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Maximilian Philipp muss die abgelaufene Saison als Rückschritt werten - und verarbeiten. Da die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld nicht kleiner wird, ist seine Zukunft bei Borussia Dortmund ungewiss.

Dortmund

, 01.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Sonne lacht vom Himmel, die große Gartenanlage im „Grand Ressort“ vermittelt Ruhe und Entspannung. Es lässt sich aushalten im Trainingsquartier der Dortmunder Borussia im schweizerischen Bad Ragaz. Für Maximilian Philipp ist es das zweite Sommer-Trainingslager als Spieler der Borussia. Eins fällt sofort auf, als Philipp sich für die Medienrunde in einen bequemen Sessel setzt: Aus dem schüchternen Neuling des Vorjahres ist ein selbstbewusster junger Profi geworden.

Zorc sorgt zunächst für Optimismus

Philipp hat viel vor in seinem zweiten BVB-Jahr, er wirkt bereit und er hat sich auch auf eine Frage vorbereitet, die unweigerlich kommen musste. Zuvor hatte Sportdirektor Michael Zorc, angesprochen auf die damals schleppend verlaufende Stürmersuche der Borussia, einen Satz gesagt, der Philipp in den Ohren geklungen haben dürfte. „15 bis 18 Tore“, erklärte Zorc, traue er Philipp zu in der neuen Saison.

Das Signal, das Zorc damit aussenden wollte: So dringlich ist die Suche nach einem neuen Angreifer nicht. Philipp wertete diese Aussage als Vertrauensbeweis, er fühle sich „geehrt“, aber „durchaus bereit“, warum denn eigentlich auch nicht. Denn der U21-Europameister konnte seinen Optimismus mit durchaus beeindruckenden Zahlen aus seiner ersten BVB-Saison unterfüttern.

Philipps erste Spielzeit beim BVB war ein klarer Erfolg

Er kam in 20 Bundesliga-Partien auf immerhin neun Treffer und bereitete drei weitere vor. 14 Partien verpasste er wegen einer langwierigen Knieverletzung, das verhinderte eine noch bessere Bilanz.

„Ich war nie das Riesen-Talent, das auf allen Zetteln stand.“
Maximilian Philipp

Drei Assists in zwei Pokalspielen rundeten seine Premierensaison in Dortmund ab - er konnte die für den BVB nicht einfache Spielzeit persönlich als klaren Erfolg verbuchen.

Wenige Wochen, nachdem Philipp sich so zuversichtlich geäußert hatte, holte der BVB Paco Alcacer. Das veränderte einiges für den gebürtigen Berliner, der in der Jugend die Hertha verlassen und sich über Umwege (Cottbus) in Freiburg seinen Traum vom Profifußball erfüllt hatte. Bis zum achten Spieltag (4:0 in Stuttgart) durfte sich Maximilian Philipp zum erweiterten Kreis der Stammspieler zählen. Dort machte er auch sein erstes Saisontor. Es sollte sein einziges bleiben, weil seine Einsatzzeiten danach rapide zurückgingen.

Nur 761 Bundesligaminuten absolviert

Dass am Ende dennoch 18 Saisoneinsätze standen, kaschiert nur die (triste) Realität. Neun Mal wurde er ein-, acht Mal ausgewechselt. Philipp spielte nur 761 Bundesliga-Minuten - und nur einmal durch. Drei Einsätze im Pokal und zwei in der Champions League verbessern die Bilanz nur minimal.

Maximilian Philipp: Auf Optimismus folgt ein großer Rückschritt im zweiten Jahr beim BVB

Maximilian Philipp erzielte am 8. Spieltag gegen den VfB Stuttgart sein erstes und einziges Bundesliga-Tor der vergangenen Saison. © imago

Wettbewerbsübergreifend zwei Tore und zwei Torvorbereitungen zeugen von seinem deutlich geschrumpften Stellenwert. In sieben der 34 Bundesligapartien schaffte er es nicht einmal in den Dortmunder Kader, obwohl er spielfähig war.

