„Phantastisch, phänomenal“ - BVB-Fan mit 90 Jahren zum ersten Mal im Fußballtempel

dzBorussia Dortmund

Das Stadion Rote Erde kennt Günter-Gottlieb Scholle noch. Im Signal Iduna Park war er noch nie. Beim BVB-Heimspiel gegen Augsburg änderte sich das. Eine völlig neue Erfahrung - auch und vor allem mit 90 Jahren.

Dortmund

, 11.10.2018, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Zuschauer kennt er das Eintracht-Stadion in Braunschweig, das Berliner Olympiastadion, das Neckarstadion in Stuttgart und – natürlich – die Rote Erde. In Dortmunds Fußballtempel war Günter-Gottlieb Scholle noch nie. Bis zum Samstag. Beim Spiel gegen Augsburg fieberte der 90-Jährige auf der Nordtribüne mit. Ein Geschenk zum runden Geburtstag.

„Bilder von früher wie in Zeitlupe“

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Der rüstige Senior ist Borussen-Fan durch und durch, verpasst kaum ein Spiel vor dem Fernseher bei Uli und Claudia Garstecki, Sohn und Schwiegertochter seiner Lebensgefährtin. Und als sie kürzlich in der Roten Erde ein Spiel der U23 anschauten, „liefen Bilder von früher wie in Zeitlupe“, erzählt der Senior.

Zum Geburtstag die Einladung: Sieben Stunden Erlebnis – mit am Ende sieben Toren. Von Wambel aus fuhren die drei am Vormittag mit der Stadtbahn zum Stadion. Erste Station: Fanwelt, danach – das gehört dazu – Currywurst und Pils. „Es ist schon hinreißend, wie sich die gelbe Flut ins Stadion bewegt. Da kommst du aus dem ruhigen Vorort und hier trifft sich Dortmund“, schildert Scholle seine ersten Eindrücke.

„Phantastisch, phänomenal“ - BVB-Fan mit 90 Jahren zum ersten Mal im Fußballtempel

Günter-Gottlieb Scholle (r.) war zum ersten Mal im Signal-Iduna-Park. Claudia und Uli Garstecki hatten ihm den Besuch geschenkt.

„Phantastisch, phänomenal“, am Ende der packenden 90 Minuten ist er begeistert. „Das ist schon Wahnsinn.“ Günter-Gottlieb Scholle, Claudia und Uli Garstecki lassen Bilder und Emotionen wirken, bleiben noch eine Zeit oben unter dem Dach der Tribüne, trinken vor dem Stadion noch ein Pils auf den Sieg. Auch am Montag steht Scholle noch unter dem Eindruck des Erlebten. „Der Besuch der Mozart-Matinée Sonntagmorgen im Konzerthaus war ganz gut, um auf die Erde zurückzukommen.“

Mehr als 50 Jahre kein Spiel im Stadion

Mehr als 50 Jahre hatte er kein Bundesligaspiel seiner Borussia im Stadion gesehen. „Das hat sich so ergeben. Damals gab es andere Prioritäten wie etwa den Beruf“, erzählt er. Damals, das waren die ersten Jahre der Bundesliga – nach den Meisterschaften 1956, 57 und 63. Die erlebte Günter-Gottlieb Scholle auf der Tribüne, auch auswärts. Er erinnert sich an das verlorene Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1949 in Stuttgart gegen den VfR Mannheim (2:3 n.V.). „Meine Mutter arbeitete beim Fernmeldeamt. Da bin ich auf einem LKW zwischen Postsäcken hin gefahren.“

Die Vorgeschichte beginnt unmittelbar nach dem Krieg. „Mein Vetter lebte in der Oestermärsch nahe dem Borsigplatz. Da haben wir Steine geputzt für zehn Pfennig das Stück.“ Der Lohn erlaubte den Besuch der Spiele. „Ich bin vom Kern her Borussen-Fan“, sagt Scholle. „Echte Liebe“, heißt das heute.

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