Immobile, Merino und Co. - diese Spieler scheiterten beim BVB

Borussia Dortmund

Ciro Immobile krönt sich zum besten Torjäger Europas, Mikel Merino ist Stammkraft in Spanien. Beim BVB enttäuschten beide Spieler jedoch - und befinden sich in prominenter Gesellschaft.

Dortmund

, 04.08.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 4 min
Konnten die Erwartungen beim BVB nicht erfüllen (v.l.): Victor Ikpeba, Torsten Frings, Ciro Immobile.

Konnten die Erwartungen beim BVB nicht erfüllen (v.l.): Victor Ikpeba, Torsten Frings, Ciro Immobile. © dpa

Am vergangenen Samstag zeigte sich nicht zum ersten Mal, wie wenig vorhersehbar der Fußball doch ist. An diesem Abend sicherte sich Ciro Immobile zum dritten Mal den Titel des Torschützenkönigs in der Serie A und ist nun auch in Dortmund wieder in aller Munde. Besonders bemerkenswert ist die Leistung des italienischen Stürmers, wenn man auf seine Bilanz beim BVB schaut.

Grund genug, um einen Blick auf 09 Spieler zu werfen, die im schwarzgelben Trikot kaum ein Bein auf den Boden brachten, bei anderen Klubs allerdings Maßstäbe setzten:


01.) Ciro Immobile traf in 24 Spielen in der Bundesliga nur drei Mal für Borussia Dortmund, nach nur einem Jahr war er wieder weg. Der heute 30-Jährige ist das Paradebeispiel schlechthin dafür, dass man sich wohl fühlen muss, um gute Leistungen zu bringen. Der Running Gag, dass er damals von seinen Mitspielern nicht oft genug zum Essen eingeladen wurde und sich daher nie heimisch fühlte, hält sich bis heute. Als er 2014 an der Strobelallee aufschlug, hatte er zuvor für den FC Turin 22 Tore in 33 Spielen erzielt - der Bestwert in Italien.

Fühlte sich in Dortmund nie richtig wohl: Ciro Immobile.

Fühlte sich in Dortmund nie richtig wohl: Ciro Immobile. © dpa

In der letzten Saison unter Jürgen Klopp, die alles andere als rund lief, konnte Immobile an solche Werte kaum anknüpfen. Nun markiert er seine Treffer für Lazio, sicherte sich in der abgelaufenen Saison den Goldenen Schuh als bester Torjäger Europas und egalisierte mit 36 Toren den ewigen Rekord von Gonzalo Higuain in der Serie A. Die Fans der Römer nennen ihn „King Ciro“, kein Wunder bei solchen Zahlen.


02.) Welt- und Europameister wurde er, er war einer der besten deutschen Spieler seiner Generation: Thomas Häßler. Der Dribbelkünstler mit den genialen Freistößen und dem feinen Fuß sorgte einst dafür, dass die Nationalmannschaft sich überhaupt für die WM 1990 qualifizierte. Sein Treffer gegen Wales ebnete dem DFB-Team den Weg nach Italien. Dorthin verschlug es „Icke“ dann auch, erst zu Juventus und dann zur AS Rom. Später brillierte er im Trikot des Karlsruher SC und des TSV 1860 München.

Erlebte beim BVB enttäuschende Monate: Thomas Häßler.

Erlebte beim BVB enttäuschende Monate: Thomas Häßler. © dpa

Dazwischen lag ein Jahr bei Borussia Dortmund, das er am liebsten vergessen würde. In der Saison 1998/99 wollte der BVB nach einem zehnten Platz wieder angreifen, Häßler war als wichtiges Puzzleteil eingeplant. Trainer Michael Skibbe setzte aber auf andere Akteure - in 18 Partien erzielte der Spielmacher nur zwei Tore. Die Erleichterung war spürbar, als sich in den Münchner Löwen ein dankbarer Abnehmer fand.


03.) Nicht ganz so leicht wurden die Dortmunder Bosse Victor Ikpeba wieder los. Die sechs Millionen Euro Ablöse klingen heute wie ein Schnäppchen, im Sommer 1999 waren die Erwartungen an den Nigerianer allerdings groß. Beim AS Monaco hatte er sich unter Trainer-Llegende Arsene Wenger zu einem absoluten Topspieler gemausert, wurde französischer Meister 1997 und im gleichen Jahr als Afrikas Fußballer des Jahres ausgezeichnet.

Victor Ikpeba erzielte für den BVB lediglich drei Tore in 30 Partien.

Victor Ikpeba erzielte für den BVB lediglich drei Tore in 30 Partien. © dpa

Doch seine Zeit im Ruhrpott stand unter keinen guten Stern. Seine Frau Veronica starb im März 2000 an den Folgen einer Brustkrebserkrankung. Nach zwei Jahren mit nur drei Treffern in 30 Spielen verließ er den BVB schließlich in Richtung Betis Sevilla.


04.) Nach Spanien zog es auch Alexander Isak, mit einer Zwischenstation in den Niederlanden. Bei Willem II Tilburg platzte der Knoten beim jungen Schweden so richtig, nachdem es in Dortmund nie so wirklich funktioniert hatte. Mit dem Rucksack von 8,6 Millionen Euro als Ablösesumme für einen Jugendspieler und noch dazu als neuer Zlatan Ibrahimovic tituliert, konnte er die wenigen Chancen nicht nutzen.

Kam beim BVB fast nur in der U23 zum Einsatz: Alexander Isak (l.).