Favre legt Veto gegen Leih-Anfrage ein

Im Winter meldete sich der VfB Stuttgart bei Michael Zorc. Die Schwaben, denen das Wasser bis zum Hals stand, hätten den abschluss- und schussstarken Offensivspieler der Borussia gern ausgeliehen. Doch das stieß beim BVB auf wenig Gegenliebe.

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Trainer Lucien Favre legte sein Veto ein, er hatte einen Plan auserkoren, Philipp als Backup für Marco Reus auf die Zehn zurückzuziehen. Denn auf der Neuner-Position war Philipp nicht glücklich geworden, er ließ die Torgefahr vermissen, oft auch die Bindung zu den Mitspielern.

Vielseitigkeit wird Philipp zum Verhängnis

Im Winter-Trainingslager ersetzte er den erkrankten Reus durchaus ordentlich, er hing sich rein, er bemühte sich. Doch an Reus gab es natürlich kein Vorbeikommen, vorne hatte sich das Duo Götze/Alcacer festspielt, auch die Außenbahnen waren für Philipp dicht – seine Vielseitigkeit, eigentlich eine große Stärke, wurde ihm zum Verhängnis. Zu Hause auf einer festen Position war Maximilian Philipp nicht. Unter dem geringen Wohlfühlfaktor litt auch seine Leistung.

Weil noch eine Knieverletzung hinzukam, war die Rückrunde für den 25-Jährigen sogar noch reicher an Frusterlebnissen als die erste Serie. Nur 240 Minuten kamen nach der Winterpause in der Bundesliga noch auf sein Spielkonto, viel zu wenige für einen Spieler seiner Qualität und mit seinen Ansprüchen.

Vertrag bis 2022 könnte für Leihgeschäft sorgen

Gut möglich also, dass Philipp seinen Marktwert in diesem Sommer testen wird. Stuttgart fällt nach dem Abstieg als Option allerdings weg, ein kolportiertes Interesse aus Wolfsburg entpuppte sich am Himmelfahrts-Feiertag als Gerücht ohne Wahrheitsgehalt.

„Es zeichnet mich aus, dass ich durchsetzungsstark bin.“
Maximilian Philipp

Weil sein Vertrag bis 2022 läuft, könnte ein Leihgeschäft seine Chancen am Markt erhöhen. Dafür würde er allerdings Geduld brauchen, kommen solche Wechsel doch eher am Ende der Transferperiode zustande.

Philipp hat durchaus einiges zu bieten für potenziell interessierte Vereine. Er bringt eine gute Dynamik sowie Grundschnelligkeit mit Ball mit und ist vor dem Tor zielstrebig. Allerdings war er bei seiner Verpflichtung nicht günstig: 20 Millionen Euro überwies der BVB in Richtung Freiburg, diese Summe mindestens wäre fällig, wenn ein Klub ihn fest verpflichten möchte.

Keine unbekannte Situation für Philipp

Für Maximilian Philipp ist dies keine ganz unbekannte Situation. „Ich war nie das Riesen-Talent, das auf allen Zetteln stand“, erzählte er in seinem ersten Interview als BVB-Spieler dieser Redaktion. „Aber es zeichnet mich aus, dass ich durchsetzungsstark bin und den unbedingten Willen habe.“ Wo er diese Qualitäten zur Geltung bringen kann, ist aber völlig offen.


Perspektive für die Saison 2019/20:

Philipp wird den BVB verlassen, sei es auf Leihbasis oder durch einen echten Transfer. Vereine im oder an der Schwelle zum internationalen Geschäft wären eine perfekte Anlaufstelle. Sollte ein Wechsel scheitern, wird es nicht einfacher für den Mittelfeldspieler, da die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld noch einmal deutlich größer geworden ist.

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