Nachlassen verboten! Lucien Favre hat den BVB wieder auf Kurs gebracht

dzKommentar

Lucien Favre bringt den BVB mit acht Siegen aus zehn Pflichtspielen wieder auf Kurs - und stärkt seine eigene Position. Ein Nachlassen darf sich Dortmund nicht erlauben.

Mönchengladbach

, 08.03.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

An alter Wirkungsstätte schlagen Lucien Favre auch viereinhalb Jahre nach seiner Nacht-und-Nebel-Demission, die für ein abruptes Ende seiner Zeit als Trainer der Fohlen sorgte, noch große Sympathien entgegen. Favre fühlte sich sichtlich wohl im Borussia-Park, dafür sorgte nicht nur das 2:1 seiner Mannschaft in einem Auswärtsspiel, das vorab als Messlatte dafür deklariert worden war, wie stabil Borussia Dortmund mittlerweile wirklich verteidigen kann.

Nur die Vorsichtsmaßnahme, in unsicheren Zeiten des Coronavirus aufs innige Herzen anderer Menschen zu verzichten, verhinderten nach dem Dortmunder 2:1-Sieg die ein oder andere Umarmung mit Angestellten der anderen Borussia.

BVB-Trainer Lucien Favre sitzt wieder fest im Sattel

Die Laune des Dortmunder Trainers war bestens, er verließ mit einem breiten Grinsen und guten Gefühl das Gladbacher Stadion. Und dazu gibt es aktuell einige gute Gründe. Favre hat den BVB wieder auf Kurs gebracht nach der Winterpause. Acht der zehn Pflichtspiele seit Beginn der Rückrunde hat die Borussia gewonnen. Nur das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal trübt die Bilanz, aber nach der „Woche zum Vergessen“, in der Dortmund auch noch in Leverkusen verlor, gab es ausschließlich Erfolge. Mit den Siegen der Mannschaft hat auch Favre gepunktet. Er sitzt wieder fest im Sattel, auch wenn die Bewertung seiner zweiten BVB-Saison vorrangig davon abhängen wird, wie die Mannschaft und ihr Trainer sie zu Ende bringen.

Kritikpunkte hätte Favre dennoch auch nach dem Gladbach-Spiel einige benennen können. Aus der Führung machte die Borussia zu wenig, weil mit der Übernahme der Spielkontrolle auch der Verwaltungsmodus wieder Einzug hielt. Tempo und Entschlossenheit blieben auf der Strecke. Das Gegentor hätte so nie fallen dürfen, und nach der 2:1-Führung hätte sich die Borussia einige bange Schlussminuten leicht ersparen können, wenn sie die drei, vier richtig guten Möglichkeiten besser ausgespielt hätte. Erkennbar war auch, wie abhängig Borussia Dortmund schon von Jadon Sancho ist. Mit seiner Hereinnahme bekamen die Offensiv-Aktionen eine ganz andere Dynamik und Zielstrebigkeit.

Der BVB zeigt in Mönchengladbach nach dem Ausgleich eine Reaktion

Aber Favre verzichtete diesmal darauf, die Mängel dezidiert anzusprechen, was auch ein Zeichen der großen Erleichterung war. Ihm war nach viel Lob zumute. Ein Spiel, das viele als Knackpunkt für die kommenden Wochen ausgemacht hatten, zog der BVB nach dem Gladbacher Ausgleich mit großem Willen auf seine Seite. Nach dem 1:1 war klar erkennbar, dass sich Borussia Dortmund mit diesem Resultat nicht zufrieden geben wollte. „Da“, resümierte auch Sportdirektor Michael Zorc zufrieden, „sind wir nochmal richtig aus dem Sattel gekommen. Da hat man gemerkt, dass wir dieses Spiel unbedingt gewinnen wollten.“

In Gladbach meisterten Favre und seine Elf den ersten Härtetest, am Mittwoch in Paris folgt eine noch deutlich schwerere Aufgabe. Besteht der BVB auch in Paris, wäre das ein noch ungleich größeres Signal. Die Bayern jedenfalls sind gewarnt. Ein Nachlassen dürfen sie sich nicht erlauben.

Der BVB darf mit klarem Blick nach oben schauen

Das gilt allerdings auch und vor allem für die Ambitionen der Borussia in der Bundesliga. „Wir sind fünf für vier“, meinte Zorc, „auch Leverkusen drückt jetzt mit Macht von hinten.“ Sollte heißen, um die vier Plätze für die Königsklasse streiten sich fünf Klubs, was auch bedeutet, dass einer am Ende leer ausgehen wird und sich mit der Europa League trösten muss. Der BVB, hält er weiter Kurs, darf aber eher mit klarem Blick nach oben schauen.

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