Reus verletzt, Hakimi weg, Sancho fraglich: BVB-Offensive zu dünn besetzt?

dzPro und Contra

Marco Reus fällt auf unbestimmte Zeit aus, Achraf Hakimi hat den Verein verlassen, Jadon Sancho könnte folgen. Muss der BVB seinen Kader offensiv noch verstärken? Unser Pro und Contra.

Dortmund

, 31.07.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst im August wird sich die sportliche Zukunft von Jadon Sancho entscheiden. Würde der 20-Jährige doch noch zu Manchester United wechseln, müsste die Situation in Borussia Dortmunds Offensive komplett neu durchdacht werden. Wir diskutieren: Muss der BVB seinen Kader offensiv noch verstärken?


Pro: Eine Kraft fehlt noch (Sascha Klaverkamp)

Der BVB steckt sich große Ziele: Die Bayern vom Meisterthron schubsen, in Pokal und Champions League endlich wieder deutlich weiter kommen als zuletzt. All das steht auf der internen Agenda. Um wirklich in allen Wettbewerben ein gewichtiges Wörtchen mitreden zu können, braucht es einen klug zusammengestellten Kader, der Ausfälle auffangen kann. Keine Frage, der BVB hat bereits exzellente fußballerische Qualität zusammengezogen. Trotzdem fehlt noch eine weitere offensive Kraft, die auf höchstem Niveau Torgefahr ausstrahlt und verlässlich Assists zu liefern weiß.

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Achraf Hakimi, der zu Inter Mailand weitergezogen ist, war in der Liga in der Vorsaison an 15 Toren direkt beteiligt, schoss zudem vier Treffer in der Champions League. Marco Reus spielte zwar aufgrund von Verletzungen nur 19 Mal in der Liga, brachte es dennoch auf 17 Scorerpunkte. Er wird nun weiter fehlen, und die Borussia muss sich auch dafür wappnen, dass Reus nach einer Rückkehr auf den Rasen erneut verletzt ausfallen könnte. Leider ist genau das aus Erfahrung nicht unwahrscheinlich.

Haaland, Reyna, Bellingham und Moukoko noch in der Entwicklung

Einige Spieler, die künftig wichtige Rollen in der Dortmunder Offensive bekleiden sollen, stecken zudem noch in ihrer Entwicklung. Ob Erling Haaland (20), Giovanni Reyna (17), Jude Bellingham (17) oder Youssoufa Moukoko (15) - sie alle sind zwar hochbegabt am Ball, aber bei Youngstern müssen Leistungsschwankungen mit einkalkuliert werden. Vor allem Bellingham und Moukoko müssen sich an die raue Bundesliga erst einmal gewöhnen. Und das möglichst ohne großen Erwartungsdruck in Form von Toren.

Nicht zuletzt ist fraglich, ob Scorerkönig Jadon Sancho, wenn er in Dortmund bleibt, eine solche Sahne-Saison wie die jüngste direkt noch einmal auf den Platz bringen kann. Womöglich werden die Konkurrenten ihn künftig erst recht knallhart beschatten lassen, um ihn zu bremsen. Also: Sollte es wirtschaftlich eine seriöse Lösung geben, wäre der BVB gut beraten, offensiv noch eine torgefährliche Verstärkung an Bord zu holen, die zentral und auf den Flügeln agieren kann.

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Contra: Der BVB benötigt keinen Reus-Ersatz (Jürgen Koers)

Als eine Art „Blindflug“ hat BVB-Chef Hans-Joachim Watzke das Arbeiten in Coronazeiten beschrieben. Für das abgelaufene Geschäftsjahr zeichnet sich ein dickes Minus ab, auch in der nächsten Saison wird es mindestens beim Umsatz Einbußen geben. Zurückhaltung ist das Gebot der Stunde. Für den aktuell maladen Kapitän Marco Reus, so ärgerlich und langwierig seine Verletzungen auch sein mögen, einfach mal eben einen möglichst gleichwertigen Ersatz herbeizuzaubern, das ist Wunschdenken. Aber mehr auch nicht.

Brandt und Reyna können Reus-Ausfall beim BVB kompensieren

Nicht erst seit der neusten Hiobsbotschaft kennt der BVB das Problem mit den vielen Ausfallzeiten von Marco Reus. Und er hat längst darauf reagiert. Einen Julian Brandt hat Sportdirektor Michael Zorc vor einem Jahr nicht einfach verpflichtet, weil der Spieler gerade auf dem Markt war. Sondern weil er auf dem Rasen schon jetzt und auch perspektivisch eine Schüsselrolle in der Offensive übernehmen kann und soll. Und in Giovanni Reyna, diesem hoch veranlagten 17-Jährigen, wächst der nächste zentrale Mittelfeldspieler bereits heran. Der BVB benötigt keinen Reus-Ersatz - diese Spieler hat er längst im Kader.

Unumgänglich erscheint hingegen die angepasste sportliche Einordnung der Identifikations- und Integrationsfigur Reus. Es wäre blauäugig, ihn mit seiner Verletzungshistorie für 45 Saisonspiele einzuplanen. Außerhalb des Platzes wird er immer helfen und wichtig sein. Auf dem Rasen konnte er das seit Februar nicht mehr. Seine Mannschaft hat das von einer unter dem Strich bärenstarken Rückrunde (39 Punkte) nicht abgehalten.

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