Polizeieinsatz im BVB-Block sorgt für heftige Diskussionen - das sagen die Beteiligten

Spiel in Berlin

Mit einer herben sportlichen Enttäuschung endet das BVB-Gastspiel bei Union Berlin. Nach dem 1:3 gibt es aber auch heftige Diskussionen um einen Polizeieinsatz im Gästeblock. Das sagen die Beteiligten.

Dortmund

, 01.09.2019, 14:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Polizeieinsatz im BVB-Block sorgt für heftige Diskussionen - das sagen die Beteiligten

Die Polizei drang mit einer Hundertschaft in den Gästeblock ein. © dpa

Malte Dürr ist Besitzer einer BVB-Auswärtsdauerkarte und seit Jahren regelmäßiger Stadiongänger. An seinen Besuch in der „Alten Försterei“, der am Samstagabend nur 45 Minuten dauerte, wird er sich sehr ungern zurückerinnern.

Viele BVB-Fans verlassen das Stadion

Was war passiert? Kurz nach dem Union-Treffer zum 1:0 wurde es unruhig im Gästeblock. Berliner Ultras, die zu Spielbeginn eine Choreo auf dem Stadiondach präsentiert hatten, gerieten mit Dortmunder Anhängern aneinander. Das Problem: Die einzige Möglichkeit, das Dach wieder zu verlassen, führte über eine Treppe durch (!) den Gästebereich. Und: Die Berliner verließen das Dach nicht kurz nach dem Anpfiff, sondern erst unmittelbar nach dem Führungstreffer.

Polizeieinsatz im BVB-Block sorgt für heftige Diskussionen - das sagen die Beteiligten

Dieses Bild zeigt die Union-Ultras auf dem Dach über dem BVB-Fanblock. Wenige Augenblicke später fiel der Union-Führungstreffer. © Screenshot DAZN

„Sie haben dann natürlich ein bisschen provoziert“, berichtete Dürr im Gespräch mit dieser Redaktion am Sonntag. „Dann“, sagte Dürr, „ging die Rennerei los.“ Bestimmte Dortmunder hätten „diese Einladung angenommen“. Sie seien Richtung der genannten Treppe gelaufen. Kurze Zeit später traf eine Hundertschaft der Polizei im BVB-Block ein - und setzte massiv Pfefferspray ein. „Es hat viele Unbeteiligte getroffen“, so Dürr. „Viele Fans haben das Stadion anschließend verlassen.“

BVB-Fan Malte Dürr: „Das war ein ungutes Gefühl“

Ein Vater berichtet: „Meinem Sohn konnte ich noch den Mund zuhalten. Ich habe etwas abbekommen, hatte Atembeschwerden und wir sind dann sofort raus. Mittlerweile geht es. Einen Kollegen hat es aber voll erwischt. Er hat auch Anzeige gegen die Polizei gestellt. Wir stehen in Kontakt mit der Fanhilfe.“

Dürr empfand die Situation als bedrohlich. „Ich wollte raus aus dem Block, doch der Weg war abgesperrt. Das war ein ungutes Gefühl. Zur Halbzeit sind wir dann raus. Insgesamt 15 bis 20 Leute. Zum Glück ist nicht noch mehr passiert.“

Polizei leitet 23 Strafermittlungsverfahren ein

Die Berliner Polizei teilte am Sonntag per Pressemitteilung mit, dass im Stadion drei Fans der Gastmannschaft festgenommen wurden, „woraufhin weitere Gästefans versuchten, die Festgenommenen zu befreien. Diese Gefangenenbefreiung konnte nur durch den Einsatz von Reizgas verhindert werden. Während dieser Auseinandersetzung bewegten sich ungefähr 100 Anhänger der Heimmannschaft über einen Stadionumlauf auf den Block der Gästefans zu. Die Begrenzung zwischen Heim- und Gästeblock konnten sie jedoch nicht durchdringen.“ Insgesamt wurden 23 Strafermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Polizist wurde durch den Gebrauch von Pyrotechnik leicht verletzt.

Die Fanhilfe Dortmund hat aufgrund der Vorkommnisse für Montag (16 bis 17 Uhr) eine telefonische Sprechstunde eingerichtet. In der zugehörigen Mitteilung heißt es: „Unser Interesse ist es natürlich, ein möglichst umfassendes Bild und insbesondere direkte Eindrücke zu sammeln, um damit die zwingende rechtliche Aufarbeitung auf eine solide Grundlage stellen zu können. Einer oder mehrere unserer Rechtsanwälte werden die geschilderten Eindrücke sammeln und stehen für Rückfragen sowie Erläuterungen zu individuellen rechtlichen Möglichkeiten zur Verfügung.“

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