Hansi Küpper über Lucien Favre: „Man kannte seine Stärken und Schwächen“

dzBorussia Dortmund

Nach dem Frankfurt-Auftritt flammt beim BVB die Trainer-Diskussion erneut auf. Martin Kree zieht beim RN-BVB-Podcast den Vergleich mit einem Altmeister. Und Hansi Küpper äußert sich deutlich.

Dortmund

, 25.09.2019, 18:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vielleicht tut dieser Blick zurück ja ganz gut, vielleicht ist er dazu geeignet, aus der nun schon wieder aufkeimenden Diskussion die Schärfe zu nehmen. Als einer der erfolgreichsten Trainer in der Vereinsgeschichte von Borussia Dortmund firmiert zu Recht Ottmar Hitzfeld. Gentleman-Trainer hat man ihn genannt, oft mit langem Mantel an der Linie, aber dort niemals ein Rumpelstilzchen.

Mit dem nach außen immer ruhigen Hitzfeld feierte der BVB seinen bislang bedeutendsten Erfolg, den Gewinn der Champions League im Jahr 1997. Ein Lautsprecher war der Mann aus Lörrach nie, ähnlich wie nun Lucien Favre. Ein Hinderungsgrund für Erfolg war das nicht.

„Damals waren die Hierarchien klarer“

Ist das heute anders? Braucht ein Verein an der Linie einen Einpeitscher, der den zu Lethargie und Lässigkeit neigenden Profis Beine macht, wenn es die Situation erfordert?

Martin Kree, im 97er-Finale von München in der Dortmunder Startelf, sieht einen deutlichen Wandel der Spielergeneration. „Damals“, sagt der heute als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender beim VfL Bochum tätige ehemalige BVB-Manndecker, „waren die Hierarchien klarer“. Der Trainer genoss gerade bei den Jüngeren großen Respekt, die erfahreneren Spieler hätten es auf dem Platz leichter gehabt, die Talente zu führen. „Das ist heute viel schwieriger, weil die jüngeren Spieler sehr schnell gehypt werden.“

Hansi Küpper über Lucien Favre: „Man kannte seine Stärken und Schwächen“

Hansi Küpper (l.) und Martin Kree (2.v.r) waren im BVB-Podcast bei Moderatir Sascha Staat und RN-Redakteur Jürgen Koers zu Gast. © Klaverkamp

Kree erzählt schmunzelnd die Anekdote, wie Mitspieler wie „Ata“ Lamek beim Torschusstraining den Ball übers Tor und die Fangzäune droschen und dann zu ihm meinten: „Hol du mal den Ball zurück!“ Das sei heute undenkbar.

Martin Kree sieht Parallelen zwischen Hitzfeld und Favre

„Ottmar“, sagt Kree über Hitzfeld, „war Lucien Favre gar nicht so unähnlich.“ Ein Meister der Taktik, der an der Linie nie die Contenance verlor. Auch das eint ihn mit dem aktuellen BVB-Coach. Um den Spielern mal ordentlich den Marsch zu blasen, dafür hatte Hitzfeld seinen Co-Trainer Michael Henke. Und auf dem Platz Matthias Sammer. Als verlängerter Arm von Hitzfeld genoss der „Motzki“ viele Freiheiten – auch die, eigenmächtig mal die Taktik zu ändern, wie Kree verrät.

Hansi Küpper über Lucien Favre: „Man kannte seine Stärken und Schwächen“

Matthias Sammer übernahm für Hitzfeld das Einpeitschen auf dem Platz, so Martin Kree. © imago images/Sportfoto Rudel

Die aufkeimende Diskussion um das Coaching von Favre an der Seitenlinie hält Kree für überzogen. „Es fehlt allgemein die Geduld mit den Trainern, es wird sehr schnell geurteilt. Und dabei gibt es nur Schwarz oder Weiß. Hätte Favre aktuell zwei oder drei Punkte mehr, würden alle loben, wie ruhig er an der Linie bleibt. Jetzt wird er dafür kritisiert, dabei ist er derselbe Trainer.“

Hansi Küpper hält Vergleiche von Favre und Klopp für nicht gerecht

Ein großes Problem für Favre seien die großen Erfolge von Jürgen Klopp, findet der Sportjournalist Hansi Küpper (Sky). „Er selbst hat sich sehr schnell vom BVB lösen können, der BVB aber nicht von ihm. Die ständigen Vergleiche mit der erfolgreichen Zeit unter Klopp kommen immer wieder, sie lassen sich kaum verhindern. Aber sie werden Favre nicht gerecht.“

„Man sollte nicht vergessen, dass es Favre gelungen ist, eine verunsicherte Mannschaft sehr schnell zu stabilisieren.“
Hansi Küpper über Lucien Favre

Auch Küpper mahnt einen analytischen Blick auf Lucien Favre an. „Man kannte seine Stärken und Schwächen. Man sollte nicht vergessen, dass es Favre gelungen ist, eine verunsicherte Mannschaft sehr schnell zu stabilisieren“, findet der Kommentator. „Der BVB hatte sich in der Champions League blamiert, durfte mit zwei mickrigen Punkten dann aber noch in der Europa League weiterspielen, um sich dort in Salzburg noch mehr zu blamieren. Und als Vierter haben sie überaus peinlich irgendwie noch die Qualifikation für die Champions League geschafft. Nach dieser unwürdigen Saison für Borussia Dortmund hat Favre es sehr schnell geschafft, Ruhe in den Klub und den Erfolg zurückzubringen.“

Siege gegen die aufkommenden Diskussionen

Doch der Ruhm für die zweitbeste Saison der Vereinsgeschichte entfaltete sich angesichts der verpassten Meisterschaft erst gar nicht. „Die Bewertung von Leistungen“, sagt auch Kree, „findet heutzutage fast ausschließlich über die Resultate statt.“ Siege könnten die Diskussionen am ehesten im Keim ersticken.

Küpper sieht die Borussia und ihren in Fankreisen zunehmend kritisch betrachteten Trainer „in einer spannenden Situation. Er muss nach dem 2:2 in Frankfurt und der heftigen Diskussion über fehlende Mentalität nun Emotionalität in die Mannschaft reinbringen. Aber man weiß, dass das nicht zu seinen Stärken gehört.“

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