Jürgen Klopp: Beeindruckende Worte und bislang unbekannte Anekdote über seine Zeit beim BVB

Welttrainer 2019

Jürgen Klopp ist Welttrainer des Jahres 2019. In einem ausführlichen Gastbeitrag im „The Players‘ Tribune“ nimmt er dazu Stellung und liefert erstaunliche Einblicke.

Dortmund

, 25.09.2019, 12:39 Uhr / Lesedauer: 3 min
Jürgen Klopp: Beeindruckende Worte und bislang unbekannte Anekdote über seine Zeit beim BVB

Jürgen Klopp bei der Ehrung zum Welttrainer 2019. © imago

„Ich fühle mich geehrt, aber ich möchte wirklich nicht alleine mit der Trophäe auf der Bühne stehen“, schreibt Jürgen Klopp an einer Stelle seines Gastbeitrags im „The Players‘ Tribune“. „Alles, was ich geleistet habe im Fußball, ist nur möglich wegen der Leute um mich herum. Nicht nur die Spieler, sondern auch meine Familie, meine Söhne und alle, die von Anfang an dabei waren, als ich noch eine sehr, sehr durchschnittliche Person war“.

Er ordnet seinen Erfolg auch demütig ein. „Lasst uns ehrlich sein“, schreibt Klopp. „Wir haben viel Glück gehabt. Es ist unsere Verantwortung als privilegierte Menschen, etwas zurückzugeben - den Kindern auf der Welt, die einfach nur eine Chance im Leben benötigen.“ Auch deshalb beteilige er sich an der Aktion „Common Goal“, bei der Profisportler 1% ihres Gehalts für gemeinnützige Zwecke spenden.

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„Wir sollten nicht vergessen, wie es ist, wirkliche Probleme zu haben. Diese Blase, in der wir leben, ist nicht die wirkliche Welt. Es tut mir leid, aber all das, was auf dem Spielfeld passiert, sind keine echten Probleme.“

Diese bedeutende Szene hat Jürgen Klopp gar nicht gesehen

Klopp liefert auch lustige Einblicke in seine Erfolgsgeschichte. So erzählt er zum Beispiel, wie er im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona den entscheidenden Treffer zum Final-Einzug des FC Liverpool verpasst hat. „Ich habe Trent Alexander-Arnolds Geniestreich komplett verpasst“, gesteht er und beschreibt anschließend den Moment:

Jürgen Klopp: Beeindruckende Worte und bislang unbekannte Anekdote über seine Zeit beim BVB

Jürgen Klopp feiert mit dem FC Liverpool den Einzug ins Champions-League-Finale. Die entscheidende Szene, den Treffer zum 4:1, hatte er jedoch verpasst. © imago


„Ich sah, wie der Ball zur Ecke ging. Ich sah Trent zur Ecke gehen, Ich sah, wie Shaqiri ihm folgt. Aber dann habe ich mich umgedreht, weil wir einen Wechsel vorbereiteten. Ich sprach gerade mit meinem Co-Trainer und dann - ich habe jedes Mal Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke - habe ich nur noch den Lärm gehört. Ich habe mich umgedreht und den Ball ins Tor fliegen sehen. [...] Könnt ihr euch das vorstellen? 18 Jahre als Trainer, Millionen Stunden habe ich das Spiel beobachtet, aber das verrückteste Ding, das dort je stattgefunden hat, habe ich verpasst.“

Vor einem BVB-Spiel in München hat Jürgen Klopp die Ansprache versemmelt

Eine weitere kuriose Anekdote stammt aus seiner Zeit beim BVB. Es geht um das Spiel der Borussia in München 2011 und seine Ansprache am Abend vor dem Spiel. „Ich lasse mich gerne von Filmen inspirieren“, schreibt Klopp. „Also habe ich immer, wenn ich die Jungs motivieren musste, direkt an Rocky Balboa gedacht. Wenn du diese Filme siehst und danach nicht gleich einen Berg erklimmen willst, stimmt mit dir etwas nicht.“

Am Abend vor dem Spiel habe Klopp also seine Mannschaft zur Sitzung versammelt, die er mit folgenden Worten eingeleitet hat: „Das letzte Mal, als Dortmund in München gewonnen hat, haben die meisten von euch noch Pampers getragen.“ Anschließend habe er einige Szenen aus Rocky IV gezeigt und Rockys Situation mit der seiner Mannschaft verglichen: Bayern München als der unbesiegbare Ivan Drago, Borussia Dortmund als der Underdog.

Klopp hat seine Mannschaft auf den Stühlen erwartet, aber so war es nicht

„Wir sind Rocky. Wir sind kleiner, ja! Aber wir haben Leidenschaft! Wir haben das Herz eines Champions! Wir können das Unmögliche schaffen!!!“ Klopp habe damit gerechnet, dass seine Mannschaft nach der Ansprache und den emotionalen Filmszenen auf den Stühlen steht.

Jürgen Klopp: Beeindruckende Worte und bislang unbekannte Anekdote über seine Zeit beim BVB

2011 siegte der BVB mit 3:1 in München: Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft. An den Abend vorher erinnert sich Jürgen Klopp aber noch besser, als an das Spiel selbst. © imago

„Aber alle haben da nur gesessen und mich mit leeren Augen angeschaut.“ Erst dann habe er darüber nachgedacht, wann Rocky IV in den Kinos ausgestrahlt worden ist - in den 1980er Jahren. Auf die Frage, wer Rocky Balboa überhaupt kenne, haben nur Sebastian Kehl und Patrick Owomoyela ihre Hand gehoben.

Bemerkenswertes Fazit von Jürgen Klopp

„Die komplette Rede - Schwachsinn!“, schreibt Klopp rückblickend. „Das wichtigste Spiel der Saison. Für einige Spieler vielleicht das wichtigste Spiel ihres Lebens. Und der Trainer redet zehn Minuten lang über Techniken aus der Sowjetunion und Training in Sibieren!“ Völlig skurril. Es musste also eine komplett neue Rede her.

Ob Klopp diese Ansprache nun tatsächlich 2011 vor dem 3:1-Auswärtssieg in München gehalten habe, wisse er selbst gar nicht mehr so genau. Und daraus zieht er einen bemerkenswerten Schluss: „Das ist eine Sache über Fußball, die die Leute nicht verstehen. Die Ergebnisse vergisst man, bringt sie durcheinander. Aber diese Jungs und diese Zeit meines Lebens und diese kleine Anekdoten ... das werde ich nie vergessen.“

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