NRW-Bürgschaft: BVB-Boss Watzke verteidigt Schalke - Fans üben Kritik

Borussia Dortmund

In der hitzigen Diskussion um eine mögliche Bürgschaft in Millionenhöhe der NRW-Landesregierung verteidigt ausgerechnet BVB-Boss Watzke den FC Schalke 04. Die Fans üben hingegen Kritik.

Dortmund

, 30.06.2020, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Für BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sind staatliche Hilfestellungen kein Problem.

Für BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sind staatliche Hilfestellungen kein Problem. © imago images / Sven Simon

„Ich finde, das ist nicht ehrenrührig. Von uns als Fußball-Bundesliga wird verlangt, dass wir die gleichen Steuern zahlen, dass wir sie pünktlich zahlen - was eine Selbstverständlichkeit ist. Aber wenn der Bund oder das Land oder wer auch immer beschließt, coronageschädigten Unternehmen beizustehen, dann gelten die gleichen Rechte für uns offensichtlich nicht. Grundsätzlich zu sagen, dass Fußballklubs davon ausgeschlossen sein müssen, das entspricht nicht meinem Gleichbehandlungsgrundsatz“, sagte Watzke am Dienstag in einer Medienrunde.

BVB-Boss Watzke nimmt die Landesregierung in Schutz

Damit nahm Borussia Dortmunds Geschäfstführer Stellung zu Meldungen, wonach das Land NRW eine Bürgschaft für die finanziell angeschlagenen Schalker in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro erwägt. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat laut Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) allerdings noch keine Entscheidung über eine Bürgschaft für den S04 getroffen.

Für Watzke sind staatliche Hilfestellungen allerdings kein Problem. „Der Staat versucht, diesen Unternehmen beizustehen, nicht indem er Geld rüber schiebt, sondern ihnen einen Kredit gibt. Der Staat bietet hier etwas an, um Firmen nicht die Liquidität abzuwürgen. Wo da das große Problem ist, verstehe ich nicht. Ich verstehe nicht, dass die Landesregierung deshalb angegriffen wird“, kommentierte der 61-Jährige. Allerdings sei ein genauer Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen Unternehmen nötig: „Das Land muss natürlich prüfen, ob das unverschuldet ist oder nicht, ob das wirkliche Corona-Effekte sind oder nicht“, sagte Watzke.

Auch bei der Finanzkrise des BVB gab es NRW-Hilfen

Etwas anders sehen das die Fans - sowohl des königsblauen als auch des schwarzgelben Lagers. Auch der Bund der Steuerzahler kritisiert die möglichen Finanzhilfen für den Traditionsklub: „Der S04 ist nicht erst durch die Corona-Pandemie in die Krise geraten. Das wahre Problem des Vereins ist, dass er seit Jahren schlecht gewirtschaftet hat“, sagte Jens Ammann gegenüber „Business Insider“. Es sei ein Problem, „wenn gescheiterte Geschäftsmodelle im Fußball durch Steuergelder künstlich erhalten werden. Es kann nicht sein, dass Profigehälter in Millionenhöhe am Ende womöglich mit Steuergeldern bezahlt werden.“

Zumindest die BVB-Fans dürfen nicht vergessen, dass die Borussia im Jahr 2005 ebenfalls kurz vor der Insolvenz stand und das Land Nordrhein-Westfalen daraufhin für mehrere Kredite beim Stadionausbau bürgte - heute ist Borussia Dortmund hinter dem FC Bayern und mit weitem Abstand zur weiteren Konkurrenz die finanzielle Nummer zwei in Deutschland.

BVB-Rivale Schalke hat hohe Verbindlichkeiten vermeldet

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch: Schalke hatte bereits vor der Corona-Krise für das Geschäftsjahr 2019 Verbindlichkeiten in Höhe von 197 Millionen Euro vermeldet. Die aktuellen Einnahmeverluste führen zu zusätzlichen Finanzproblemen. Und auch personell geht auf Schalke drunter und drüber: Nach massiver Kritik an seiner Person legte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies sein Amt am Dienstag nieder.

Mit dpa-Material

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