Reifeprüfung für beide Mannschaften: Der BVB fordert Freiburgs Gipfelstürmer

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Es ist eine hübsche Geschichte, die derzeit gerne erzählt wird, wenn es um den SC Freiburg geht. Als „Fußballhauptstadt“ feiern Medien vor dem Spiel gegen den BVB die Schwarzwaldmetropole.

von Daniel Theweleit

Dortmund

, 05.10.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Klar, Bundestrainer Joachim Löw stammt von hier, mit Fritz Keller wurde gerade ein Freiburger zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes gewählt, Christian Streich ist der dienstälteste Bundesligatrainer. Und nun dürfen die Menschen in der Stadt auch noch davon träumen, am kommenden Wochenende den ersten Tabellenplatz der Bundesliga zu erklimmen.

Natürlich werden beim Blick hinter die Fassade schnell Risse im Bild von leuchtenden Fußballidyll sichtbar; Löw ist längst nicht mehr unumstritten, Keller war beim SC seit 2018 durch eine Satzungsänderung kein Vorstandsmitglied mehr, sondern nun noch repräsentativ tätig, auch weil es Konflikte um den ehemaligen Präsidenten gab. Aber die Freiburger sind natürlich trotzdem sehr zufrieden mit der Fußballwelt in diesem Herbst.

Bisherige Gegner von Freiburg stehen alle weit unten in der Tabelle

Vor der Partie gegen den BVB wird gerechnet und fantasiert, wie der Sprung an die Spitze der Liga gelingen könnte. Es wäre ein neuer Höhepunkt, denn bis auf eine einzige Woche nach dem ersten Spieltag im Jahr 2001 standen die Freiburger noch nie dort oben auf Rang Eins.

Reifeprüfung für beide Mannschaften: Der BVB fordert Freiburgs Gipfelstürmer

Johnathan Schmid (l.) und Christian Günter besetzen beim SC Freiburg die beiden Außenverteidiger-Positionen und hatten in dieser Saison bereits viel zu bejubeln. © dpa

„Wenn die Leute draußen in der Stadt sich freuen, dann ist das super, so muss das sein“, sagt Streich, ihn selbst interessiere aber etwas anderes: „Wir stehen acht Punkte vor dem Drittletzten Tabellenplatz, das ist, was relevant ist in Freiburg.“ Der Trainer hat ein paar gute Argumente, wenn es darum geht, diese demütige Haltung einzufordern.

Klar besser war der SC bislang nämlich nur beim 3:0 in Hoffenheim und in Teilen beim 1:1 gegen Augsburg, alle anderen Partien waren eng und längst nicht immer glanzvoll. Zudem stehen die bisherigen sechs Gegner stehen alle weit unten in der Tabelle: Mainz, Paderborn, Köln, Augsburg, Hoffenheim, Düsseldorf.

Echter Gradmesser auch für den SC Freiburg

Der BVB ist die erste Topmannschaft, auf die der Tabellendritte trifft. „Sie werden sehr gut vorbereitet sein, weil es für fast keine Mannschaft einfach ist, hier gegen uns zu spielen“, glaubt Mittelfeldspieler Amir Abrashi. Zumal nach dem günstigen Saisonverlauf viel Selbstvertrauen und ein großes Selbstverständnis bei der Umsetzung der Matchpläne vorhanden sind. Der gute Saisonstart „hilft uns brutal“, verkündet Streich.

Reifeprüfung für beide Mannschaften: Der BVB fordert Freiburgs Gipfelstürmer

Christian Streich ist der Antreiber des SC Freiburg. © dpa

In den weniger guten Jahren verlor die Mannschaft vor allen Dingen auswärts nach Rückschlägen immer wieder den Mut und den Glauben. Das sei derzeit anders, erläutert Abrashi in einem Interview auf der Homepage des Vereins am Beispiel des Sieges von Düsseldorf. Der 0:1-Gegentreffer sei zwar „ein kleiner Schock gewesen“, aber die Mannschaft habe „weitergespielt als wäre nichts gewesen und prompt kam das 1:1“.

Und die Träumer finden schnell weitere Fakten, um ihre Hoffnung auf eine besonders erfolgreiche Saison mit weiteren Fakten untermauern: Der Kader ist von einer Vielseitigkeit geprägt, die in den meisten Jahren nicht vorhanden ist. Zuletzt konnte Streich Vincenzo Grifo, den teuersten Einkauf der Klubgeschichte und Luca Waldschmidt, den Torschützenkönig der U21-EM einwechseln, in Düsseldorf war es Waldschmidts Brillanz im Torabschluss, die den Siegtreffer möglich machte.

Führt der Weg erneut in die Europa League?

Die Jahre mit für Freiburger Verhältnisse außergewöhnlich guten Spielern, mit Daniel Caligiuri, Max Kruse, Matthias Ginter oder Maximilian Philipp endeten schon mehrfach mit der Qualifikation für den Europapokal. Und im laufenden Jahr ist es zudem möglich, auf Formschwankungen und auf Ausfälle einzelner Spieler zu reagieren.

In der Abwehrkette, auf den offensiven Außenbahnen, im Mittelfeldzentrum, in allen Mannschaftsteilen ist der Konkurrenzkampf groß, und Streich baut seine Formationen radikal pragmatisch nach den Erfordernissen, die sich aus den Besonderheiten des jeweils nächsten Gegners ergeben.

Reifeprüfung für beide Mannschaften: Der BVB fordert Freiburgs Gipfelstürmer

Maximilian Philipp und Matthias Ginter wählten den Weg aus Freiburg nach Dortmund. © dpa

Auch deshalb fehlten die besten Einzelspieler Waldschmidt und Grifo zuletzt zwei mal in der Startelf, aber der Erfolg gibt dem Trainer recht. Alle drei Auswärtsspiele haben die Freiburger gewonnen, in der gesamten vorigen Saison gelangen nur zwei Siege auf gegnerischen Plätzen. Unklar ist aber noch, ob der SC seine Stärken auch gegen die Topteams der Liga zur Geltung bringen kann, der Besuch der derzeit verwundbar wirkenden Dortmunder kommt also gerade richtig.

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