Nach sechs Spieltagen steht der BVB an der Tabellenspitze. Die Mentalität stimmt, das spielerische Potenzial ist ohnehin unstrittig. Wir diskutieren: Ist der BVB ein Meisterschafts-Kandidat?

Dortmund

, 01.10.2018, 17:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vier Mal schon in dieser noch jungen Saison hat Borussia Dortmund ein Pflichtspiel zu seinen Gunsten gedreht und steht nach sechs Spieltagen an der Tabellenspitze. Kann das zum großen Wurf reichen?

Ja, der BVB ist bereit - Die Macht der Gefühle

Von Tobias Jöhren

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Es klingt verdächtig und irgendwie fies nach Autowerbung, aber es ist gerade da. Dieses Gefühl, das nicht wirklich verschwinden möchte – wie dieser eine Partygast, den jeder kennt, der nicht gehen möchte, auch wenn die Musik schon längst aus ist, und morgens um sieben dann fragt, ob vielleicht noch was zum Knabbern da ist. Nüsse vielleicht?

Nichts ist unmöglich. Das Gefühl wird stärker, die Englische Woche hat es beflügelt. 7:0 gegen Nürnberg, 4:2 gegen Leverkusen. Ein Fußballfest. Dann noch ein Fußballfest. Tabellenführung. Nüsse für alle. Die Mukke läuft auch noch. Oder schon wieder? Egal. Immer weiter! Und dann verlieren die Bayern auch noch 0:2 in Berlin, nachdem sie zuvor nur 1:1 gegen Augsburg gekickt haben. Das kann alles kein Zufall sein! Es gibt Dinge, die häufiger vorkommen im Leben.

Pro & Contra: Ist der BVB ein Meisterschafts-Kandidat?

Klar, es gibt auch Dinge im Leben, die sich leichter einordnen lassen als dieses Gefühl. Es geht immerhin um Fußball. Noch traut man der positiven Emotion nicht so richtig über den Weg, man weiß noch nicht, ob sie gekommen ist, um für mehr als nur eine Stippvisite zu bleiben. Aber sie ist herzlich willkommen in Dortmund, sie wurde sogar sehnsüchtig zurückerwartet.

In der vergangenen Saison war dieses Gefühl auch ganz kurz da, bog dann aber mal wieder und viel zu schnell in Richtung München ab – und am Saisonende fühlte man sich beim BVB wie nach einer Woche Mannschaftsfahrt. Man war froh, als es endlich vorbei war.

Dieses Jahr soll alles besser werden. Und bis jetzt fühlt es sich viel besser an. Die Ergebnisse stimmen, der Fußball wird immer berauschender. Nichts ist unmöglich? Oder vielleicht: Großes ist möglich?

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Ist der BVB ein Meisterschafts-Kandidat?

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Nein, der BVB ist noch nicht so weit - Überzogene Erwartungen
Von Dirk Krampe

Der Reflex lässt sich ja kaum vermeiden, wenn man nur die letzten 30 Minuten des Spiels in Leverkusen gesehen hat. Da spielte Borussia Dortmund derart berauschend, dass man nur fasziniert sein konnte von der immensen Gier nach Toren, da wurde die unbändige Spielfreude sichtbar, die in dieser Mannschaft steckt. Wer sonst also als der BVB könnte den Bayern denn ernsthaft gefährlich werden?

Aber es ist gerade mal eine gute Woche her, dass sich die Borussia in Hoffenheim zu einem Dusel-Remis quälte, es gab in Leverkusen vor dem großen Sturmlauf auch noch die 60 Minuten, in denen die Werkself die Dortmunder einige Male ziemlich alt aussehen ließ. Von einem ja möglichen 0:3 wären sie wohl nicht zurückgekommen. Und dass Dortmund schon vier Mal ein Spiel drehen konnte, heißt auf der anderen Seite auch, dass man vier Mal einem Rückstand hinterherlaufen musste.

Pro & Contra: Ist der BVB ein Meisterschafts-Kandidat?

Alle sechs Bundesligaspiele in dieser Saison absolvierte Marco Reus. Der BVB-Kapitän erzielte dabei vier Treffer und verbuchte starke vier Vorlagen. © imago

Betrachtet man alle bisherigen Pflichtspiele in Gänze, finden sich genügend Argumente gegen die These, dass dieser BVB schon reif für die Meisterschaft ist. Die Leistungen schwanken noch stark, es wird daher auch Rückschläge geben. Die Unerfahrenheit einiger Spieler lässt sich nicht wegdiskutieren, die Abhängigkeit von anderen (Reus!) ebenso wenig.

Und es braucht mehr als einen sehr guten Saisonstart, um auch am Ende oben zu stehen. Das hat das vergangene Jahr gezeigt, das zu Beginn ähnlich lief und die guten Resultate manche Besorgnis erregende Tendenz überdeckten. Man tut daher gut daran in Dortmund, jetzt keine überzogenen Erwartungen an die Mannschaft zu haben.

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