Lukasz Piszczek: Viele Gründe für eine Vertragsverlängerung - aber auch einige wenige dagegen

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Lukasz Piszczek geht in seine zehnte Saison als Spieler des BVB. Eigentlich sollte danach Schluss sein, doch Piszczek würde gerne noch ein Jahr dranhängen. Die BVB-Verantwortlichen geben ihm Grund zur Hoffnung.

Dortmund

, 06.08.2019, 17:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mats Hummels hat direkt eine Idee, wen er in den Ring schicken würde. Als der BVB-Rückkehrer vor ein paar Wochen während der USA-Reise des BVB durch die Umkleidekabine der Seattle Seahawks schlendert und sowohl die Größe der Umkleideräume als auch die Kraftpakete bestaunt, die beim American Football so an der Tagesordnung sind, da fällt ihm nur einer ein, der es mit den Seahawks-Profis aufnehmen könnte. „Wir müssen Piszczu schicken, die alte Maschine, dann haben wir vielleicht eine Chance“, scherzt Hummels im Kreis der Kollegen.

Piszczek ist noch immer einer der fittesten Spieler beim BVB

Ausgerechnet Piszczu also, Lukasz Piszczek, guter Kumpel von Hummels, aber mit 34 Jahren der älteste Spieler im ganzen Kader von Borussia Dortmund. „Ich mag seinen Sarkasmus“, sagt der Pole angesprochen auf Hummels‘ Kandidatenwahl für ein Duell mit einer der aufgepumptem NFL-Kanten. „Und seine große Klappe mag ich auch.“

„Ich kann mir tatsächlich vorstellen, noch ein Jahr länger zu spielen. Aber das liegt ja nicht nur an mir.“
Lukasz Piszczek

Große Klappe hin, große Klappe her. Das mit der „Maschine“ ist von Hummels nicht so weit hergeholt. Piszczek ist trotz seines Alters noch immer einer der fittesten Spieler beim BVB – und er geht in seine zehnte Saison mit Borussia Dortmund. Piszczek ist auf der Rechtsverteidigerposition mittlerweile kein Platzhirsch mehr, er ist eher schon eine Institution.

Wenn es nach Piszczek geht, folgt auch noch eine elfte Spielzeit in Schwarz und Gelb. Sein Vertrag läuft im Sommer 2020 aus, aber wenn er es sich aussuchen dürfte, würde er ihn gerne noch einmal um ein Jahr verlängern. „Ich kann mir tatsächlich vorstellen, noch ein Jahr länger zu spielen. Aber das liegt ja nicht nur an mir, das muss ich mit den Verantwortlichen besprechen“, sagte er jüngst im Gespräch mit dieser Redkation.

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Die vergangene Saison habe ihm gezeigt, dass er noch mithalten könne. „Und es war eine gute Entscheidung, nicht mehr in der Nationalmannschaft zu spielen, um dem Körper ein paar mehr Pausen zu gönnen. Bis zur Verletzung habe ich mich in der vergangenen Saison sehr gut gefühlt, in der Rückrunde hatte ich dann leider Probleme mit dem Fuß. Das war bitter. Aber jetzt ist alles wieder gut.“

Ein paar Probleme sind unübersehbar

Am vergangenen Samstag hat Piszczek mal wieder gezeigt, dass er mit seiner Einschätzung grundsätzlich richtig liegt. Er kann noch mithalten. Und gegen den FC Bayern München im Supercup (2:0) spielte hinten rechts nicht der junge Achraf Hakimi, sondern eben mal wieder der erfahrene Piszczek. Es war sein 326. Pflichtspiel für Borussia Dortmund, 27.035 Pflichtspielminuten hat er nun in den Knochen. Ein paar Probleme waren gegen die Bayern freilich unübersehbar.

