Haaland hat den BVB im Sturm erobert - ist er bereit fürs Mammutprogramm?

dzBorussia Dortmund

Erling Haaland hat den BVB im Sturm erobert. Seine Torquote ist phänomenal. In den nächsten Monaten hängt viel von ihm ab. Packt er das?

Dortmund

, 02.08.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Über den Sommer hat Borussia Dortmund einige Geräte aus dem Fitnesspark im Trakt der Profis aussortiert. Erster Interessent für die ausrangierten Gegenstände? Erling Haaland. Der oberfleißige BVB-Torjäger möchte sein privates Studio weiter ausbauen. Nichts dem Zufall überlassen, keine (legale) Kleinigkeit zur Leistungssteigerung unversucht lassen: Nachdem er bereits sein erstes Halbjahr in Dortmund mit einer fabelhaften Torquote und einem immensen Aufschlag in der Bundesliga beendet hat, startet der 20-jährige Norweger fit und hochmotiviert in die Vorbereitung auf seine erste vollständige Saison in Deutschland. Es wird, soviel ist sicher, viel auf ihn ankommen beim BVB in den nächsten Monaten.

BVB gelingt mit Haaland-Transfer ein echter Coup

Rückblick: Erling Haaland, dessen Transfer nach Dortmund im vergangenen Winter ein echter Coup von Sportdirektor Michael Zorc war, kam angeschlagen bei seinem neuen Klub an, stieg erst im Laufe des Winter-Trainingslagers in Marbella ins Geschehen ein und feierte dann einen Einstand nach Maß: drei Tore als Joker beim ersten Einsatz in Augsburg, zwei Treffer beim nächsten Kurzbesuch auf dem Rasen gegen Köln, Rekordquoten: Im Nu schoss sich Haaland in die Herzen der Fans, die neutralen Beobachter staunten und die Gegner lernten, ihn zu fürchten. Haaland, der Heiland.

Jetzt lesen

Bei 15 Einsätzen in der Bundesliga markierte der Mittelstürmer 13 Tore und legte drei weitere Treffer auf. Verblüffend: Für seine Ausbeute zielte er selber nur 34 Mal aufs Tor, jeder dritte Versuch zappelte im Netz. Das ist eine herausragende Statistik. Mit fünf Chancen pro Treffer (84 Tore bei 447 Versuchen) ist der BVB einsame Spitze in der Liga, Haaland toppt die Chancenverwertung nochmal deutlich.

Haaland und Can impfen dem BVB mehr Siegeswillen ein

Seine flapsige Antwort auf die Komplimente und Glückwünsche von Sportdirektor Zorc nach dem Traumdebüt in Augsburg: „Dafür habt ihr mich doch geholt!“ Mehrere denkwürdige (TV-)Interviews später wissen alle, dass dieser Erling Braut Haaland eine ganz besondere Type ist. Dem Klub kann das nur gut tun.

Haaland hat den BVB im Sturm erobert - ist er bereit fürs Mammutprogramm?

Haaland mit seiner nimmersatten Arbeitseinstellung hat zusammen mit dem widerspenstigen Emre Can dazu beigetragen, der Dortmunder Elf mehr Siegeswillen einzuimpfen. Wenn schon ein 20-jähriger Newcomer mit einem dermaßen unerschütterlichem Selbstbewusstsein vorangeht, zieht das andere mit. Der BVB braucht Haalands Tore. Und er braucht seine Gier.

Haaland steckt sich beim BVB selbst die höchsten Ziele

Der Stürmer steckt sich selbst die höchsten Ziele, spricht unumwunden davon, Deutscher Meister werden zu wollen. Und er selbst weiß auch, dass er sein Spiel noch verbessern kann. Es gibt ja, bei aller zulässigen Begeisterung für seine Dynamik und Wucht, für die Schnelligkeit und Kaltschnäuzigkeit, noch viel Potenzial bei Haaland. Sein Spielverständnis muss das Trainerteam noch optimieren, auch die 1,94 Meter Körperlänge nutzt er für sein Kopfballspiel noch nicht annähernd aus, sein Passspiel (nur 72 Prozent Erfolgsquote) ist bislang das schwächste beim BVB und muss feinjustiert werden.

Bislang, und das ist bei dem hohen Leistungsniveau, das bei Borussia Dortmund in Bundesliga und Champions League verlangt wird eine absolute Ausnahme, hat sich Haaland bei jeder neuen Herausforderung gesteigert und sie bewältigt. Manchmal mit einer scheinbaren Leichtigkeit, dass selbst nüchterne Analysten davon schwärmen und darüber philosophieren, wo denn die natürlichen Grenzen bei Haaland liegen. Erreicht haben dürfte der baumlange Skandinavier diese Endzone noch lange nicht, und er bringt allen Ehrgeiz dafür mit, diese Grenze weiter zu verschieben. Für den BVB ist das ein großartiger Befund. Für die Gegner weniger.

Michael Zorc sieht keinen BVB-Handlungsbedarf in der Offensive

In Probleme geraten könnten die bislang so fruchtbare Kombination zwischen Haaland und Dortmund durch den in der vordersten Angriffslinie dünn besetzten Kader und die anstehende Terminhatz. Es gibt keinen adäquaten Mittelstürmerersatz, die sportliche Leitung des Klubs sieht auch keinen Handlungsbedarf, solange Jadon Sancho den Klub nicht noch verlassen sollte. „Wir glauben, dass wir eine gute Kadergröße haben“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. „Wir haben zum Teil auch das System umgestellt, so dass auch andere Spieler als Erling Haaland in der Spitze agieren können. Wir sehen uns da durchaus okay aufgestellt.“ Im vergangenen Sommer sei die Situation eine andere gewesen, weil der einzige nominelle Stürmer, Paco Alcacer, mit einer großen Verletzungsanfälligkeit zu kämpfen hatte. Das ist bei Haaland nicht gegeben, obschon auch der norwegische Nationalspieler immer mal wieder mit Blessuren zu kämpfen hat.

Apropos Nationalspieler: Auf Haaland kommt neben den vielen, vielen Englischen Wochen mit dem BVB auch noch das Programm mit der Landesauswahl zu. Die Norweger möchten sich noch für die Europameisterschaft im Sommer 2021 qualifizieren, die Playoffs gegen Serbien und sechs Partien in der Nations League stehen alleine bis zum Jahreswechsel an.

Haalands Siegeszug beim BVB soll unter Volldampf weiterfahren

Nur gut, dass Haaland sich auch ohne Aufforderung intensiv um seine Fitness kümmert. Er muss sich in die bestmögliche Verfassung bringen. Dann dürfte sein Siegeszug unter Volldampf weiterfahren.

Lesen Sie jetzt