Eine sattelfeste Abwehr sieht anders aus: Der BVB ist nach Kontern auffällig anfällig

dzBorussia Dortmund

Der BVB hat bislang drei Gegentore mehr kassiert als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. Eine sattelfeste Abwehr sieht anders aus. In unserer Analyse beleuchten wir die Dortmunder Defensive.

Dortmund

, 14.11.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein knappes Drittel der Spielzeit ist rum. Nach der verspielten Meisterschaft in der Vorsaison wurden die Gründe dafür von den BVB-Verantwortlichen vor allem in der Defensivarbeit gesucht. Mats Hummels, Nico Schulz, Mateu Morey: Drei neue Spieler wurden im Sommer geholt, um die Abwehr zu verstärken. Trotzdem stehen nach elf Spieltagen drei Gegentore mehr (15 statt 12) als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison zu Buche, der BVB stellt nur die siebtbeste Defensive der Liga.

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Abgemeldete Stürmer: Die gegnerischen Angreifer verbreiten vergleichsweise wenig Schrecken im Dortmunder Strafraum. Sieben Stürmer-Gegentore sind der drittbeste Wert der Liga, der Ligaschnitt liegt bei 9,7 Stürmergegentoren. Komplett abgemeldet sind die gegnerischen Einwechselspieler. Der BVB kassierte in dieser Spielzeit noch kein Joker-Gegentor, das ist logischerweise Ligaspitze.


Offen für Konter: Dafür ist Borussia Dortmund nach Kontern auffällig anfällig. Bereis 19 Torabschlüsse ließ Lucien Favres Mannschaft nach gegnerischen Kontern zu, nur Eintracht Frankfurt präsentierte sich an den ersten elf Spieltagen genauso konteranfällig. Die gute Nachricht aus Dortmunder Sicht: Nur einer dieser 19 Torabschlüsse führte bislang zu einem Gegentor. Und: Zumindest die Staffelung in der Defensive scheint zu passen. Der BVB ist noch ohne Gegentor nach einem Steilpass des Gegners.

Eine sattelfeste Abwehr sieht anders aus: Der BVB ist nach Kontern auffällig anfällig

© Deltatre

Viele Großchancen: Insgesamt hat der BVB an den ersten elf Spieltagen 17 Großchancen zugelassen, das bedeutet nur Rang zwölf in der Bundesliga. Der Durchschnitt liegt bei 15, den Bestwert hält der VfL Wolfsburg (3), Schlusslicht ist der SC Paderborn (27).


Links vor Rechts: Sechs der 15 Gegentore in der Liga fielen über Dortmunds linke Abwehrseite, sieben durch die Mitte, nur zwei über die rechte Abwehrseite. Das Problem hinten links ist freilich nicht allein auf Nico Schulz zurückzuführen, zeigt aber vielleicht ganz gut, warum der Neuzugang aus Hoffenheim die Erwartungen bislang noch nicht wirklich erfüllen konnte.


Viel los im Strafraum: 132 Torschüsse ließ der BVB in dieser Saison bislang zu, das ist der sechstbeste Wert der Liga (Spitzenreiter: Leverkusen, nur 99 Torschüsse zugelassen). Allerdings feuerte der Gegner 87 dieser 132 Torschüsse aus dem Dortmunder Strafraum ab. Zum Vergleich: Der FC Bayern München ließ aus dem Strafraum nur 62 gegnerische Abschlüsse zu.


Die Abseitsfalle funktioniert: 27 Mal stellte Borussia Dortmund den Gegner in dieser Saison Abseits: Rang drei. Spitzenreiter in dieser Statistik ist RB Leipzig mit 32 zugeschnappten Abseitsfallen, beim 1. FSV Mainz 05 funktionierte die Abseitsfalle nur siebenmal - Ligatiefstwert.

Eine sattelfeste Abwehr sieht anders aus: Der BVB ist nach Kontern auffällig anfällig

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Gute Zweikampfquote: Keine Defensive in der Bundesliga gewinnt prozentual mehr Zweikämpfe als die des BVB. 55 Prozent gewonnene Defensivzweikämpfe sind Ligabestwert. Auch in der Luft ist die Dortmunder Abwehr stark: 66 Prozent aller Defensiv-Kopfballduelle entschied der BVB für sich. Nur der FC Schalke 04 hat eine bessere Quote vorzuweisen (67 Prozent).

Bei aller Zweikampfstärke fällt allerdings auf, dass der BVB insgesamt nur wenige Zweikämpfe führt. Insgesamt 2172 Zweikämpfe bedeuten Platz 13 in der Liga, davon lediglich 987 Defensiv-Zweikämpfe bedeuten sogar Platz 18. Die meisten Zweikämpfe, sowohl insgesamt als auch defensiv führt der Tabellenführer aus Mönchengladbach (2411 und 1224), weist zumindest in der Defensive aber überraschenderweise die schwächste Zweikampfquote auf (nur 44 Prozent gewonnene Duelle).


Fairness: Hier ist der BVB vorbildlich unterwegs, wenn man es positiv auslegen möchte, oder vielleicht auch etwas zu brav unterwegs, wenn man es lieber negativ betrachten möchte. Jedenfalls kassierte Favres Team erst zwölf Gelbe Karten in dieser Saison, so wenig wie keine andere Mannschaft in der Liga. Bei den Foulspielen (99 Fouls) rangiert der BVB auf Platz zwei in der Tabelle, nur der SC Freiburg (96) spielt weniger Foul.

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Stark bei Standards: Zunächst die guten Nachrichten: Der BVB hat in dieser Spielzeit noch kein Gegentor nach einem gegnerischen Freistoß kassiert, weder direkt aufs Tor gezogen noch als Flanke geschlagen. Außerdem haben die Schwarzgelben in der Liga noch keinen Elfmeter verursacht. All das bedeutet Ligabestwert.


Schwach bei Standards: Nun die schlechte Nachricht: Nach gegnerischen Ecken lässt der BVB deutlich zu viel zu. Drei Gegentore nach Ecken toppt nur Werder Bremen - die Hanseaten belegen in dieser Statistik mit sechs Gegentoren abgeschlagen Rang 18 in der Liga. Insgesamt ließ der BVB bislang 47 Ecken (Platz sechs) zu, jede 16. führt zu einem Gegentreffer. Das ist deutlich schlechter als der Ligaschnitt, denn durchschnittlich führt in der Bundesliga nur jede 37. Ecke zu einem Tor. Immerhin: Seitdem der BVB gegnerische Ecken mannorientierter verteidigt als zu Saisonbeginn, ist Besserung deutlich erkennbar.

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