Anfangs war Mahmoud Dahoud aus Lucien Favres Team nicht wegzudenken. So plötzlich, wie sein Stern aufging, so plötzlich sank sein Stellenwert wieder. Das hat vor allem taktische Gründe.

Dortmund

, 10.10.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den guten Zeiten, hat Mahmoud Dahoud kürzlich im Interview mit dieser Redaktion verraten, „da nimmst du alles locker. Da läuft alles wie von selbst.“ In schlechteren Phasen aber, da hätten ihm vor allem die Glücksmomente gefehlt. „Das war ein ekliges Gefühl, dann macht das ganze Leben keinen Spaß mehr.“

Dahoud gerät in Vergessenheit

Ganz so dramatische dürfte es sich momentan noch nicht anfühlen, doch der unumstrittene Stammspieler der ersten Saisonwochen hat seine Position im defensiven Mittelfeld wieder verloren. In dem Maße, in dem die Euphorie um Borussia Dortmunds spielerischen Aufschwung immer neue Nahrung erhielt, geriet Mahmoud Dahoud immer ein Stück mehr in Vergessenheit.

Dahoud war einer der Gewinner der ersten Wochen in der neuen BVB-Zeitrechnung. Favre hatte den 22-Jährigen schon in Gladbach unter seine Fittiche genommen und ihn zum Bundesliga-Profi geformt hatte. Jetzt schien den Mann mit dem feinen Füßchen diese Trainerlösung auch im schwarzgelben Trikot zu beflügeln.

Mahmoud Dahouds Probleme mit dem System - plötzlich Bankdrücker beim BVB

Mahmoud Dahoud blühte unter Lucien Favre zunächst auf. Seit dem Systemwechsel ist der 22-Jährige nur noch zweite Wahl. © imago

Dortmund spielte, Dahoud spielte – das war beileibe keine Selbstverständlichkeit im ersten Jahr nach seinem Wechsel aus Gladbach zum BVB. Dahoud fremdelte zunächst mit der neuen Umgebung, der größeren Erwartungsghaltung und der größeren Konkurrenz. Favre aber weckte seine Talente wieder.

Im 4-3-3 fühlte sich der Deutsch-Syrer wohl, mit seinem Tempo im Vorwärtsgang und mutigen Vertikalpässen machte er Dortmunds Aufbauspiel schnell. Auf der Acht spielte nicht Mario Götze, sondern Mahmoud Dahoud. Das galt für die ersten fünf Pflichtspiele. Dann kam der Auftakt in die Champions League in Brügge – und danach vor allem das Spiel in Hoffenheim, das arg an Dahouds Status kratzte.

Im 4-2-3-1 sind Dahouds Einsatzchancen gesunken

Dass Favre parallel das System umstellte, ist kein zufälliges Zusammentreffen. Seit dem Wechsel auf 4-2-3-1 sind Dahouds Einsatzchancen signifikant gesunken. Auf der Doppel-Sechs ist Axel Witsel zum unverzichtbaren Anführer herangewachsen, daneben tobt der Konkurrenzkampf um die eine freie Stelle im Aufbau. Und Favre favorisiert dort in aller Regel einen Spieler, der ihm als ideale Ergänzung zum filigranen Witsel körperliche Präsenz und Zerstörermentalität garantiert.

Mahmoud Dahouds Probleme mit dem System - plötzlich Bankdrücker beim BVB

Die liefert vor allem Thomas Delaney. Speziell im Vergleich zum Dänen fallen die Unterschiede in punkto Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit ins Auge. Delaney gewinnt 63 Prozent seiner Zweikämpfe, Dahoud nur 45. Eklatant zu sehen war das vor allem in Hoffenheim, als sich Dahoud mit zwei Textil-Fouls gegen die robusteren 1899-Mittelfeldspieler helfen musste und Glück hatte, dass er nicht Gelb-Rot sah.

Eine Rolle als Backup wird Dahoud nicht reichen

Da Dahoud nicht auf Länderspiel-Reisen weilt, bietet sich ihm in den zwei Wochen Pause die Chance, neu anzugreifen. Nur als Backup Axel Witsel die ein oder andere Erholungs-Pause zu verschaffen, dürfte dem ehrgeizigen Techniker nicht reichen.

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