefes generell festgestellt, „dass auch bei anderen Mannschaften Gegentore nach Standards fallen, egal ob sie mit Manndeckung oder mit Raumdeckung agieren“. Nur in Summe eben weniger.

Stefes: „Wir müssen üben, üben, üben“

Also bleiben Standards Thema auf dem Trainingsgelände in Brackel. Stefes: „Wir arbeiten mit viel Videostudium und mit spielnahen Situationen. Und wir müssen üben, üben, üben.“ Das wird, sobald der Kader nach den Länderspielen wieder vollzählig ist, auch vonnöten sein, selbst wenn der nächste Gegner mit seiner Ausbeute bei Standardsituationen keine Schweißperlen auf die Stirn treibt: Bayer Leverkusen kam gegen die TSG Hoffenheim auf 19 Eckbälle. Die Partie endete 0:0.

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