Lukasz Piszczek: Viele Gründe für eine Vertragsverlängerung - aber auch einige wenige dagegen

In Sachen Geschwindigkeit kann Lukasz Piszczek mit einem Spieler wie Kingsley Coman nicht mehr mithalten. Der Pole hat aber andere Stärken. © imago

Piszczek hat nicht mehr das Tempo vergangener Tage, was nicht groß verwundert, aber auch nicht besonders hilfreich ist, wenn der Gegenspieler Kingsley Coman heißt. Er hat auch nicht mehr den Zug nach vorne, den er früher mal hatte. Aber er ist noch immer ein wichtiger Stabilisator in der Viererkette, eine Konstante, auf die sich Lucien Favre verlassen kann. Piszczek ist ein Spieler, bei dem man als Trainer weiß, was man bekommt, wenn man ihn aufstellt: solide und ehrliche Arbeit, immer.

Zorc und Watzke machen Piszczek Hoffnung

Insofern überrascht es nicht wirklich, dass die Verantwortlichen des BVB Piszczek durchaus Hoffnungen auf eine Vertragsverlängerung machen. Michael Zorc sagte kürzlich im Gespräch mit dem „Kicker“, er habe Piszczeks Wunsch, noch ein Jahr dranhängen zu wollen, „wohlwollend“ zur Kenntnis genommen. „Lukasz ist ein fantastischer Spieler und ein fantastischer Mensch.“ Seinen Kontrakt in Dortmund um ein weiteres Jahr auszudehnen, sei „durchaus vorstellbar“, sagte Zorc.

Hans-Joachim Watzke äußert sich ähnlich, allerdings etwas zurückhaltender. „Michael Zorc wird sicherlich irgendwann mit ihm reden, aber dafür ist es jetzt noch viel zu früh“, sagt der BVB-Boss im Gespräch mit dieser Redaktion. „Lukasz weiß, was er an uns hat und wir wissen, was wir an Lukasz haben. Ein Jahr ist im Fußball ein langer Zeitraum, aber zu gegebener Zeit werden wir ganz sicher miteinander sprechen, das ist doch völlig klar.“

Piszczek hätte gerne so schnell wie möglich Klarheit

Piszczek wird sich also noch ein bisschen gedulden müssen, auch wenn er persönlich am liebsten schnell für klare Verhältnisse sorgen würde. Natürlich wünsche er sich so schnell wie möglich Klarheit, sagt der Vizekapitän des BVB, „das sorgt ja auch für Ruhe im Kopf“. Stress macht er sich allerdings keinen. „Der Klub und ich, wir haben so ein gutes Vertrauensverhältnis. Wir werden faire und gute Gespräche führen. Am Ende muss der Klub entscheiden, was er mir noch zutraut. Ich werde wie immer alles geben und dann sehen wir, wen ich damit alles noch überzeugen kann.“ Solide und ehrliche Arbeit halt.

Lukasz Piszczek: Viele Gründe für eine Vertragsverlängerung - aber auch einige wenige dagegen

Juli 2010: Das erste Foto von Lukasz PIszczek im BVB-Trikot - bei der Vorstellung der Neuzugänge vor der Saison 2010/2011 mit Jürgen Klopp, Mitchell Langerak, Robert Lewandowski und Michael Zorc. © imago

Entscheidend dürfte am Ende vor allem Piszczeks Gesundheit sein. Denn trotz seiner herausragenden Fitness ist seine Verletztenakte mit den Jahren dicker als Reiner Calmund geworden. In der Saison 2013/2014 verpasste er die Hinrunde wegen einer Hüftverletzung, 2014/15 fiel er wegen eines Anrisses der Syndesmose für mehr als zwei Monate aus. In der Spielzeit 2017/18 dann setzte ihn ein Außenbandanriss im Knie für fast drei Monate außer Gefecht – und in der vergangenen Rückrunde ließ eine Fußverletzung so gut wie keinen Fußball zu.

Gesundheit ist ein entscheidendes Kriterium

Eine weitere schwere Verletzung könnte Piszczeks Wunsch von einem weiteren Jahr beim BVB platzen lassen, das wissen die Verantwortlichen, das weiß Piszczek. Er sagt: „Die Gesundheit ist natürlich das Wichtigste, aber wenn sie stimmt, dann traue ich mir noch ein Jahr zu.“ In den Nahkampf mit American-Football-Spielern sollte man dann vermutlich nicht unbedingt gehen. Falls Mats Hummels mal wieder eine Idee hat…

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