Der BVB verpflichtet Julian Rijkhoff. © BVB/Jens Volke
Borussia Dortmund

Julian Rijkhoff unterschreibt beim BVB: „Ein Killer vor dem Tor“

Der BVB hat Julian Rijkhoff von Ajax Amsterdam langfristig unter Vertrag genommen. Das Sturmtalent ist zunächst für die U17 eingeplant – und kommt mit reichlich Vorschusslorbeeren.

Wer die Instagram-Clips von Julian Rijkhoff durchstöbert, empfindet fast Mitleid. Mal ist dort zu sehen, wie er seinen Kollegen während einer Trainingsübung Knoten in die Beine spielt; mal sind es Pflichtspielszenen, in denen er Gegenspieler narrt, ehe der formvollendete Torabschluss folgt – sein, so beschreibt es Rijkhoff selbst, liebstes Hobby, dem er von nun an im Trikot von Borussia Dortmund nachgeht.

Bereits am 18. Januar hatten die Ruhr Nachrichten darüber berichtet. Kürzlich unterschrieb der Niederländer, in der vergangenen Woche 16 Jahre alt geworden, einen Drei-Jahres-Vertrag. Seit längerem weilt er bereits in Dortmund, macht sich mit Stadt und Leuten bekannt und übt zudem im Kreise der U17. Dort soll sich der Neuzugang von Ajax Amsterdam akklimatisieren und entwickeln. In aller Ruhe, wie es der BVB für gewöhnlich handhabt.

BVB bestätigt Rijkhoff-Verpflichtung

„Wir freuen uns, Julian Rijkhoff für Borussia Dortmund gewonnen zu haben“, bestätigt Nachwuchschef Lars Ricken dieser Redaktion kurz und knapp. Mehr Aufhebens will der Klub nicht machen. Es hat ohnehin viel Öffentlichkeit erzeugt, als Rijkhoffs Wechselwunsch publik wurde. „De Telegraaf“ gelang dieser Aufschlag; die Zeitung berichtete von reichlich Unmut unter dem Ajax-Dach. Erneut misslang es schließlich, ein hauseigenes Sturm-Talent an den Klub zu binden.

Vor Rijkhoff hatten sich in den vergangenen Jahren Donyell Malen, Daishawn Redan und Dillon Hoogewerf für einen zeitigen Abschied entschieden. Alle gingen 16-jährig und ohne Profi-Einsatz beim Hauptstadtklub. „Das ist schon auffällig“, sagt Thijs Zwagerman, der sich im Dunstkreis der Ajax-Akademie aufhält und für die Webseite „Ajax Showtime“ über die Juniorenteams berichtet. „Auf anderen Positionen schaffen es Talente immer wieder zu den Profis, nicht aber im Angriff.“

BVB nimmt Ajax Amsterdam ein Top-Talent

Sicherlich seien viele Scouts rund um den Spitzenklub aus Amsterdam unterwegs, doch allzu oft werde den aufstrebenden Youngstern der Sprung in die erste Mannschaft auch verbaut, findet er – in dieser Winter-Transferperiode verpflichtete Ajax den Ex-Frankfurter Sebastian Haller für die Sturmmitte, hat außerdem den Altvorderen Dusan Tadic oder den Youngster Lassina Traore in der Hinterhand. Viel Konkurrenz also für einen wie Rijkhoff.

Zwar wurde dem intern hoch gehandelten Talent ein Profi-Vertrag vorgelegt. Der damals noch 15-Jährige, der vom ehemaligen Hertha-Profi Dick van Burik beraten wird, unterschrieb aber nicht. Seine persönliche Perspektive und die Ausrichtung der Juniorenarbeit sollen ihm missfallen haben; zudem war Ajax dem Vernehmen nach deutlich zu träge, um doch noch Einigung zu erzielen. Borussia Dortmund schlug in dieser Stillstand-Phase zu. In den Niederlanden zürnen sie deswegen.

BVB gewinnt in Julian Rijkhoff einen Torjäger

Denn Rijkhoff wird eben nicht als x-beliebiger Angreifer gesehen, sondern als Top-Talent, das den Unterschied bewirken kann. Zwagerman meint: „Er ist ein Killer vor dem Tor.“ Rijkhoff sei „sicher im Abschluss, technisch sehr gut. Er besitzt einen guten Speed und ist stark mit seinem rechten Fuß.“ In vier U17-Spielen bis zur Pandemie-bedingt gestoppten Saison brachte es der 1,83 Meter große Stürmer auf neun Tore. Für die niederländische U15 traf er siebenfach in fünf Partien.

Dabei täte man ihm Unrecht, würde er ausschließlich im Strafraum verortet werden. Rijkhoff wartet dort nicht einfach nur auf seine Gelegenheiten. „Er ist ein Spieler, der sich auf die rechte oder linke Seite fallen lassen kann, der Lücken sieht und sich Bälle abholt“, sagt Zwagerman – und kommt zu dem Schluss: „Rijkhoff hat viele sehr gute Anlagen.“ Die Borussia, ihrerseits für die sehr gute Jugendarbeit bekannt, sieht das offenbar ganz ähnlich.

BVB-Neuzugang Julian Rijkhoff hat klaren Plan vor Augen

Und so schnappten sich Ricken und Co. diesen Stürmer, den es damit zum ersten Mal ins Ausland zieht. Vom Vorortklub FC Purmerend wechselte Rijkhoff einst als siebenjähriger Junge zu Ajax, spielte dort meist mit älteren Kollegen – und bewohnt nun ein Zimmer im BVB-Jugendhaus. Wie der neue Bewohner so tickt? Als „sehr nett“, „höflich“ und ebenso „selbstbewusst“ wie „fokussiert“ wird Rijkhoff beschrieben. Er habe einen klaren Plan vor Augen.

Dass der Weg hin zum Profi längst nicht beschritten ist, sei ihm und seiner Familie darüber hinaus bewusst. „Step by step“ will Rijkhoff vollziehen. Um letztlich ganz oben anzukommen, bedarf es freilich noch einiges. Physisch kann er, der schon fleißig Deutsch paukt, gewiss zulegen; der rechte Fuß hat dem linken etwas voraus; im Kopfballspiel ist sicherlich Luft nach oben. Und das sind nur drei beispielhafte Inhalte, an denen der Teenager zu arbeiten hat.

BVB-Stürmer Erling Haaland ist ein Vorbild von Julian Rijkhoff

In einem Video des Amsterdamer Klubsenders sagt er: „Für mich muss jeder Ball, der in den Strafraum kommt, ein Tor sein.“ Seine Vorbilder seien Erling Haaland und Robert Lewandowski. Der Dortmunder Profi-Stürmer arbeite immer und überall, „er ist immer auf der Suche nach einem Tor“. Der Bayer und Weltfußballer sei hingegen technisch fein und „tödlich“ im Strafraum. „Das sind Qualitäten, die ich ebenfalls in mir habe“, meint Rijkhoff. Und: „Das kann ich auch.“

Gewisse Spurenelemente der angesprochenen Extra-Klasse sind in seinem Wirken in der Tat zu erkennen. Innerhalb der nächsten Monate und Jahre wird es jedoch darum gehen, nach und nach selbst zu einem respektablen Angreifer heranzuwachsen. Bis dahin ist viel Arbeit zu bewältigen. Kein Highlight-Video sollte darüber hinwegtäuschen.

Über den Autor
Volontär
Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
Zur Autorenseite
Leon Elspaß
Lesen Sie jetzt