BVB-Kapitän Marco Reus (2.v.l.) verzichtet auf die EM, Abwehrchef Mats Hummels (3.v.l.) wird für das DFB-Team dabei sein. © imago images/Laci Perenyi
Meinung

Hummels feiert DFB-Comeback, BVB-Kapitän Reus verzichtet – das verdient Respekt

BVB-Kapitän Marco Reus verzichtet auf eine EM-Teilnahme. Seine Entscheidung verdient Respekt. Dafür feiert Mats Hummels sein DFB-Comeback – der Bundestrainer handelt richtig. Ein Kommentar.

Joachim Löw holt Mats Hummels in die Nationalmannschaft zurück. So wird es der Bundestrainer am Mittwoch verkünden. Dass der Abwehrchef des BVB zum EM-Kader des DFB zählen wird, ist eine Entscheidung, die Sinn macht. Die Entscheidung von Marco Reus, auf die EM zu verzichten, verdient Respekt.

BVB-Kapitän Reus verzichtet auf EM – Hummels kehrt ins DFB-Team zurück

Lange hat Joachim Löw experimentiert, nach dem WM-Debakel 2018 am Neuaufbau des DFB-Teams gebastelt. Neue defensive Stabilität aber hat der Bundestrainer seitdem nicht gefunden. Im Gegenteil. Selten bis nie war die Nationalelf so anfällig wie zuletzt. Am Ende erkannte auch Löw, dass die EM-Mission deutlich mehr Erfolg verspricht, wenn er neben Thomas Müller eine weitere ausgebootete Führungskraft zurückholt: Mats Hummels. Der Abwehrchef des BVB ist zwar 32 Jahre alt und gewiss nicht mehr der flinkste Verteidiger. Aber es geht ja gerade nicht um Jung oder Alt, nicht um den langfristigen Neuaufbau einer Nationalelf, sondern einzig um die optimale Besetzung eines jetzt funktionierenden Turnierkaders – also ist die Nominierung von Hummels, die am Abend vor der offiziellen Kaderbekanntgabe zuerst via „Sport1“ durchsickerte, nur richtig. Denn einen besseren deutschen Innenverteidiger und Abwehr-Organisator als ihn gibt es derzeit nicht. Das hat die gesamte Bundesliga-Saison der Borussia gezeigt. Trotz aller Schwankungen des Teams: Mats Hummels war die verlässliche Konstante im BVB-Gerüst. Eine Säule des Pokalsiegers. Die Zweikampf- und Kopfballstärke des 2014er Weltmeisters, seine Fähigkeiten in der Spieleröffnung, seine Torgefahr bei Standards – alles spricht für den Routinier.

Und die jüngsten Spiele der Nationalelf wie das blamable 1:2 gegen Nordmazedonien oder die 0:6-Demütigung durch die Spanier haben allen deutschen Fans quälend vor Augen geführt, woran es vor allem mangelt: An defensiver Stabilität und der erfahrenen, ordnenden Hand in der Abwehrkette.

BVB-Abwehrchef Mats Hummels verstärkt die Defensive des DFB-Teams

Löw kennt die Qualitäten, die Hummels einzubringen weiß. Dass er jetzt über seinen Schatten springt, die Ausbootung des Dortmunders rückgängig macht und damit einen Fehler eingesteht, spricht für den Bundestrainer. Löw weiß: Will er wirklich im Sommer 25 Jahre nach dem Titelgewinn 1996 endlich wieder die Europameisterschaft für den DFB gewinnen und sich damit einen goldenen Abschied bescheren, dann erhöht Mats Hummels‘ Mitwirken die Chancen erheblich.

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Auch ein weiterer BVB-Profi hätte dem Nationalteam zusätzlich Stärke verliehen. Doch der zuletzt in exzellenter Form aufspielende Marco Reus erklärte am Dienstagabend seinen Verzicht auf eine EM-Teilnahme. So schwer Reus die Entscheidung auch fiel, vor allem, weil er schon früher große Turniere wie die EM 2016 oder die WM 2014 verletzungsbedingt verpasst hatte. Sie beweist, dass Reus gereift ist. Denn die Lust auf einen Sommer im DFB-Trikot und einen möglichen großen Titel war nicht stärker als die Sorge um die Anfälligkeit des eigenen Körpers. Der Borussen-Kapitän wurde schon häufig durch teils schwere Verletzungen aus der Bahn geworfen. Gerade erst hat Reus sich mühsam nach einem monatelangen Ausfall zur Topform zurückgearbeitet. Der 32-jährige Routinier weiß: Pausiert er im Sommer und gönnt seinem Körper nach dieser intensiven Saison die dringend benötigte Erholung, mindert es das Risiko einer neuerlichen Verletzung deutlich. Reus zeigt durch seine Entscheidung, dass der BVB in seiner Prioritätenliste ganz oben steht. Respekt für diesen konsequenten Verzicht, denn er könnte das plötzliche Ende von Reus‘ Karriere im Nationalteam bedeuten.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp
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