Pro und Contra: Sollte der BVB seinen Profis Länderspielreisen verbieten?

dzBorussia Dortmund

Die zweite Corona-Welle schwappt über Europa - dennoch sind zahlreiche BVB-Profis zu ihren Nationalteams gereist. Sollte Borussia Dortmund die Abstellungen untersagen? Unser Pro und Contra.

Dortmund

, 17.11.2020, 08:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Insgesamt 15 BVB-Profis weilen und weilten in dieser und der vergangenen Woche bei ihren Nationalmannschaften, das erhöht das Infektionsrisiko. „Wir nehmen natürlich wahr, dass die Einschläge näher rücken“, sagt Borussia Dortmunds Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl. „Wir können nur abwarten und hoffen, dass unsere Nationalspieler alle gesund zu uns zurückkehren.“ Wir diskutieren: Sollte der BVB seinen Profis Länderspielreisen während der Corona-Pandemie verbieten?


Pro: Unnötiges Risiko
(von Sascha Staat)

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Eines direkt vorweg: Die miserable Stimmung, die seit einigen Jahren rund um die deutsche Nationalmannschaft herrscht, sollte jetzt nicht in Zusammenhang mit der Debatte um die Abstellung der Spieler gebracht werden. Das wäre unfair und der Sache nicht dienlich.

Infektionen können für den Verein weitreichende Folgen haben

Die Kernfrage ist daher eine andere: Müssen unter den aktuellen Gesichtspunkten der Pandemie überhaupt Länderspiele ausgetragen werden, oder stellen sie ein erhöhtes, aber vermeidbares Risiko dar? Fernab des sportlichen Wertes von Nations League und Freundschaftsspielen besteht die Gefahr, dass der jeweilige Verein massiv unter den Konsequenzen einer möglichen Infektion leiden könnte. Er ist der Arbeitgeber der Spieler, nicht die Verbände, er zahlt das Gehalt und er muss im Zweifel auf den Spieler verzichten. Fehlt ein Leistungsträger oder fehlen gar mehrere über einen längeren Zeitraum, könnte das für den Klub weitreichende Folgen haben.

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Wie gefährlich solche Länderspiele sind, zeigt übrigens das Beispiel Handball, wo in der Bundesliga das pure Chaos herrscht. In der vergangenen Woche, nach der EM-Qualifikation, wurden mehr Spiele abgesagt als ausgetragen. Durch die Vermischung von Vereins- und Nationalmannschaften wird ein unnötiges Infektionsrisiko eingegangen.

Borussia Dortmund sollte bei diesem Thema klare Kante zeigen

Auch der BVB sollte hier klare Kante zeigen und bis zur EM im Sommer keine Nationalspieler mehr an die Verbände abstellen. Im eigenen Interesse und im Interesse der Spieler und ihrer Familien.

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Sollte der BVB seinen Profis Länderspielreisen verbieten?

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Contra: Unterstützen statt aufhalten (von Tobias Jöhren)

Giovanni Reyna ist vielleicht ein ganz gutes Beispiel. Oder Jude Bellingham. Die beiden Youngster von Borussia Dortmund haben eine ganz besondere Woche hinter sich. Sowohl der US-Amerikaner Reyna als auch der Engländer Bellingham haben sich am 12. November einen Kindheitstraum erfüllt: Sie sind Nationalspieler geworden. Wegen der Corona-Pandemie sicherlich nicht in dem feierlichen Rahmen, den sie sich immer erträumt haben, aber zumindest den Titel des Nationalspielers nimmt ihnen niemand mehr weg.

Der BVB fliegt auch in der Champions League quer durch Europa

Und jetzt stelle man sich einmal vor, Borussia Dortmund als Verein hätte seinen beiden Mittelfeld-Juwelen diese Glücksmomente verwehrt, zumindest vorerst, weil er seinen Spielern die Reise zu ihren Länderspiel-Debüts untersagt hätte. Das funktioniert nicht.

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Zum einen ließe ein Länderspiel-Verbot die Spieler, die in Coronazeiten in der Champions League auch für ihren Verein quer durch Europa fliegen müssen, frustriert und irritiert zurück, zum anderen würde sich der Klub gleich doppelt keinen Gefallen tun. Reynas und Bellinghams Marktwerten haben ihre Premieren bei der Nationalmannschaft ganz sicher nicht geschadet, ihrer Motivation für die kommenden Aufgaben im Verein auch nicht.

Der BVB darf die Rechnung nicht ohne die Spieler aufstellen

Am Ende ist die Lösung daher einfach: Der Klub darf die Rechnung nicht ohne die Spieler aufstellen. Er muss sie bestmöglich unterstützen, nicht aufhalten. Dass dies manchmal nicht ohne Sorgenfalten passiert, gehört zur Rechnung dazu.

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