Pro und Contra: Hat der BVB eine gute Saison gespielt?

dzBorussia Dortmund

Der BVB verpasst die Meisterschaft, qualifiziert sich aber recht souverän für die Champions League. Ist das jetzt gut oder schlecht? Dirk Krampe und Tobias Jöhren diskutieren.

Dortmund

, 08.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sieben Punkte Rückstand auf Platz eins, sieben Punkte Vorsprung auf Platz fünf und ein Vier-Punkte-Polster auf Rang drei: Borussia Dortmund ist auch tabellarisch die klare Nummer zwei in Fußball-Deutschland hinter Branchenprimus Bayern München. Die Pflicht scheint der BVB in dieser Saison souverän zu erfüllen, die Kür aber dürfte ausbleiben – es wird nichts werden mit der Meisterschale.

Wir fragen: Hat der BVB trotzdem eine gute Saison gespielt?


BVB-Reporter Dirk Krampe meint: Ja, die Richtung stimmt

Sich rein an den nackten Ergebnissen zu orientieren, brächte in einer vorzeitigen Saisonbilanz schon jetzt ernüchternde Erkenntnise: Der Traum von der Meisterschaft ist wohl geplatzt, in den Pokalwettbewerben war im Achtelfinale Schluss. Das kann also keine gute Saison der Borussia gewesen sein.

Blickt man aber genauer hin, lässt sich aus dieser Spielzeit und vor allem aus der Rückrunde dennoch viel Positives ziehen. Der Spielstil stimmt, die Leistungen sind oft über der Norm, der Fußball ist in den meisten Fällen ansehnlich und erfolgreich.


Der BVB wird wohl auch diese Saison mit mehr als 70 Punkten abschließen, im zweiten Jahr nacheinander waren es wieder nur die Bayern, die ein wenig besser, die ein wenig konstanter gespielt haben. Das lässt sich mit rund 100 Millionen Euro mehr an jährlichen Kosten fürs kickende Personal plausibel erklären. Auch wenn es schmerzt, das angepeilte Ziel verpasst zu haben, auch wenn in diesem Jahr erneut die Chance auf den Titel da war.

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Entscheidend für die Beurteilung sollte neben den reinen Zahlen der Blick in die Zukunft sein. Borussia Dortmund ist gut aufgestellt, hat eine Mannschaft entwickelt, in der viele Spieler noch gar nicht im Zenit ihres Leistungsvermögens sind. Und viele Spieler, die jung sind und mit Macht nachdrängen.


In diesem Kader steckt also viel Phantasie. Auch die, mit stetigen punktuellen Verstärkungen die Bayern vielleicht doch noch eines nicht allzu fernen Tages vom Thron stoßen zu können.

BVB-Reporter Tobias Jöhren meint: Nein, es war mehr drin

Neun Jahre ist es jetzt her, da sprach Roman Weidenfeller, damals hauptberuflich Torwart, schwarzgelbe Worte für die Ewigkeit: „I think, we have a grandios Saison gespielt.“ Der BVB jubelte damals, 2011, über die deutsche Meisterschaft. Es folgten 2012 eine weitere grandiose Saison, an deren Ende das Double aus Meisterschale und DFB-Pokal stand sowie 2013 eine Spielzeit, in der es zur Vizemeisterschaft und vor allem für das Champions-League-Finale in Wembley reichte.

Seitdem hat in Dortmund niemand mehr von „a grandios Saison“ gesprochen, obwohl 2016 bemerkenswerte 78 Punkte nicht zur Meisterschaft reichten und 2017 erneut der Pokal am Borsigplatz präsentiert werden durfte – und auch in diesem Jahr wird es das Wörtchen „grandios“ nicht in Borussia Dortmunds Saisonanalyse schaffen. Alles schön und gut, aber eben nicht herausragend.

Dafür gibt es zweierlei Gründe. Zum einen hat der BVB es in der Hinrunde nicht verstanden, die anfängliche Schwächephase der Bayern zu nutzen, weil er selbst schwächelte. Zum anderen hat Borussia Dortmund trotz einer ausgezeichneten Punkteausbeute in der Rückrunde seit dem Winter drei entscheidende Spiele verloren. Im Pokal fahrlässig raus gegen Bremen, in der Champions League vermeidbar raus gegen Paris, in der Liga punktlos gegen München – und so überwiegt am Ende das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. „A grandios Chance“ wurde vergeben. Wie schon im Vorjahr.

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