Mehr Stimmung und mehr Ärger? - Kritik am neuen Konzept von Ultras und BVB

dzBorussia Dortmund

Für bessere Stimmung auf der Südtribüne wechseln BVB-Ultragruppen ihren angestammten Platz. Andere Dauerkarteninhaber wollen sich dort aber nicht verdrängen lassen. Kritik und Reaktionen.

Dortmund

, 06.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was ist auf der „Süd“ passiert?

Auf Wunsch von Ultras und mit Zustimmung des BVB haben sich die Ultragruppen neu aufgestellt bzw. ihren Standort verändert. Hintergrund ist die allgemein geteilte Feststellung, dass die Stimmung auf der größten Stehplatztribüne Europas in den vergangenen Jahren hör- und sichtbar nachgelassen hat. Mit mehr Breite in den unteren zentralen Blöcken 12 und 13 sowie nunmehr drei Podesten für die Vorsänger der Ultras samt verbesserter Soundanlage soll die Stimmung, die halt überwiegend von den Ultras erzeugt wird, besser auf die umliegenden Fangruppen und Blöcke transportiert werden.

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Woran entzündet sich die Kritik?

Weil sich die Ultras anders positionieren, werden andere Fans von ihren angestammten Plätzen beiseitegeschoben. Das bringt Ärger und Unverständnis. „Ich lasse mich nicht verdrängen“, sagt beispielsweise Gabi Herzog-Schwalek. Die 58-jährige BVB-Anhängerin beschwerte sich wie einige andere Fans beim Klub und auch bei dieser Redaktion und monierte, dass es im Spiel gegen den FC Augsburg „sehr, sehr eng“ gewesen sei im Block 12. Sie besitzt seit Jahrzehnten eine Dauerkarte, sie weiß auch, dass es kein Gewohnheitsrecht auf einen Stammplatz gebe. Aber sie meint auch: „Es kann doch nicht sein, dass einige hundert Ultras die ganze Tribüne mit 25.000 Fans dominieren.“

Verscheuchen lassen will sie sich nicht. Und spricht damit auch für andere Mitglieder ihres und befreundeter Fanklubs. Viele von ihnen seien schon Stammgäste gewesen, da waren einige der Ultras noch nicht einmal geboren, argumentiert sie. „So“, sagt Herzog-Schwalek, „macht es keinen Spaß mehr.“


Wie hat der BVB reagiert?

Der Platzwechsel zu Füßen der Tribüne wurde Anfang des Jahres angeregt, seit dem Frühjahr erst mit Handzetteln und dann bei Fantreffen angekündigt und klar kommuniziert. Dass dieser Eingriff in den bestehenden Organismus Südtribüne nicht geräuschlos vonstatten gehen würde, war dem Verein klar. Dennoch bestand großes Interesse an einer „Weiterentwicklung“ der Tribüne und mehr Stimmung in der Bude.

Auf die Kritik der betroffenen Fans hat der Klub mit einer mehr oder weniger standardisierten E-Mail reagiert und vertröstet. „Wir bitten um Verständnis, dass wir für eine ausführliche Antwort mit möglichen Lösungsansätzen ein paar Tage Zeit benötigen“, heißt es da. Am Rheinlanddamm überlegt man sich weitere Schritte, um zu vermitteln und für Verständnis zu werben. Grundsätzlich stehen die Maßnahmen aber nicht zur Diskussion.

Gab es größere Auseinandersetzungen?

Nein. Die Ultras haben sich auferlegt, komplett ohne Störungen und Drohungen auf die Reaktionen anderer Fans zu reagieren. Im ersten Heimspiel der Bundesliga-Saison gegen den FC Augsburg ist es wohl auch dabei geblieben.

Fanbeauftragte und Insider hatten sich in den relevanten Blöcken positioniert und die Szenerie intensiv beobachtet. Schlimmeres als Einschüchterungen wie „Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet“ sind nicht bekannt geworden.


Wie geht es weiter?

Im Spiel gegen Bayer Leverkusen am 14. September steht der nächste Testlauf an. Erst dann wird auch die neue Infrastruktur mit zum Beispiel in Länge oder Breite angepassten Wellenbrechern zum Tragen kommen und die Ballung von vielen Fans auf engem Raum entzerren. Der „Stimmungsbereich“ der aktiven Fanszene soll dann klar ersichtlich ein- und abgegrenzt sein.

Außerdem soll der Sinn und Zweck der Veränderungen von Klub und Fanszene abermals nach außen erklärt werden. Alle Reibereien werden damit aber wohl nicht gelöst.

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