Gladbachs Jonas Hofmann will den Sieg über seinen Ex-Klub Borussia Dortmund „vergolden“, indem seine Fohlen den BVB aus dem Wettbewerb kegeln. © imago images/Jan Huebner
Exklusiv-Interview

Gladbach-Profi Hofmann: „Roses Wechsel zum BVB beeinflusst unsere Leistung nicht“

Ex-BVB-Profi Jonas Hofmann reifte in Mönchengladbach zum Nationalspieler. Vor dem brisanten Pokal-Duell verteidigt er Trainer Marco Rose und spricht über Hass in den sozialen Netzwerken.

Im BVB-Trikot feierte Jonas Hofmann einst sein Profi-Debüt, mittlerweile zählt der 28-Jährige zu den Eckpfeilern der Gladbacher Borussia. Vor dem Pokal-Viertelfinale gegen seinen Ex-Verein Borussia Dortmund (Dienstag, 20.45 Uhr, live in der ARD) spricht der Mittelfeldspieler über seine Zeit bei den Schwarzgelben, Selbstvertrauen, Hass und Trainer Marco Rose.

Herr Hofmann, Sie haben in 17 Bundesliga-Einsätzen schon 14 Scorerpunkte gesammelt und sind in dieser Saison Nationalspieler geworden. Warum läuft es so gut bei Ihnen?

Gute Frage. Ich denke, dass wir als Mannschaft ordentlich in die Saison gestartet sind. Wir hatten immer wieder gute Phasen, aber auch solche, in denen es nicht so gut lief. Das merken wir jetzt gerade wieder. Mit Blick auf die Punkte ist es nicht das, was wir uns vorstellen. Aber persönlich, ich weiß nicht. Ich bin einfach in den richtigen Momenten dagewesen. Ich habe drei Elfmetertore geschossen und habe Tore durch die eine oder andere Standardsituation vorbereitet. Es freut mich, dass es bis jetzt so gut lief. Wichtig ist, dass es weiter so läuft, aber vor allem, dass wir als Mannschaft auch wieder Spiele gewinnen.

Vier eigene Tore bejubelte Jonas Hofmann in dieser Bundesliga-Saison schon. Außerdem bereitete er neun weitere Treffer vor. © imago images/Revierfoto © imago images/Revierfoto

Bei Standardtreffern fällt mir direkt der 4:2-Bundesliga-Sieg von Gladbach gegen den BVB ein. Drei Tore für die Fohlen fielen nach Standards. Es war Ihr erster Sieg gegen Ihren Ex-Klub. Wie viel Rückenwind gibt das Ihrer Mannschaft für das Viertelfinale im Pokal?

Aus dem Sieg ziehen wir schon einiges raus. Er hat uns gezeigt, dass wir gegen Dortmund gewinnen können. Das war in den vergangenen Jahren schließlich selten der Fall. Das allein sollte uns Selbstvertrauen geben. Es wäre schön, wenn wir den Sieg, den wir vor fünf Wochen eingefahren haben, am Dienstag mit einem weiteren Sieg vergolden würden. In Pokalspielen ist aber generell eine gewisse Brisanz drin. Dass man früher oder später auf große Mannschaften trifft, bringt der Wettbewerb mit sich. Jetzt ist es auch noch das Borussen-Duell. Wir erhoffen uns trotzdem viel. Natürlich erhöhen sich die Chancen, wenn Bayern in einem Wettbewerb nicht mehr dabei ist. Vereine wie wir, Dortmund, Leipzig und Wolfsburg schnuppern in diesem Jahr am Pokal und wollen das Ding alle gewinnen. Vom Halbfinale ist es nicht mehr weit bis Berlin. Dort zu spielen, wäre schon ein Träumchen.

Phasenweise lieferten sich Mönchengladbach und Borussia Dortmund in der Begegnung im Januar einen Schlagabtausch mit offenem Visier. Kann man am Dienstag ähnliches erwarten?

Ich glaube schon. Ich denke, dass die Dortmunder durch die Ergebnisse zuletzt wieder einen kleinen Aufwind haben. Das war zu dem Zeitpunkt, als wir gegen sie gespielt haben, nicht der Fall. Es wird natürlich ein brisantes Duell, das ähnlich ablaufen wird wie vor fünf Wochen. Beide Mannschaften werden den Ball haben und offensiv spielen wollen. Ich denke aber, dass einiges vor den Toren passieren wird. Vor unserem aber hoffentlich nicht so viel (lacht). Für die Zuschauer zu Hause war es mit sechs Toren ein super Spiel. Am Ende gingen wir als Sieger vom Platz. Das erhoffen wir uns natürlich wieder.

