Reus und Schulz enttäuschen mit dem DFB-Team gegen die Niederlande

EM-Qualifikation

Das DFB-Team unterliegt den Niederlanden in der EM-Qualifikation mit 2:4. Es ist ein Rückschlag beim groß angekündigten Neustart. Die BVB-Akteure Reus und Schulz bleiben blass.

Hamburg

, 06.09.2019, 22:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Reus und Schulz enttäuschen mit dem DFB-Team gegen die Niederlande

Marco Reus setzt sich im Zweikampf durch. © imago

An diese Klänge muss man sich erst gewöhnen. Mit einer neuen Tormusik will die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auch akustisch erlebbar machen, dass der Umbruch voranschreitet. Statt des nach zwölf Jahren längst ausgeleierten Oliver-Pocher-Schlagers „Schwarz und Weiß“ tönen nun die Bässe: „Kernkraft 400“ von Zombie Nation ist zwar 20 Jahre alt, scheppert jedoch frischer. Bis zur Premiere der von Fans ausgewählten lärmenden Geräuschkulisse dauerte es am Freitagabend nur neun Spielminuten.

Reus und Co. hängen in der Luft

Da zeigte die DFB-Auswahl, was ihr Bundestrainer Joachim Löw verordnen will. „Mehr Tempo, mehr Tiefe“, das sollen Wiedererkennungswerte im Spiel seiner Mannschaft werden. Joshua Kimmich demonstrierte, was gemeint ist. Mit einem Steilpass schickte er Rechtsverteidiger Lukas Klostermann hinter die niederländische Abwehrkette. Den Versuch des Leipzigers vereitelte noch Holland-Torhüter Jasper Cillessen, den Nachschuss versenkte Serge Gnabry. Schön tönten die fetten Beats aus den Boxen im Volksparkstadion.

Wer daraus auf eine flotte Party im Klassiker zwischen den alten Rivalen schließt, liegt falsch. Im vierten Aufeinandertreffen binnen eines Jahres blieb der Unterhaltungswert bis zur Pause arg überschaubar. Deutschlands eher abwartende Spielweise mit der vagen Hoffnung auf schnelle Umschaltmomente riss niemanden der 51.299 Zuschauer im ausverkauften Rund von den Sitzen. Die drei Stürmer um Gnabry, BVB-Kapitän Marco Reus und Timo Werner, der den verletzten Leroy Sane ersetzte, bekamen kaum verwertbare Bälle in die Füße gespielt. Mit mehr als 60 Prozent Ballbesitz und 3:0 Ecken wusste aber auch „Oranje“ wenig anzufangen.

Löw kalkuliert auch Rückschläge ein

Ihre Dynamik und Geschwindigkeit, die beide Mannschaften durchaus im Repertoire haben, bremsten die Dauerrivalen gegenseitig aus. Als hätten sich die Spieler vorher bei Frikandel und Currywurst getroffen: Alle wirkten etwas schwerfällig. Eher zufällig landete kurz vor der Halbzeit der Ball auf dem Fuß von Reus. Seinen wuchtigen Rechtsschuss wehrte Cillessen mit einer Hand ab - Pause.

Reus und Schulz enttäuschen mit dem DFB-Team gegen die Niederlande

Nico Schulz im Duell mit Denzel Dumfries. © imago

Als hätte es die Zweifel und Rückschläge des WM-Jahres 2018 nicht gegeben, hat Bundestrainer Löw dieser Tage eine rosige Zukunft ausgemacht. „Die Mannschaft weiß und versteht, dass sie in der Zusammensetzung die nächsten Jahre einiges erreichen kann“, sagte der 59-Jährige in Hamburg. Für die Entwicklung bis dahin bittet er um Zeit und kalkuliert auch Rückschläge ein.

Schulz kommt zu spät

Die kamen wie auf Bestellung, als die Partie nach Wiederanpfiff an Rasanz zulegte. Erst stürmte Deutschland zu Chancen durch den von Löw gepriesenen „Serge spielt immer bei mir“ Gnabry (51.) und den Dortmunder Nico Schulz (52.), DFB-Kapitän Manuel Neuer parierte mit beiden Fäusten einen Schuss von Georginio Wijnaldum (56.). Dann der Ausgleich: Bei einer Flanke von links rutsche Jonathan Tah aus, Schulz verpasste den Zweikampf mit dem auffälligen Frenkie de Jong - 1:1 (59.).

Löw reagierte prompt, brachte Kai Havertz und Ilkay Gündogan als Angreifer (!) für die blassen Reus und Werner (61.). Einiges wirkte unsortiert in der Folge, und bei Deutschlands nächstem Treffer blieb die Tormusik in der Konserve: Jonathan Tah traf unschuldig ins eigene Netz (66.). Doch auch Hollands Star-Innenverteidiger Matthijs de Ligt unterlief ein Missgeschick mit einem Handspiel im Strafraum. Toni Kroos blieb vom Elfmeterpunkt cool - 2:2, Bässe aus den Boxen (73.).

Ein weiter Weg bis zur EM

Mit diesem Ergebnis hätte Deutschland in der EM-Qualifikation - die beiden Gruppenersten sind direkt qualifiziert - gut leben können. Doch die zuvor wehrhafte Arbeit gegen den Ball wurde nachlässiger, nach Matthias Ginters Fehlpass stand letztlich der eingewechselte Donyell Malen frei und erzielte die Vorentscheidung für die Gäste, die mit Wijnaldums 4:2 (90.) das 3:2 der DFB-Elf in Amsterdam übertrumpften. Der Fanclub Nationalmannschaft träumte vor dem Anpfiff auf einem Banner: „Über Hamburg und München nach London“, also bis zum EM-Endspiel 2020. Es ist noch ein weiter Weg, auch wenn mehr Musik drin ist.

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