Marco Reus hebt das Spiel des BVB auf ein höheres Niveau. Die Kapitänsrolle hat den 29-Jährigen noch beflügelt. Sportdirektor Zorc nennt ihn ein Vorbild.

Dortmund

, 04.10.2018, 18:52 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Besondere seines Treffers in der Nachspielzeit wurde Marco Reus erst nach dem Duschen mitgeteilt, er selber hatte es gar nicht mitbekommen. Das Tor zum 3:0-Endstand war sein 17. in der Champions League, das hebt Borussia Dortmunds Kapitän auf eine Stufe mit dem ebenso treffsicheren Robert Lewandowski. Erfolgreicher als dieses Duo war in der Königsklasse niemand in der langen Historie der Borussia. Reus nahm das mit der gebotenen Demut zur Kenntnis. „Schön“ sei diese Statistik, meinte er, aber: „Morgen ist schon wieder ein neuer Tag. Es geht weiter.“

Beeindruckende Werte

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Für Reus, so scheint es, kann es gar nicht schnell genug weitergehen. Er nimmt alles mit: Möglichst jede Sekunde will er auf dem Platz stehen, möglichst alles aufsaugen nach dieser unendlichen Folge schwerer Verletzungen, die ihn immer wieder ausgebremst haben. Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League und Nationalmannschaft: Reus ist der Vielspieler in Reihen der Borussia. Er beendete nur die Partie gegen Nürnberg vorzeitig, ansonsten spielte er durch. Reus holt auf, was er wegen seiner diversen Blessuren verpasste.

Auch nach der letzten, einem Kreuzband-Anriss, der ihn acht Monate außer Gefecht setzte, kam er sofort stark zurück. So wie eigentlich immer. Seit seinem Comeback im Februar hat Reus saisonübergreifend in 24 Pflichtspielen auf dem Platz gestanden und war dabei an 20 Toren (13 Treffer, sieben Assists) direkt beteiligt. Seine Zahlen in dieser Saison: neun Pflichtspiele, sechs Tore, sechs Torvorbereitungen. Beeindruckende Werte. Spitzenwerte.

„Keiner, der in der Kabine lange Predigten hält“

Reus geht voran - mit bemerkenswertem Selbstverständnis, mit ungezügelter Spielfreude und einer Vollstrecker-Mentalität, die ihresgleichen sucht. Seine kleine Leistungsdelle, die sich in drei schwächeren direkt aufeinander folgenden Partien gegen Frankfurt, in Brügge und in Hoffenheim niederschlug, hat er hinter sich gelassen. Er ist der, zu dem alle aufschauen, er ist der, der alle mitreißt.

„Die jungen Spieler beobachten ihn genau, sie können viel von ihm lernen gerade im vorderen Bereich in Richtung Torabschluss, da ist er ein Vorbild“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. Genau aus diesem Grund machte der BVB ihn zum Kapitän. Und während Marcel Schmelzer mit der Bürde der Binde bisweilen zu kämpfen hatte, sie ihn auch zu lähmen schien, scheint das Amt den 29-jährigen Reus noch weiter zu beflügeln. „Er ist jetzt über einen längeren Zeitraum gesund, das freut uns und sieht man direkt an seinen Leistungen auf dem Platz“, sagt Zorc, „er ist keiner, der in der Kabine lange Predigten hält. Er geht auf dem Rasen voran.“

In den Dienst der Mannschaft gestellt

Reus fühlt sich pudelwohl in seiner Haut und in seiner Rolle. Er hat sich klaglos in den Dienst der Mannschaft gestellt, als einer gesucht wurde, der in vorderster Front agieren kann. Er blüht auf, seit dort entweder Maximilian Philipp oder Paco Alcacer eingesetzt werden und er selbst etwas zurückgezogener spielt. Trainer Lucien Favre, sein Förderer und Mentor, lässt seinem „Neuneinhalben“ dort viele Freiheiten. „Es ist kein Geheimnis, dass ich mich im Zentrum wohler fühle“, sagt Reus. Die Zahlen belegen auch dies. Als Erfahrener in der Riege junger, wilder Wirbler fühlt sich Reus wohl auch an seine eigenen Anfangszeiten erinnert. Er schwärmt von den Fähigkeiten seiner Nebenspieler, vom „guten Gefühl“ auf dem Platz, von den „Straßenfußballern“, die ihren Instinkt ausleben dürften. Wie sicher und erfolgversprechend der Kombinationsfluss in der Offensive schon ist, das verblüfft.

Reus‘ neue Lust hat auch viel mit dem Trainer zu tun, der bedingungslos hinter ihm steht. „Wir haben einen klaren Plan, wir wissen, was auf dem Platz zu tun ist“, sagt Reus, und mehr Kompliment für Lucien Favre geht kaum. Die Wiedervereinigung dieser beiden Fußball-Enthusiasten, die in Gladbach schon perfekt miteinander harmonierten, trägt die erhofften Früchte: Wie Dortmund nach dem erlösenden 1:0 gegen Monaco kombinierte, das weckte Erinnerungen an die Zeiten unter Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel, das beflügelt die Fantasien aller BVB-Sympathisanten.

„Dieses Spiel kriege ich jetzt auch noch hin“

Bleibt Reus gesund, wird mit Borussia Dortmund zu rechnen sein. Am Samstag wird der Kapitän wohl wieder in der Anfangsformation stehen, sollte Favre nicht energisch Einspruch erheben. „Sehr gut“ gehe es ihm, sagt Reus. „Dieses Spiel kriege ich vor der Länderspiel-Pause jetzt auch noch hin.“

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