Paco Alcacer trägt erst seit rund vier Monaten das Trikot von Borussia Dortmund - doch der Spanier verewigt sich binnen kürzester Zeit in den Rekordbüchern des BVB.

Dortmund

, 30.12.2018, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sonne war an diesem Montagabend gerade hinter dem Horizont verschwunden, da setzte Paco Alcacer erstmals einen Fuß auf Dortmunder Boden. Nach ewig langen Wochen mit unermüdlichen Diskussionen über den Nachfolger von Pierre-Emerick Aubameyang und Michy Batshuayi - zu klein, zu groß, zu teuer, zu billig - trennte die Dortmunder Verantwortlichen nur noch ein Medizincheck von der Vollzugsmeldung.

Ein Schnäppchen aus Barcelona

Alcacers Ankunft wurde dabei zur Geheimsache ausgerufen. Mit einem Privatjet ging es am Abend des 27. August von Spanien nach Dortmund, auf dem Rollfeld wartete schon ein schwarzer Van mit abgedunkelten Scheiben auf den Stürmer, der nach erfolgreichen Jahren in Valencia beim FC Barcelona zwischen 2016 und 2018 ein dauerhaftes Bank-Dasein gefristet hatte.

Die finalen Stationen des Millionen-Pokers einen Tag später: Hotel, Knappschaftskrankenhaus, Geschäftsstelle. Unterschrift. Zunächst wurde ein Leihgeschäft bis zum 30. Juni 2019 vereinbart, das aber schon Ende November in einen vollwertigen Transfer mit fünfjähriger Haltbarkeit umgewandelt wurde. Für schlanke 23 Millionen Euro. Ein Schnapper. Wird auch Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc bestätigen.

„Er ist so geboren“

Doch der Reihe nach: „Paco wer?“ fragte sie die überwiegende Mehrheit der BVB-Fans kurz nach dem Startschuss der Saison 18/19. Dem vorausgegangen war die Debatte, ob denn nun Marco Reus oder doch lieber Maximilian Philipp den Notstürmer geben sollte. Die Wahl fiel auf Philipp - das lief semi-gut. Und so begann beim 3:1 gegen Frankfurt am dritten Spieltag die Paco-Show. Fast immer mit dem identischen Drehbuch: Einwechslung. Tor! Gerne auch mal doppelt (beim 4:2 in Leverkusen) oder dreifach (beim denkwürdigen 4:3 gegen Augsburg).

Paco Alcacer verewigt sich binnen kürzester Zeit in den Rekordbüchern des BVB

Lucien Favre sagt über den neuen BVB-Torjäger: „Paco ist sehr geschickt, weil er Fußball spürt. Er ist so geboren.“ © Inderlied/Kirchner

Borussia Dortmunds neuer Trainer Lucien Favre, und das macht der 61-Jährige eher selten, geriet ins Schwärmen: „Paco ist sehr geschickt, weil er Fußball spürt. Er ist so geboren“ sagte der Schweizer im Anschluss an den 2:1-Sieg beim FSV Mainz 05 Ende November. Da hatte Alcacer gerade einen 55 Jahre lang bestehenden Bundesliga-Rekord pulverisiert, denn er benötigte bis zu seinem neunten Bundesliga-Treffer lediglich 237 Minuten. Die bisherige Bestmarke hatte Gert „Charly“ Dörfel mit 565 Minuten gehalten. Alcacer halbiert Dörfel, wenn man so will.

Bester Joker aller Zeiten

Alcacers zehnter Joker-Treffer, bei der 1:2-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf in der vergangenen Woche, setzte erneut Maßstäbe. Damit zog der Spanier vorbei an Nils Petersen (SC Freiburg, Saison 2016/17) und Viorel Ganea (VfB Stuttgart, 2002/03), die mit jeweils neun Toren in dieser Kategorie - wohlgemerkt in einer gesamten Spielzeit - bis zum 18. Dezember 2018 den Rekord innehatten.

Bislang hat das Paco-Märchen nur einen kleinen Haken. Spielt Alcacer von Beginn an, ist seine Torquote nur noch halb so gut. Und wenn man nach den Gründen fragt, sagte Lucien Favre: „Erst werde ich gefragt, warum er nicht von Anfang an spielt. Und dann, warum ich ihn nicht als Joker bringe.“ Klar, oder?

Bindung zu den Mitspielern fehlt noch

Wie dem auch sei: Alcacer fehlt, das ist bei verpasster Sommervorbereitung und drei kleineren Verletzungspausen während der Hinrunde völlig normal, noch die perfekte Bindung zu seinen neuen Mitspielern. Spätestens zu Beginn des neuen Jahres – und trotz Alcacers Muskelfaserriss aus dem Gladbach-Spiel - dürfte sich auch dieses Problem in Luft auflösen.

Und Alcacers Worte aus dem August könnten im Mai 2019, wenn sich Borussia Dortmund eventuell den neunten Meistertitel auf den Briefkopf schreiben darf, als eine Art Prophezeiung interpretiert werden. „Ich glaube, dass der BVB ein echt großer Verein ist, der die Möglichkeit hat, sehr erfolgreich Fußball zu spielen.“ Stimmt. Alles Taco mit Paco!

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