„Pure Freude“ bei BVB-Sportdirektor Zorc - Favre muss weiter am Defensivverhalten arbeiten

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Der dritte Sieg in Serie nach der Systemumstellung bringt dem BVB das Achtelfinale in der Champions League. Der Umschwung ist messbar. Trainer Favre muss jedoch weiter am Defensivverhalten arbeiten.

Dortmund

, 11.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Besondere Champions-League-Abende hat es in Dortmund ja schon einige gegeben, auf der Emotionsskala rangierte auch dieser weit oben. Als der Abpfiff in der Partie gegen Slavia Prag ertönt war und wenige Sekunden später Stadionsprecher Nobby Dickel mit der Verkündung des Endstands bei der Partie in Mailand auch die letzten kleinen Zweifel an der Dortmunder Qualifikation für das Achtelfinale zerstreut hatte, stiegen der Lärm- und auch der Adrenalinpegel noch einmal an. Auf dem Platz gab es innige Umarmungen, vor der Süd wurde die Mannschaft des BVB enthusiastisch gefeiert.

BVB-Torhüter Bürki zeigt acht Glanzparaden

„Pure Freude“ habe er empfunden, erklärte Sportdirektor Michael Zorc am Tag danach im Gespräch mit dieser Redaktion, sie war auch über Nacht nicht aus seiner Stimme gewichen. „Wir haben uns in einer schwierigen Gruppe qualifiziert, in der der aktuelle Tabellenführer aus Spanien und der aktuelle aus Italien mitgespielt haben.“ Auf der Bank mit einem Ohr dem Spiel Inter Mailands gegen den FC Barcelona zu lauschen mit der Gewissheit, abhängig zu sein vom Ergebnis dieses Spiels, das sei kein angenehmes Gefühl gewesen. „Am Ende hatten wir ein bisschen Glück. Aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ 2:1 in Dortmund, 1:2 in Mailand, das genügte dem BVB.

„Am Ende hatten wir ein bisschen Glück. Aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“
Michael Zorc

Der Mann, ohne den nach Meinung aller dieses Happy End wohl ausgefallen wäre, ließ sich vor der Südtribüne zu Recht feiern, auch wenn ihm die „Bürki-Bürki“-Sprechchöre ein wenig unangenehm zu sein schienen. Borussia Dortmunds Torhüter wuchs über sich hinaus an diesem Abend, acht (!) Glanzparaden zählten die Statistiker für Roman Bürki, der froh war, seiner Mannschaft so entscheidend helfen zu können. „Ich hatte in den vergangenen Wochen nicht allzu viele Saves und auch einige unglückliche Gegentoren bekommen“, meinte er. „Seit unserer Systemumstellung haben mir meine Vorderleute auch viel Arbeit abgenommen. Heute konnte ich endlich einiges gutmachen.“

Bürkis Fußabwehr mit einer weiten Grätsche und dann sein toller Reflex, als er den von Marco Reus abgefälschten Schuss des Pragers Lukas Masopust im Fallen mit einer Hand entschärfte, waren nur zwei von vielen spektakulären Rettungstaten des 29-Jährigen. „Mehr kann man nicht machen“, meinte Mats Hummels anerkennend und stellte sich wie einige Mitspieler in der Kabine auch die Frage, wie man Bürki dafür beschenken könne. Bier möge Bürki ja nicht, aber vielleicht Bircher-Müsli? Bürki grinste, als er davon hörte, doch er selbst hatte nur einen Wunsch: „Mir tut alles weh. Ich will nur noch ins Bett und würde am liebsten ausschlafen.“

Schwächen im Dortmunder Defensivverhalten

Den letzten Teil des Wunsches erfüllte ihm Lucien Favre nicht. Bei Dauerregen hatte er am späten Mittwochvormittag schon wieder Training angesetzt, die Zeit bis zum nächsten Spiel ist knapp bemessen. Immerhin durften die Startelf-Spieler im Trockenen regenerieren.

Favre, der seinem Keeper „eine fantastische Leistung“ attestierte und der seiner Freude über das Überwintern in der Königsklasse mit einigen Luftsprüngen auf dem Rasen Ausdruck verlieh, waren die von sehr mutig und hoch pressenden Pragern aufgedeckten Schwächen im Dortmunder Defensivverhalten natürlich nicht verborgen geblieben. Im Zentrum hatte Julian Weigl als Ersatz des verletzten Axel Witsel Mühe, die eigenen Reihen zu schließen. Seine Gelb-Rote Karte war zwar hart, aber auch Ausdruck seiner Probleme.

Slavia Prag schießt 18 Mal aufs BVB-Tor

Auch noch in Strafraumnähe verteidigte der BVB zu luftig und ließ viel zu viele Flanken und Ecken zu. „Bei hohen Bällen“, gestand auch Bürki, „entstand immer wieder Gefahr.“ 18 Mal schossen die Tschechen auf das Dortmunder Tor und gaben damit zwei Torschüsse mehr ab als der BVB. Mit teilweise acht Feldspielern störte Slavia weit in der Dortmunder Hälfte den Aufbau. Doch mehr als uneingeschränktes Lob für ihre Leistung nahmen die Tschechen nicht mit auf den Weg zurück nach Prag. Der BVB hingegen sollte zehren können von dem erkennbaren und nun auch messbaren Umschwung.

Video
Die RN-Analyse zum 2:1 des BVB gegen Prag

Im dritten Spiel nach der taktischen Umstellung gelang der dritte Sieg. „Heute hat vieles funktioniert, auch wenn es am Ende nochmal knapp wurde“, meinte Julian Brandt, neben Bürki ein weiterer Gewinner des Abends. „Ich finde, wir haben trotzdem gut dagegen gehalten und alles reingeworfen.“

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