Martin Kree fordert Geduld beim BVB und vergleicht Axel Witsel mit Matthias Sammer

Borussia Dortmund

Der BVB muss im Spiel gegen Werder Bremen eine Antwort auf die aufkeimende Mentalitäts-Diskussion geben. Ein ehemaliger Borusse kennt die Situation und weiß, dass es keine Patentlösung gibt.

Dortmund

, 27.09.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Martin Kree fordert Geduld beim BVB und vergleicht Axel Witsel mit Matthias Sammer

Martin Kree und Hansi Küpper beim RN-BVB-Podcast im Gespräch mit Jürgen Koers und Sascha Staat. © Sascha Klaverkamp

Martin Kree hat viele Schlachten geschlagen für Borussia Dortmund, in Erinnerung bleibt noch eher als der Triumph im Champions-League-Finale 1997 gegen Juventus Turin das Halbfinale in jener Saison gegen Manchester United. Der stark ersatzgeschwächte BVB kam auch dank zweier großer Rettungstaten von Kree eine Runde weiter.

Es war eine kämpferische Glanzleistung aller, die als Paradebeispiel dafür herhalten kann, was trotz vielleicht fehlender Qualität mit der richtigen Mentalität machbar ist.

Martin Kree fordert Geduld beim BVB und vergleicht Axel Witsel mit Matthias Sammer

Martin Kree brachte die richtige Mentalität auf den Platz. © Guido Kirchner

Womit der Bogen zur aktuellen Situation beim BVB geschlagen ist. Nicht erst seit Sonntag, seit dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt, schwebt über der aktuellen Mannschaft die Diskussion über die fehlende Sieger-Mentalität in engen Spielen. Die Partie gegen die Eintracht befeuerte sie erneut.

Fehlende Mentalität, Biss, Gier oder Bereitschaft?

Im Dortmunder Fanblock in der Commerzbank Arena machte die einhellige Meinung die Runde, dass das zwischenzeitliche 2:1 nicht reichen würde zum Sieg. Die Fans sollten Recht behalten.

Auch Kree hat als Zuschauer der BVB-Spiele „schon häufiger das Gefühl gehabt, dass, wenn sich die Chance bietet, den Sack zuzumachen, es nicht klappt.“ Beispiele dafür gibt es in der Tat genug, schon aus der Vorsaison, wo dieses Phänomen letztlich auch die Meisterschaft kostete. Jetzt wiederholen sich die Dinge.

Wie man das Problem benennt, ob nun als fehlende Mentalität, fehlenden Biss, fehlende Gier oder fehlende hundertprozentige Bereitschaft, über die Schmerzgrenze zu gehen: Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, „dass zu oft zwei, drei Prozent fehlen, um das Ding erfolgreich nach Hause zu bringen“, sagt auch Hansi Küpper.

Martin Kree fordert Geduld beim BVB und vergleicht Axel Witsel mit Matthias Sammer

An Qualität im BVB-Kader mangelt es nicht, findet Hansi Küpper. © imago/Future Image

Der Sky-Kommentator macht aus seinem schwarzgelben Herzen keine Mördergrube und sagt: „Ich glaube nicht, dass wir, wenn wir den Kader durchgehen, nur einen Spieler finden, von dem wir sagen können, mit dem wird Borussia Dortmund nicht Deutscher Meister. Dennoch fehlt in der Gesamtheit irgendwas. Es ist ein Phänomen, das daher schwer zu lösen ist.“

Jugend alleine kann nicht die Erklärung sein

Die Jugend einiger Spieler könnte eine Erklärung sein, findet Kree. Dagegen spricht, dass junge Spieler heute viel besser auf Drucksituationen vorbereitet sind und viel früher den Sprung zu den Profis schaffen.

Spieler wie Manuel Akanji stehen faktisch noch weit vor ihrem Leistungszenit, haben aber schon reichlich Erfahrung gesammelt. Noch extremer als bei Akanji ist dies bei Jadon Sancho zu sehen. Mit nur 19 Jahren kommt er schon auf 51 Bundesliga-Partien, auch er ist Nationalspieler (8 Einsätze) und kennt die Champions League.

Martin Kree fordert Geduld beim BVB und vergleicht Axel Witsel mit Matthias Sammer

Jadon Sancho hat trotz seiner Jugend schon reichlich internationale Erfahrung, auch im Nationalteam Englands. © imago images / Focus Images

Jugend allein ist also nicht die Erklärung, findet auch Küpper. „Vor neun Jahren“, meint er, „da war der berühmte 88er-Jahrgang um Hummels, Subotic, Schmelzer und Großkreutz gerade 22 Jahre alt. Aber sie sind mit großer Mentalität durch die Bundesliga marschiert und haben sich nie beirren lassen.“

Eine neue Erfahrung für einige Borussen

Vielleicht ist es eher die spezielle Problematik, dass mit den Erfolgen der Borussia jeder Gegner die Partie gegen den BVB als „Spiel des Jahres“ betrachtet. „Die Bayern sind es seit Jahren gewohnt, dass es für die Gegner das absolute Highlight ist, einmal gegen sie zu gewinnen“, sagt Martin Kree. „Einige Spieler von Borussia Dortmund machen diese Erfahrung erst jetzt.“

„Und wir wussten, da gibt’s richtig auf die Socken!“
Hansi Küpper

Es sei eine große Herausforderung, immer nahe an die 100 Prozent Leistung zu kommen. Er erinnere sich gut daran, sagt Kree, wie es war, „als wir mittwochs Europapokal gespielt haben und dann samstags nach Bielefeld mussten. Und wir wussten, da gibt’s richtig auf die Socken!“

Mentalität sei vorhanden im Kader, findet Kree. Zum Beispiel bei Axel Witsel. „Er stellt auf dem Platz was dar, aber kann er das aufgrund der Sprachbarriere auch in der Kabine, so wie bei uns Matthias Sammer?“

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Der BVB habe mit den Verpflichtungen von Hummels, Brandt & Co. sowie den Vorjahrestransfers von Witsel und Delaney gut reagiert auf die erkannten Schwächen, glaubt Kree, „aber nicht jeder, der Mentalität mitbringt, kann sie auch sofort einbringen. Das braucht Geduld.“ Das Problem: „Diese Zeit bekommt man heute ja gar nicht mehr.“

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