Nach Fan-Beschwerden: So äußert sich der BVB zum Taubenproblem im Signal Iduna Park

dzBorussia Dortmund

BVB-Fans beschweren sich im Netz über Taubenkot auf ihren Plätzen im Signal Iduna Park - bisher hat keine Maßnahme des BVB das Problem gelöst. Jetzt hat sich der Verein geäußert.

Dortmund

, 04.12.2019, 16:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach dem hart erkämpften Sieg gegen die Hertha aus Berlin sind die BVB-Fans vorerst wieder besänftigt - zumindest was die sportliche Seite von Schwarzgelb angeht. Denn schon seit Wochen ereifern sich Dortmunder Anhänger im Netz: Es kursieren Videos und Fotos, die vor allem untere Teile der Südtribüne im Signal Iduna Park zeigen, die von Taubenkot überzogen sind.

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Auf Twitter hatte User „guiseppe_reina“ zuletzt mit Nachdruck auf die Probleme aufmerksam gemacht, postete vor dem Heimspiel gegen Paderborn ein Video mit dem Hashtag „taubenshitstorm“, das den von Taubenkot überzogenen Boden im Stadion zeigt und schrieb dazu: „Und hier wollt ihr Freitag wieder 25.000 Menschen unterbringen? Alte und wasserfeste Kleidung sollte wohl jeder Stadiongänger anziehen..“.

Auf Instagram gibt es mittlerweile einen Account, der sich mit dem Taubendreck im Dortmunder Stadion beschäftigt - „taubenshitstorm“. Ein Bild dieses Accounts zeigt einen Fan im Stadion, der einen Volltreffer auf der Jacke präsentiert. Sowohl auf Twitter als auch auf Instagram wenden die Fans sich immer wieder direkt an den BVB, fordern den Verein zum Handeln auf.

BVB-Stadion ist ein idealer Rückzugsort für Tauben

Doch bisher schwieg Borussia Dortmund. Jetzt hat Dr. Christian Hockenjos, der als „Direktor Organisation“ beim BVB der offizielle Veranstalter bei Spielen im Stadion ist, sich erstmals zu dem Taubenproblem im Dortmunder Stadion geäußert. Die Videos und Fotos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, seien Hockenjos nicht bekannt, das Problem an sich aber sehr wohl.

„So gut wie alle Bundesligisten haben leider ein Taubenproblem“, sagt Hockenjos, der neben seiner Tätigkeit beim BVB auch Vorstandsvorsitzender der Vereinigung deutscher Stadionbetreiber (VdS) ist. Seit der Gründung der VdS im Jahr 2007 stehe dieses Thema immer wieder auf der Agenda.

Der Grund: Fußballstadien sind ein idealer Rückzugsort für Tauben. „Die meisten Arenen sind so gebaut, dass es unter dem Dach immer Möglichkeiten zum Sitzen für die Tiere gibt“, erklärt Marc Brinkwirth vom Rassetaubenzuchtverein Rote Erde. Die Tiere seien immer auf der Suche nach Schutz, einem Ort, an dem sie sich vermehren können und Futter – all das ist im Signal Iduna Park gegeben. „Ob das eine Pommes ist oder ein Stück Brot, das ist der Taube egal“, sagt Brinkwirth.

Der BVB bekommt nur wenige offizielle Beschwerden

Trotz der vielen Klagen im Netz - offizielle Beschwerden von Stadionbesuchern des Signal Iduna Parks gebe es laut Hockenjos nur sehr selten: „Über die Saison gesehen liegt die Anzahl im einstelligen Bereich“. Trotzdem gebe es die Tauben natürlich seit jeher im Dortmunder Stadion und der BVB versuche auch „seit jeher, etwas dagegen zu tun. Es ist ein Problem, das wir ernst nehmen und an dem wir arbeiten.“

Die Liste der Maßnahmen gegen die ungewollten gefiederten Gäste ist lang beim BVB: Im Stadion an der Strobelallee waren bereits sogenannte „Eagle Eyes“ installiert, die Augen von Greifvögeln simulieren und die Tauben vom Flug ins Stadion abhalten sollen. Das Problem: Der Signal Iduna Park ist auch an den Seiten „offen“, die Eagle Eyes blieben also weitestgehend wirkungslos. Der Einsatz eines Falkners brachte ebenfalls keinen Erfolg.

Dem BVB sind beim Taubenproblem zwei Faktoren wichtig

Auch mit akustischen Mitteln hat der BVB bereits versucht, die Vögel fernzuhalten. Das störte aber mehr die schwarzgelben als die tierischen Stadiongäste. Das Anbringen von spezieller Paste, Nägeln und Netzen brachte - offensichtlich _ auch keinen Erfolg. Bei allen Versuchen blieb der BVB am Ende immer der Verlierer.

Aktuell setzt die Borussia Lebendfallen ein: Die Tiere werden im Stadion gefangen und unversehrt an anderer Stelle wieder ausgesetzt. Erfolg? Auch hier Fehlanzeige. „Das funktioniert leider nicht in Gänze zufriedenstellend. Und dennoch geben wir mit unseren Anstrengungen nicht auf“, gibt auch Hockenjos zu. „Es muss einfach einen Ort für die Tauben geben, der attraktiver als das Stadion ist, um sie fernzuhalten. Eventuell Taubenschläge in der Nähe des Stadions“, erklärt Marc Brinkwirth.

Dem Verein sind beim Kampf gegen die Tauben vor allem zwei Komponenten wichtig: Die finanzielle Verhältnismäßigkeit und der Tierschutz. Wenn man mit einer Maßnahme flächendeckend gegen die ungeladenen Gäste vorgehen wolle, sei man finanziell schnell im sechsstelligen Bereich. Übrigens: Es gebe auch kein Reinigungsproblem im Stadion. Der Taubenkot müsse nach der Endreinigung und vor der Stadionöffnung auf die Sitz- und Stehplätze kommen.

Keine Lösung für die BVB-Fans in Sicht

Aber was bedeutet das für zukünftige Maßnahmen - und die BVB-Fans? „Wenn wir uns an den Tierschutz halten, und das machen wir selbstverständlich, gibt es zumindest nach jetzigem Stand der Dinge leider keine einfache Lösung“, sagt Christian Hockenjos. Zumindest kenne der Verein aktuell keine Maßnahme, die effektiver sei und mit den beiden Grundsätzlichkeiten kompatibel.

Nach Fan-Beschwerden: So äußert sich der BVB zum Taubenproblem im Signal Iduna Park

Die verschiedenen Versuche seitens des BVB, die Tauben vom Stadion fernzuhalten, sind bisher erfolglos geblieben. © imago sportfotodienst

Die Situation im Stadion wird sich für die Fans, die vom Taubenkot-Problem betroffen sind, also vorerst ändern. Nur was können schwarzgelbe Anhänger tun? Jeder Fan könne sich immer an die Service-Mail-Adresse (service@bvb.de) des Vereins wenden, sagt Hockenjos, „wir nehmen jede Fan-Meinung, egal ob positiv oder negativ, sehr ernst.“

Das Taubenproblem in Dortmund bleibt also weiterhin bestehen, der BVB und die schwarzgelben Fans müssen weiter auf ein Erfolgserlebnis gegen die geflügelten Gäste warten.

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