Marco Reus ist in der Hinrunde zum Anführer gereift - viel Lob für das Herzstück des BVB

dzBorussia Dortmund

Marco Reus ist nicht nur das Herzstück der BVB-Offensive, er gibt dem jungen Team auch die Richtung vor. Nach vielen Verletzungen besticht der Kapitän längst durch Leistung und Meinung.

Dortmund

, 28.12.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Arme weit ausgebreitet, dreht Marco Reus ab. Sein strahlender Blick wandert direkt hinauf in die Fankurve. Ein Jubelorkan kommt von dort zurück. Wieder ein Reus-Tor, wieder Partyalarm in Schwarzgelb. Gänsehaut-Momente wie diese zogen sich durch die Hinrunde dieser Saison. Reus trifft, Reus bereitet vor, Reus treibt an. Reus in der Form seines Lebens.

Der BVB mit Marco Reus als Führungskraft brilliert in der Bundesliga. „Marco macht jede Mannschaft besser“, betont Borussias Sportdirektor Michael Zorc, und: „Er ist der Mann für die wichtigen Momente und vor allem die wichtigen Tore. Er ist der Eckpfeiler unserer Offensive.“ Einer neu formierten Offensive, die in der Hinrunde auf dem Weg zur Herbstmeisterschaft nicht zu stoppen war. Keine Frage, der Spaßfaktor, den Herzstück Reus mit seinen zumeist jungen Mannen auf den Rasen bringt, verzaubert die Fans. Klar, denn sie entwickelte eine gewaltige Wucht, die so den BVB an die Spitze katapultierte.

„Er ist der Mann für die wichtigen Momente und vor allem die wichtigen Tore. Er ist der Eckpfeiler unserer Offensive.“
Michael Zorc über Marco Reus

Was die Zahl an Toren und Assists angeht, stellte Marco Reus einen persönlichen Hinrunden-Rekord auf. Die Erklärung dafür klingt simpel. „Ich versuche immer, meine Leistung zu bringen. Das Gute ist einfach, ich bin gesund“, sagt Reus. Gesund, genau das ist es. Denn in den Spielzeiten zuvor setzten den heute 29-Jährigen unter anderem eine Schambeinentzündung, ein Kreuzbandriss und ein Muskelbündelriss zusammen gerechnet mehr als 450 Tage (!) außer Gefecht.

Zug zum Tor, leichtfüßige Dribblings, Zuckerpässe

Seit März dieses Jahres dagegen ist Reus weitgehend fit – und kann so durchgängig starke Leistungen abrufen. „Ich konnte die Vorbereitung mitmachen und das ist einfach eine Basis, für mich und meinen Körper, die ich brauche. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass es momentan so läuft“, erklärt er. Tempo, Zug zum Tor, leichtfüßige Dribblings, Zuckerpässe – bei der Wahl zu Deutschlands Fußballer dieses Jahres muss der Dortmunder zum engen Kandidatenkreis zählen. Da kann es schlicht keine zwei Meinungen geben.

Schon im Sommer wählten ihn die BVB-Fans zum Spieler der vergangenen Saison. Diese Zeitung hatte zur Abstimmung aufgerufen, mehr als 7000 Fans votierten, 31 Prozent von ihnen wählten Reus. Auf Platz zwei mit 13 Prozent der Stimmen: Torhüter Roman Weidenfeller. „Roman hätte es zum Abschied quasi für sein Lebenswerk auf jeden Fall verdient zu gewinnen“, sagte Marco Reus mit der gebotenen Bescheidenheit bei seiner Auszeichnung, „aber ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Von unseren Fans gewählt zu werden, das macht es für mich besonders wertvoll.“

Wertvoll, das taugt ohnehin als gutes Stichwort, wenn es um Reus und den BVB geht. Der Blondschopf ist in Dortmund geboren, in Dortmund aufgewachsen, fußballerisch bei Post und Telekom SV Dortmund sowie im Nachwuchs des BVB ausgebildet worden. Mehr Identifikationsfigur geht nicht. Das hat auch Marco Reus erkannt, und seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2023 verlängert. Zu zweifelsfrei sehr guten Bezügen zwar. Aber bei einem Wechsel ins finanzkräftige Ausland hätte er etliche Millionen mehr einstreichen können. Reus entschied sich trotzdem für den BVB.

Reus ist das prägende Gesicht des BVB

„Dieser Spieler zeigt ein Höchstmaß an Identifikation, auf das wir sehr stolz sind“, gestand Borussias Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Reus, mit seinem neuen Vertrag endgültig zum prägenden Gesicht des Klubs avanciert, wertete sein Bekenntnis auch als „Dankeschön an unsere fantastischen Fans, die immer zu mir gehalten haben.“

Marco Reus ist in der Hinrunde zum Anführer gereift - viel Lob für das Herzstück des BVB

Sein Wort hat Gewicht: Marco Reus hat beim BVB das Sagen. © imago

Fußballerisch stehen die Qualitäten des Wirbelwinds eigentlich schon lange außer Frage. Hinzugekommen ist nun aber eine weitere entscheidende Qualität: Charakterliche Reife. Früher kam er eher schüchtern daher, duckte sich im Rampenlicht außerhalb des Platzes häufig weg, vermittelte den Eindruck, dass ihn außer Fußballspielen nichts so wirklich interessiert.

