Mario Götze und der BVB - unromantisches Ende einer erhofften Romanze

dzKommentar

Mario Götze und Borussia Dortmund trennen sich im Sommer. Das ist längst keine Überraschung mehr, traurig ist es trotzdem. Tobias Jöhren kommentiert.

Dortmund

, 23.05.2020, 20:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mario Götze verlässt Borussia Dortmund im Sommer. Oder: Borussia Dortmund lässt Mario Götze im Sommer ziehen. Jeder Fan kann sich aussuchen, wie er die Trennung des einstigen Wunderkindes von seinem einstigen Herzensklub bewertet. Es wird zwei Lager geben. Das eine Lager, das die Meinung vertreten wird, es sei endlich vorbei, und das andere Lager, das nicht verstehen kann, warum ein solch guter Fußballer beim BVB keine Berücksichtigung mehr findet.

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Seit Samstag jedenfalls ist aus dem Gezwitscher, das die Vögel seit Monaten von den Dächern gepfiffen haben, endgültig Gewissheit geworden. BVB-Sportdirektor Michael Zorc erklärte vor dem Dortmunder Auswärtsspiel in Wolfsburg, dass man die Zusammenarbeit mit Götze nicht über das Saisonende hinaus fortsetzen werde. Die Trennung, sagte Zorc, sei „im Sinne beider Parteien“.

Der BVB und Mario Götze - das ergibt keinen Sinn mehr

Am Ende ist das tatsächlich so, und Zorcs Zitat zeigt vielleicht besser als jede Statistik, wie schlecht es mittlerweile um Götze bei Borussia Dortmund bestellt ist. Zorc hätte genauso gut sagen können, dass es für beide Seiten einfach keinen Sinn mehr ergibt, die Zusammenarbeit fortzusetzen - das hätte zwar deutlich drastischer geklungen, aber ebenfalls der Wahrheit entsprochen.

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Denn Borussia Dortmund und Mario Götze, das passt längst nicht mehr zusammen wie Mettbrötchen und Champagner. Ein Neuanfang muss her. Für beide Seiten. Am Samstag in Wolfsburg wechselte BVB-Trainer Lucien Favre, der vor dem Spiel verkündet hatte, man müsse die Wahrheit sagen und sein 3-4-3-System sei nun mal nicht ideal für Götze, fünf Spieler ein und aus. Götze blieb 90 Minuten lang trotzdem nur die Zuschauerrolle.

Watzke spricht von einem „engen Vertrauensverhältnis“ zu Götze

Noch vor einem guten Jahr schienen ein solcher Absturz beim BVB und auch ein Abschied Götzes ziemlich undenkbar. Götze spielte eine ordentliche Rückrunde, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sprach im Frühling 2019 vom „engen Vertrauensverhältnis“ zwischen Spieler und Verein. Man hätte schon so viel zusammen durchgestanden und erlebt, das werde schon werden - und irgendwie dachte man, das werde schon stimmen.

Die Ausbildung in den Jugendmannschaften. Der steile Aufstieg unter Jürgen Klopp. Liebesbekundungen. Der Wechsel zum FC Bayern München 2013. Hassbekundungen. Die Rückkehr nach Dortmund 2016. Stoffwechselerkrankung. Ein Comeback unter Peter Bosz. Ein Absturz unter Lucien Favre. Ein Comeback unter Lucien Favre. Noch ein Absturz unter Lucien Favre. Es war ja wirklich viel.

Zwischen Mario Götze und dem BVB gibt es keine gemeinsame Basis

Doch trotz des Vertrauensverhältnisses, von dem Watzke nun schon länger nicht mehr gesprochen hat, ging es irgendwann, wie immer im Fußball, ums Geld, und später ging es, wie manchmal im Fußball, um die fehlende sportliche Perspektive. Erst wurde viel gesprochen, dann wurde nicht mehr so viel gesprochen, dann wurde eigentlich gar nicht mehr gesprochen, und am Ende blieb doch nur die Trennung. Wie in einer schlechten Ehe, in der sich beide Parteien immer weiter voneinander entfernen, bis es irgendwann keine gemeinsame Basis mehr gibt. Und auch kein Vertrauensverhältnis.

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Nun stellt sich die Frage, was vom Kapitel Mario Götze bei Borussia Dortmund übrig bleiben wird. Dieses Mal wird die Trennung, alles andere ist aktuell schwer vorstellbar, wohl für immer sein. Einen Platz an den Fundamenten des Signal Iduna Parks, wo die großen Helden und Lieblinge der BVB-Fans künstlerisch verewigt sind, ist für Götze eher nicht vorgesehen. Auch das Trikot mit der Nummer zehn wird weiterhin in Dortmund vergeben werden. Die Trennung im Sommer ist das unromantische Ende einer erhofften Romanze, die - das muss man im Mai 2020 konstatieren - wenn überhaupt nur sehr wenige Herzen erwärmt hat. Mit den Rückholaktionen der Meister von 2011 und 2012 bleibt das bei Borussia Dortmund so eine Sache.

Nach Kagawa und Sahin verlässt auch Götze den BVB erneut

Nun zieht nach Shinji Kagawa und Nuri Sahin auch Götze zum zweiten Mal weiter, und es gibt eigentlich niemanden im Verein, der das Verlangen hat, daran etwas zu ändern. Es wird nicht nur wegen der sogenannten Geisterspiele ein gespenstischer Abschied für Götze von Borussia Dortmund.

Einer der talentiertesten Fußballer des Landes hat in einer der talentiertesten Mannschaften dieses Landes keinen Platz gefunden. Oder kein Trainer hat einen Platz für ihn gefunden. Auch in diesem Punkt werden die Meinungen auseinandergehen. Traurig ist es aus fußballerischer Sicht in jedem Fall. Im Sinne beider Seiten.

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