Reinhard Rauball stellt dem BVB ein gutes Zwischenzeugnis aus - Lob für Zorc und Reus

dzBorussia Dortmund

Kühle vier Grad und Regen. Schlechtes Wetter erwartet die Borussen, die am Sonntag zur Mitgliederversammlung kommen. Die Bilanz, die der BVB dort vorlegen wird, ist aber warm und wolkenlos.

Dortmund

, 21.11.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor einem Jahr empfing Borussia Dortmunds Profis ein heftiger Gegenwind. Als die Mannschaft zur Mitgliederversammlung in die Westfalenhalle einlief, schlugen ihr laute Pfiffe entgegen. Der BVB steckte mitten in der sportlichen Krise, war nach einem fantastischen Saisonstart in der Bundesliga übel abgestürzt und hatte gerade eine 4:0-Führung im Revierderby gegen Schalke noch verspielt.

Nicht nur die treuen Fans der Schwarzgelben waren enttäuscht. „Ich habe die klare Erwartung an dich, Peter, dass ihr alles auf den Prüfstand stellt, jeden Stein umdreht. Wir müssen wieder ganz schnell zurück in die Erfolgsspur“, betonte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in Richtung des damaligen Trainers Peter Bosz. Das Saisonziel – ein Ticket für die Champions League – war in akuter Gefahr.

In diesem Jahr gibt es keinen Grund zu meckern

Jetzt, ein Jahr später, wird es keine Pfiffe gegen die Mannschaft geben. Tosender Applaus dürfte stattdessen das Team um Trainer Lucien Favre am Sonntag auf der Mitgliederversammlung empfangen. „Die Ansätze zur Kritik werden sich in Grenzen halten“, glaubt auch BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball.

„Wir erleben eine tolle Zeit. Sie ist aber das Ergebnis von nicht wenig Arbeit auf allen Ebenen.“
Reinhard Rauball

Warum sollte auch jemand meckern? Der BVB-Kosmos hat sich schließlich extrem gewandelt seit der Herbst-Depression des Vorjahres. „Wir erleben eine tolle Zeit“, sagt Rauball, „sie ist aber das Ergebnis von nicht wenig Arbeit auf allen Ebenen. Schön, dass sich das realisiert, was wir konzipiert haben.“

Der Genuss-Faktor für den Präsidenten ist gerade sehr hoch, das wird er auch die Mitglieder am Sonntag wissen lassen. „Am meisten Freude macht mir die Art und Weise, wie die ziemlich neue Mannschaft sofort von den Fans akzeptiert worden ist“, erklärt der 71-Jährige. Dass die Borussia Mitte November ungeschlagen an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga steht, und dann auch noch klar vor den Bayern rangiert, das habe er so nicht erwartet. „Das nötigt mir Respekt ab – und ich gönne das unserer Mannschaft. Denn sie liefert starke Leistungen ab.“

Reinhard Rauball stellt dem BVB ein gutes Zwischenzeugnis aus - Lob für Zorc und Reus

Der BVB ist ungeschlagener Tabellenführer - „Das nötigt mir Respekt ab – und ich gönne das unserer Mannschaft. Denn sie liefert starke Leistungen ab.“ © imago

Einer der Profis, die Rauball besonders beeindruckt haben, ist Marco Reus. Nicht nur aufgrund dessen sportlicher Qualität. „Er ist auch als Persönlichkeit gereift. Was er als Sprecher der Mannschaft sagt, hat Hand und Fuß.“ Reus sei der perfekte Kapitän für „die jungen Spieler in unserem Kader, in die wir große Hoffnungen setzen“. Spieler wie Jadon Sancho und Jacob Bruun Larsen. Oder Dan-Axel Zagadou. „Der Junge spielt mit einer solchen Abgeklärtheit, als hätte er schon zehn Jahre Erfahrung gesammelt“, lobt Rauball.

„Er ist auch als Persönlichkeit gereift. Was er als Sprecher der Mannschaft sagt, hat Hand und Fuß.“

Reinhard Rauball über Marco Reus

Ein überaus gutes Zeugnis stellt der Präsident auch der sportlichen Führung des Klubs um Sportdirektor Michael Zorc aus. Nicht nur die aktuellen Neuzugänge wie Paco Alcacer oder Axel Witsel seien Beleg für die gute Arbeit. „Der Erfolg ist flächendeckend über einen langen Zeitraum erkennbar“, betont Rauball. Ein wichtiger Baustein sei der neue Cheftrainer Lucien Favre, dessen ersten fünf Monate im Amt die Erwartungen absolut erfüllt hätten. „Mir gefällt, wie unaufgeregt und detailversessen er seine Arbeit macht. Bemerkenswert, wie souverän er das Team führt.“

Der sportliche Erfolg kurbelt die wirtschaftliche Entwicklung an

Auch Lucien Favre wird am Sonntag einen warmen Empfang in der Westfalenhalle bekommen. Und der Schweizer wird hören, dass alle Abteilungen des BVB gut gearbeitet haben. „Das“, so Rauball, „werden die Berichte deutlich zeigen.“ Inklusive des Berichtes des Schatzmeisters. Denn der sportliche Höhenflug hat auch den Kurs der BVB-Aktie kräftig angeschoben – und damit das Vermögen des Vereins. 5,53 Prozent der Aktien hält der Verein selbst. „Es gab Zeiten, da war eine BVB-Aktie weniger als einen Euro wert. Jetzt bewegen wir uns oberhalb von neun Euro pro Aktie, natürlich passt das ins gute Bild“, sagt Reinhard Rauball.

Dass es sportlich oder wirtschaftlich einen plötzlichen Absturz geben könnte, das befürchtet der Präsident nicht. Um Nachlässigkeiten im süßen Gefühl des Erfolges zu verhindern, gebe es im Klub genügend erfahrene Leute. Reinhard Rauball: „Wir müssen genauso weiter arbeiten wie bislang in dieser Saison: Wir müssen nach jeder guten Leistung runterkühlen. Das hilft enorm, den klaren Blick zu bewahren.“

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