Reus ist als Mensch gereift

Der Reus im Dezember 2018 ist anders. Erwachsen. Fokussiert. Er stellt sich der Verantwortung. „Er geht auf dem Platz voran“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. „Die jungen Spieler beobachten ihn genau, sie können viel von ihm lernen gerade im vorderen Bereich in Richtung Torabschluss, da ist er ein Vorbild.“ Lob kassierte der Kapitän, der das Amt zu Saisonbeginn von Marcel Schmelzer übernommen hat, auch vom externen BVB-Berater Matthias Sammer.

„Er ist nicht nur unser Kapitän, sondern auch ein Vorbild. Er ist einer, zu dem man aufschaut.“
Jacob Bruun Larsen

„Marco spielt diese Hinrunde herausragend“, schwärmte Sammer, Reus habe eine „bemerkenswert schöne Entwicklung“ genommen, einen „großen Schritt nach vorne gemacht“. Weil er eben der jungen Mannschaft nicht nur dank starker Leistungen hilft, sondern auch durch Führungskraft. Durch Erfahrung. Durch Meinung. Auf einen Reus hören die Jungspunde eben, die Sanchos, Bruun Larsens, Hakimis. Reus‘ Richtung ist ihre Richtung. Jacob Bruun Larsen unterstreicht: „Er ist nicht nur unser Kapitän, sondern auch ein Vorbild. Er ist einer, zu dem man aufschaut.“

Reus ist der BVB-Rekordtorschütze in der Champions League

Und einer, der konsequent Bescheidenheit vorlebt. Vor allem mitten im Höhenflug. Als er sich mit seinem Treffer zum 3:0-Endstand gegen die AS Monaco am zweiten Gruppenspieltag zum Dortmunder Rekordschützen in der Champions League aufschwang, nahm er das fern jeder Euphorie zur Kenntnis. „Schön“ sei diese Statistik, gestand er kurz nach dem Spiel und seinem 17. Königsklassen-Tor, aber: „Morgen ist schon wieder ein neuer Tag. Es geht weiter.“ Denn schließlich müsse man „weiter arbeiten, dass es auch so bleibt.“

Marco Reus ist in der Hinrunde zum Anführer gereift - viel Lob für das Herzstück des BVB

17 Tore erzielte Marco Reus für den BVB bislang in der Champions League - genauso viele wie Robert Lewandowski und zwei mehr als Pierre-Emerick Aubameyang. © imago

Nach dem 2:1 gegen Bremen, das die Herbstmeisterschaft besiegelte, suchte Reus, anstatt sich feiern zu lassen, lieber das Haar in der Suppe. Und fand es. „Wir haben in der zweiten Halbzeit heute kein gutes Spiel gezeigt. Wir müssen einfach früher das 3:1 machen, dann müssen wir auch nicht ständig hinterherlaufen.“

Favre ein wichtiger Faktor

Reus betont gern, wie wichtig der Kollektiv-Gedanke für den neuen BVB ist. Mit ihm auf seiner Lieblingsposition. Als zentraler offensiver Mittelfeldspieler hinter der Spitze, ausgestattet mit vielen Freiheiten – die ihm Lucien Favre gewährt. Der BVB-Trainer, seit Sommer im Amt, ist einer der Faktoren, die noch mehr aus Marco Reus herauskitzeln. Der Profi weiß um die wertvolle Rolle des neuen Chefs.

Marco Reus ist in der Hinrunde zum Anführer gereift - viel Lob für das Herzstück des BVB

75 Mal lief Marco Reus bislang unter Lucien Favre auf. 41 Tore und 25 Torvorlagen stehen dabei zu Buche. © imago

„Fachlich und menschlich“, sagte Reus jüngst, „ist Lucien Favre der beste Trainer, mit dem ich in meiner Karriere zusammengearbeitet habe.“ In Gladbach formte Favre seinen Schützling einst zur Spitzenkraft. Lenken sie den gemeinsamen Weg nun womöglich in Dortmund im nächsten Sommer zum ersten deutschen Meistertitel für beide?

Sebastian Kehl, der frühere Kapitän der Borussia und heutige Leiter der Lizenzspielerabteilung des Klubs, hält seinen „Erben“ Reus auf jeden Fall für den idealen Anführer auf dieser Mission. „Sportlich und menschlich“, meinte Kehl, „macht Marco den Unterschied.“

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