Pro & Contra: Fehlt dem BVB das Meister-Gen?

dzBorussia Dortmund

Frankfurt habe „sichtlich am Boden“ gelegen, sagte Michael Zorc, doch der BVB war nicht in der Lage, einen taumelnden Gegner in Schach zu halten. Wir diskutieren: Fehlt dem BVB das Meister-Gen?

Dortmund

, 23.09.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„So spielt keine Spitzenmannschaft“ – Michael Zorcs Analyse nach dem 2:2 des BVB bei Eintracht Frankfurt fiel deutlich aus. Zweimal ging Borussia Dortmund gegen die Eintracht in Führung, zweimal ließen die Schwarzgelben die Hessen zurück ins Spiel kommen.



Ja, dem BVB fehlt das Meister-Gen - Beherrscht, aber nicht besiegt

Von Dirk Krampe

Frust und Enttäuschung erlebten am drittletzten Spieltag der vergangenen Saison bei Borussia Dortmund ihren Höhepunkt, als das 2:2 (nach souveräner 2:0-Führung) in Bremen letztlich die zum Greifen nahe Meisterschaft kostete. Weitere Beispiele unnötiger Punktverluste hatte es zuvor schon zuhauf gegeben.

Jetzt beginnt das Spielchen, das niemand spielen möchte, von vorne. Und auch wenn erst fünf Liga-Partien absolviert sind, ist die Diskussion zu Recht in vollem Gange.

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Irgendetwas fehlt beim BVB, und es ist offensichtlich, woran es hapert. In Frankfurt hatte Dortmund alles im Griff, doch dem schwer getroffenen Gegner nach der 1:0-Führung den endgültigen K.-o. zu verpassen, das gelang nicht. Das Spiel in Köln drehte die Borussia nur dank einer Energieleistung. Danach in Berlin genügte einem Aufsteiger eine kämpferisch engagierte Leistung, um dieser Borussia den Schneid abzukaufen.

Die Erkenntnis, dass es „spielerisch alleine manchmal nicht reicht“, thematisierte Marco Reus damals schon. Nach dem Remis in Frankfurt wollte der BVB-Kapitän hingegen von einem Mentalitätsproblem nichts wissen.

Einstellung schlägt Aufstellung, das ist eine alte Fußball-Weisheit, die nicht immer zutrifft, im Fall von Borussia Dortmund allerdings zu oft. Der BVB lässt regelmäßig Punkte liegen gegen Gegner, die man eigentlich beherrscht hat. Und das passiert den Bayern wesentlich seltener. Denn sie haben dieses „Meister-Gen“. Der Borussia fehlt es (noch).

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Nein, der BVB hat das Meister-Gen - Genügend Häuptlinge

Von Tobias Jöhren

Der Frust saß tief – und Marco Reus wählte nicht unbedingt die Worte, die man aus dem sonntäglichen Vorabend-TV-Programm sonst so kennt. Das Wort mit sch am Anfang fiel, das Wort, dass sich wunderbar auf Hacke reimt, auch. Reus wählte nicht die Art Interview, die man viel zu häufig ertragen muss, wenn man Bundesliga-Profis nach Fußballspielen zuhört. Reus sagte einfach, was er dachte. Ohne Floskeln, ohne ausweichen.

Auch wenn Reus‘ Aussagen sprachlich streitbar waren, stand da in diesem Moment ein richtiger Kapitän vor der Kamera. Ein Anführer, der sich in der Mentalitätsfrage vor seine Mannschaft stellte. Das erinnerte ein bisschen an Per Mertesacker bei der WM 2014, der nach dem 2:1 im Achtelfinale gegen Algerien mal einen Reporter angeraunzt hatte, was er denn jetzt eigentlich von ihm wolle und dass er sich jetzt erst einmal in die Eistonne lege.

Reus‘ Ärger musste halt mal raus. Und das war auch völlig okay. Er war genervt – vermutlich von seiner eigenen Leistung, sicherlich vom Ergebnis, ganz offensichtlich von der Mentalitätsdiskussion rund um den BVB. Man sollte es ihm nachsehen. Es fehlt nämlich nicht an Mentalität bei Borussia Dortmund, es fehlt nicht an Willen, es fehlt auch nicht am Meister-Gen.

Mats Hummels, Axel Witsel, Thomas Delaney, Lukasz Piszczek, Reus – Häuptlinge sind genug da. Nach jedem Spiel die Mentalitätskeule zu schwingen, hilft nicht weiter. Die Leichtigkeit fehlt. Dagegen hilft nur Erfolg. Und Tacheles reden.

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