Hummels verleiht der BVB-Abwehr gegen Augsburg eine besondere Qualität

Kantersieg gegen Augsburg

Die BVB-Rückkehr von Mats Hummels wird nicht von allen Fans begrüßt. Bei seinem ersten Spiel im Signal Iduna Park aber gibt es kaum Pfiffe - und sein Wert fürs Team ist sofort erkennbar.

Dortmund

, 18.08.2019, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Hummels verleiht der BVB-Abwehr gegen Augsburg eine besondere Qualität

Gibt beim BVB direkt die Richtung vor: Mats Hummels (M.). © imago

Wechsel zu Bayern München sind in Dortmunder Fankreisen beinahe so verhasst wie ein BVB-Abschied zum FC Schalke 04 - spätestens seit die Borussia den Münchnern immer näher auf die Pelle gerückt ist, kommt der gemeine BVB-Anhänger nur schwer damit klar, wenn einer der Lieblinge Schwarzgelb für Rot eintauscht.

Hummels verließ den BVB als Kapitän

Das war bei Robert Lewandowski so, das war erst recht bei Mario Götze so, bei dessen erster Rückkehr in den Signal Iduna Park das Pfeifkonzert so laut war wie wohl nie zuvor und Götze veranlasste, sich im Spielertunnel aufzuwärmen statt vor der Südtribüne.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein sehr schönes Comebackdebüt heute @bvb09

Ein Beitrag geteilt von Mats Hummels (@aussenrist15) am

Und das war dann auch bei Mats Hummels so. Dessen Fall war auch deshalb so speziell, weil er den BVB als Kapitän verließ - in einer Phase der Neuausrichtung des Klubs nach dem Abschied von Jürgen Klopp. Als durchsickerte, dass Hummels den Klub verlassen würde, half auch nicht der Hinweis auf die acht BVB-Jahre des Innenverteidigers, in denen er sich immer total identifiziert hatte mit der Borussia. Es half auch nicht der Verweis auf das Heimweh - und den inneren Zwang bei Hummels, sich bei dem Verein durchsetzen zu wollen, der ihn zu Beginn seiner Profikarriere verschmäht hatte und nicht entsprechend wertschätzte.

Zorc: „Das tut uns gut“

Entsprechend geteilt waren die Meinungen, als sich die Rückkehr nach drei Jahren München anbahnte. Die, die ihm den Abschied aus Dortmund immer noch nicht verziehen hatten, taten sich zusammen mit denen, deren Skepsis sich aus sportlichen Argumenten speiste. Hummels, mittlerweile 30 Jahre alt, fehle das Tempo. Ein viel gebrauchtes Argument. Und vielleicht fehle ihm ja auch die Motivation. Mit dem FC Bayern hatte er ja (fast) alles gewonnen.

Davon war am Samstag allerdings nichts zu sehen. Sollte Hummels angespannt gewesen sein vor seiner Rückkehr in den Signal Iduna Park, so war ihm davon nichts anzumerken. Hummels war voll konzentriert, immer auf Ballhöhe. Er schlüpfte gleich in die Rolle des Leaders, hatte 120 Mal den Ball am Fuß. 91 Prozent seiner 109 Pässe kamen an, 75 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er. „Das tut uns gut“, urteilte Sportdirektor Michael Zorc, „er spielt die Bälle diagonal, in die Spitze, hinter die Abwehr. Das ist eine besondere Qualität, die er mitbringt.“ Mit Hummels sei der Aufbau ruhiger, „dadurch bleibt die ganze Mannschaft ruhig.“

Watzke und Hummels hatten permanent Kontakt

Hans-Joachim Watzke trat allen Skeptikern schon am vergangenen Dienstag als Gast bei „19.09 - der schwarzgelbe Talk“ entschieden entgegen - und machte auch deutlich, dass dieser Transfer auch eine persönliche Herzensangelegenheit ist. Hummels sei als Spieler immer noch außergewöhnlich, so Watzke, „es gibt in Deutschland kaum einen Innenverteidiger mit seiner Spieleröffnung, Hummels strahlt Ruhe aus und gibt der Abwehr Halt und Sicherheit.“

Während der drei Hummels-Jahre beim FC Bayern ruhte der Kontakt zwischen Watzke und dem Spieler nie. „Wir hatten permanent Kontakt, nicht nur, wenn es besonders gut oder schlecht lief.“ Und bei jedem Telefonat habe er gespürt, dass Borussia Dortmund für Mats Hummels immer noch etwas Besonderes sei. „Das war am Ende neben seinen sportlichen Qualitäten auch ausschlaggebend, dass wir ihn zurückgeholt haben“, so Watzke. Hummels habe sich nach dem Wechsel 2016 „noch monatelang“ mit dieser Entscheidung gequält.

Hummels übernimmt die Kapitänsbinde von Reus

Watzke war darauf eingestellt, dass es am Samstag dennoch negative Äußerungen hätte geben können. „Aber 90 Prozent der Fans stehen dem Transfer positiv gegenüber, und das hat der Mats auch verdient.“ Watzke sollte recht behalten, Unmutsäußerungen gab es keine. Dortmunds Boss glaubt, mit diesem Transfer einer schon guten Mannschaft ein entscheidendes Puzzlestück hinzugefügt zu haben. „Er ist Weltmeister, seine Erfahrung strahlt auch auf die Mitspieler aus.“ Hummels sei ein absoluter Führungsspieler. „Aber“, so Watzke, „er hat auch kein Problem damit, sich einem Kapitän Marco Reus unterzuordnen.“ Auf dem Weg zur angestrebten Meisterschaft , daran ließ Watzke keinen Zweifel, könnte das ein vielleicht entscheidender Faktor sein.

Video
Watzke: "Mats Hummels gibt uns Sicherheit"

Dass Hummels nach der Auswechslung von Marco Reus dann auch gleich die Kapitänsbinde übernahm, war gewiss kein Zufall. Der Rückkehrer erfüllt den gewünschten Führungsanspruch aus einem inneren Selbstverständnis und seiner Position als einer der erfahrensten Spieler des Kaders heraus - und das schon nach wenigen Wochen. Gäbe es nicht das Angestellten-Verhältnis, Hans-Joachim Watzke könnte sich durchaus vorstellen, dass sich zwischen ihm und Mats Hummels eine Freundschaft entwickeln könnte. Drei Jahre wird das allerdings mindestens noch auf sich warten lassen. In der Zeit möchte Mats Hummels seine Titelsammlung gern erweitern.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Champions League

Borussia Dortmund und die Sehnsucht nach einer langen Reise in der Champions League