Kam beim BVB fast nur in der U23 zum Einsatz: Alexander Isak (l.). © dpa

Für die Profis gelang ihm nur ein Pflichtspieltor, das war im DFB-Pokal. In der Eredivisie traf er dann 13 Mal in 16 Spielen der Rückrunde 2018/19. Das reichte, um die Verantwortlichen von Real Sociedad von seinem Können zu überzeugen. In seiner ersten Saison in San Sebastian standen am Ende neun Tore in 37 Partien zu Buche.


05.) Im gleichen Verein wie Isak kickt auch Mikel Merino. Aus der zweiten spanischen Liga ging es für ihn 2016 nach Dortmund. Im defensiven Mittelfeld sollte der Linksfuß für mehr Struktur sorgen, die Möglichkeit dazu bekam er aber nie wirklich. Der U19-Europameister 2015 brachte es nur auf acht Einsätze in der Bundesliga und verabschiedete sich nach nur einer Saison zu Newcastle United.

Der Durchbruch gelang Mikel Merino erst nach seiner Zeit beim BVB.

Der Durchbruch gelang Mikel Merino erst nach seiner Zeit beim BVB. © dpa

Ein Jahr später ging es wieder in die Heimat. Dort ist er unumstrittene Stammkraft und verlängerte seinen Vertrag bei Real Sociedad unlängst bis 2025. „Ich fühle mich zuhause“, sagte Merino, dessen Marktwert aktuell auf 35 Millionen Euro geschätzt wird.


06.) Solche Summen wurden für Torsten Frings nie auf den Tisch gelegt, auch wenn er zu seiner Hoch-Zeit zu den besten Mittelfeldspielern der Bundesliga zählte. Sein Fehlen im WM-Halbfinale 2006 gilt noch immer als ein Schlüssel für die in Dortmund erlittene Niederlage gegen Italien. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine zwei Jahre im BVB-Trikot schon hinter sich.

Zeigte beim BVB durchschnittliche Leistungen: Torsten Frings.

Zeigte beim BVB durchschnittliche Leistungen: Torsten Frings. © dpa

Seine Leistungen waren zwar solide, aber bei weitem nicht mit denen zu vergleichen, die man von seinen Auftritten für Werder Bremen kannte. Es zog ihn weiter zu den Bayern, wo er allerdings auch nur eine Saison verbrachte. Wohl fühlte er sich so richtig nur an der Weser, absolvierte 326 Bundesliga-Spiele für Werder und wurde so zur grün-weißen Legende.


07.) Fast zu einer Schalker Legende hätte sich 2001 Sergej Barbarez gemacht. Im letzten Spiel der Saison traf er für den Hamburger SV gegen Bayern München zur späten 1:0-Führung - der S04 stand kurz vor dem Titelgewinn. Aber die berühmte Vier-Minuten-Meisterschaft wurde zum bittersten Moment in der Historie des Dortmunder Erzrivalen.

Seine Zeit in Dortmund wollte Sergej Barbarez schnell vergessen.

Seine Zeit in Dortmund wollte Sergej Barbarez schnell vergessen. © dpa

Seine Zeit in Dortmund hatte Barbarez schnell vergessen, als er in der Hansestadt anheuerte. Von Hansa Rostock gekommen, sollte er in der Offensive für neue Impulse sorgen, aber er wurde zu einem der vielen Fehleinkäufe gegen Ende der 90er-Jahre. Die spärliche Bilanz von sechs Treffern in 36 Spielen sorgte für seinen Abschied. Beim HSV schoss er sich mit 65 Toren auf Platz fünf der ewigen Bestenliste in der Bundesliga.


08.) Als Leistungsträger von Ajax Amsterdam unterschrieb Steven Pienaar 2006 beim BVB. Er sollte die Nachfolge von Tomas Rosicky antreten, kein leichtes Unterfangen. Schnell war klar, dass dies eine zu hohe Hürde werden würde. Kein einziger Treffer bei 25 Einsätzen in der Bundesliga, das war deutlich zu wenig. Zwar war der Südafrikaner eher der Typ Spielgestalter, aber die an die Brillanz seines Vorgängers konnte er zu keinem Zeitpunkt anknüpfen.

Sollte beim BVB Tomas Rosicky ersetzen: Steven Pienaar (l.).

Sollte beim BVB Tomas Rosicky ersetzen: Steven Pienaar (l.). © dpa

Es folgten acht Jahre im Trikot des FC Everton, unterbrochen von einem Intermezzo bei den Tottenham Hotspur. Die Saison in London würde er wahrscheinlich ebenso gerne aus seiner sportlichen Vita streichen wie die in Dortmund. Bei den „Toffees“ gehörte er nämlich schnell wieder zum Stammpersonal.


09.) Als Schnäppchen und mit viel Vorfreude wurde Matthew Amoah in der Winterpause 2005/06 als Neuzugang präsentiert. Immerhin 61 Tore hatte er in 174 Begegnungen für den niederländischen Traditionsverein Vitesse Arnheim erzielt. Auch auf Empfehlung des damaligen BVB-Trainers Bert van Marwijk war er verpflichtet worden, aber der Holländer lag mit seiner Einschätzung komplett daneben.

Treffsicher, aber nicht in seiner Zeit beim BVB: Matthew Amoah.

Treffsicher, aber nicht in seiner Zeit beim BVB: Matthew Amoah. © dpa

Der Ghanaer brachte es fertig, in zwei Spielzeiten und nur 17 Partien ohne einen einzigen Treffer zu bleiben. Als er dann wieder in der Eredivise unterwegs war, knipste er wie eh und je, was 42 Tore in 101 Spielen für NAC Breda unter Beweis stellen.

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