Nach Millionen-Deal mit Puma: Experte sagt, der BVB war bisher „eindeutig unterbewertet“

dzBorussia Dortmund

Künftig kassiert der BVB gut drei Mal so viel von Puma wie bisher. Dr. Peter Rohlmann, Experte für Sport-Marketing, hält den Deal für „überfällig“ und sagt, was für die Top-10 noch fehlt.

Dortmund

, 21.11.2019, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Borussia Dortmund hat den Vertrag mit Ausrüster Puma zu deutlich verbesserten Konditionen verlängert. Mit Laufzeitbeginn der neuen Vereinbarung am 1. Juli 2020 fließen künftig knapp mehr als 30 Millionen Euro jährlich aus Herzogenaurach nach Dortmund, mehr als drei Mal so viel wie im noch bis 2022 laufenden Vertrag vereinbart war (circa 9 Mio./Jahr). Eine logische Steigerung, wie der selbstständige Berater findet.

Herr Rohlmann, die Preise für Ausrüsterverträge sind in den vergangenen Jahren explodiert. Bekommt der BVB nun, was ihm eigentlich schon länger zusteht?

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Das kann man so sagen, Borussia Dortmund war mit dem ursprünglichen Vertrag eindeutig unterbewertet. Das wusste der BVB, das wusste auch Puma. Jetzt haben sie aus dem ganz großen Eimer geschöpft.

Nach Millionen-Deal mit Puma: Experte sagt, der BVB war bisher „eindeutig unterbewertet“

Dr. Peter Rohlmann ist Experte für Sport-Marketing. © privat

Wie bewerten Sie Laufzeit und Volumen?

Acht Jahre sind eine lange Zeit, das gibt dem Klub eine gewisse Sicherheit. Mit dem Volumen trägt der neue Vertrag der stetigen Entwicklung der Borussia Rechnung.

Wir wissen natürlich nicht, welche Klauseln die Verträge beinhalten. Heute hat so ein Vertrag gern mal einen Umfang von über 100 Seiten, wo sehr detailliert festgelegt wird, wann Bonuszahlungen fällig sind oder die Zuwendungen bei sportlichem Misserfolg sinken.

Nach Millionen-Deal mit Puma: Experte sagt, der BVB war bisher „eindeutig unterbewertet“

Puma ist langjähriger Partner beim BVB. © imago images/Moritz Müller

Ich kenne einen Vertrag mit einem englischen Klub, wo im Falle der zweimaligen Nicht-Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb die Summe um bis zu 30 Prozent sinkt. Natürlich will sich auch Puma absichern, wenn es sportlich mal nicht läuft, der BVB möchte größtmögliche Sicherheit. Letztlich ist so ein Vertrag immer ein Kompromiss.

Wie wichtig ist der einzelne Spieler als „Marke“?

Die Bedeutung nimmt stetig zu. Es strahlt auf den Klub und natürlich auch den Ausrüster aus, wenn der Spieler regelmäßig dessen Kleidung trägt. Eine immer größere Rolle spielt auch die Bedeutung im Social-Media-Bereich. Wenn ein Spieler eine hohe Zahl an Followern hat, hat das auch einen Marketing-Effekt für den Ausrüster.

Welche Argumente konnte der BVB in den Verhandlungen vorbringen?

Der BVB spielt regelmäßig international und hat eine große Fangemeinde. Puma braucht große Klubs mit einer globalen Breitenwirkung. In diesem Punkt hat der BVB noch einen großen Vorsprung vor Borussia Mönchengladbach, die ja auch von Puma ausgerüstet werden. Es geht um eine maximale Reichweite.

Der BVB kratzt mit dem neuen Deal an den Top-Ten in Europa, was die Zahlungen der Ausrüster angeht. Was fehlt, um zu den Bayern oder zu den Klubs aus England oder Spanien aufzuschließen?

Der konstante internationale Erfolg. Da ist Borussia Dortmund noch in der Aufbauphase und noch nicht so weit. Gucken Sie sich Teams wie Liverpool, ManCity, Barcelona oder die Bayern an. Die spielen regelmäßig im Viertelfinale der Champions League.

Und alle diese Vereine haben sportlich weniger Ausreißer nach unten, die gewinnen ihre Spiele auch mal „dreckig“, wie man so schön sagt. Gelingt der Borussia dort der nächste Schritt, sind sie weiter regelmäßig auch im Ausland präsent, dann haben sie auch die Chance, noch bessere Verträge zu machen.

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