Danach gab es allerdings in der Liga keinen Sieg mehr für Gladbach. Haben Sie einen Erklärungsansatz?

Nicht wirklich. Wir haben natürlich festgestellt, dass wir nicht die Ergebnisse erzielen, die wir gerne erzielen würden. Gerade fehlen ein paar Prozentpunkte, die wir in den Wochen zuvor parat hatten. Diese fehlenden Prozentpunkte reichen auf diesem hohen Niveau aus. Wir müssen uns auf das besinnen, was uns erfolgreich gemacht hat und dann bin ich mir sehr, sehr sicher, dass die Resultate auch wieder stimmen werden.

Ist es denn ein besonderes Spiel für Sie gegen Ihren Ex-Klub oder brauchen Sie diese Extra-Motivation angesichts eines Pokal-Viertelfinals gar nicht?

Besonders ist es in jedem Fall, dass es jetzt das Viertelfinale ist, kommt noch hinzu. Mittlerweile ist es aber auch schon meine sechste Saison in Gladbach. Mit der Zeit legt sich das ein Stück weit, aber dass ein besonderes Gefühl da ist, wenn man gegen seinen alten Verein spielt, ist, glaube ich, bei jedem so. Das wird auch nie so ganz verschwinden.

Wie blicken Sie auf Ihre Zeit beim BVB zurück?

Durchaus positiv. Viele verbinden Dortmund für mich mit einer wenig positiven Zeit, wobei ich das nicht nachvollziehen kann. Ich bin in Dortmund zum Profi geworden. Das muss man auch erst mal hinkriegen. Den Sprung aus der zweiten Mannschaft zu den Profis schaffen nicht allzu viele. In meinem ersten Jahr kam ich in der Bundesliga 26 Mal zum Einsatz, ich habe in der Champions League und im Pokal gespielt. Das ist für einen 20-/21-Jährigen jetzt nicht so schlecht. Ich bin als BVB-Spieler auch nach Mainz ausgeliehen worden. Im halben Jahr unter Thomas Tuchel gab es Phasen, in denen es gut lief und welche, in denen es schlecht lief. Für mich war es aber im Großen und Ganzen eine erfolgreiche Zeit.

Jonas Hofmann stieg von der zweiten Mannschaft des BVB zu den Profis auf. Der damals 18-Jährige war 2011 von der U19 der TSG 1899 Hoffenheim zu den Schwarzgelben gewechselt. © imago sportfotodienst © imago sportfotodienst

2013 haben Sie den Ruhr Nachrichten ein Interview ohne Worte gegeben. Auf die Frage „Sind sie der kommende BVB-Star“ zeigten Sie selbstbewusst auf sich. Zweieinhalb Jahre später baten Sie darum, sich woanders umsehen zu dürfen und landeten Anfang 2016 bei Gladbach. Wenn die Frage damals gelautet hätte, sind Sie der kommende Borussen-Star, wäre die Antwort darauf dann jetzt bei Gladbach in Erfüllung gegangen?

Mit Star-Allüren tue ich mich schwer. Ich denke aber, dass wir einige Spieler von internationalem Format in unseren Reihen haben und ich mich mittlerweile dazu zählen darf. Es ist für mich generell ein Traum, auf diese Weise in der Bundesliga Fuß gefasst zu haben und ein gestandener Bundesliga-Spieler zu sein. Das macht mich stolz.

Hat es Sie besonders stolz gemacht, jetzt auch das Deutschland-Trikot tragen zu dürfen?

Das war noch mal ein ganz besonderes Erlebnis. Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich tagelang eine Genugtuung verspürt habe, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat. Das war definitiv ein i-Tüpfelchen meiner Karriere. Es fällt mir schwer, mit mir zufrieden zu sein. In dem Moment war ich es aber endlich mal und habe mir gesagt: Jetzt kannst du auch echt mal auf dich stolz sein, da hast du echt was erreicht. Weil ich so ehrgeizig bin, fällt es mir schwer, zufrieden zu sein, gleichzeitig ist es wahrscheinlich aber auch das, was mich so weit gebracht hat.

Sie haben gerade schon die Brisanz der Pokal-Begegnung angesprochen. Angesichts des Wechsels von Marco Rose zu Borussia Dortmund wird das in den Medien natürlich aufgegriffen. Wie nehmen Sie das als Spieler wahr?

Das Thema hat Max (Eberl, Anm. d. Red.) in der Pressekonferenz schon mal angesprochen. Teilweise war es völliger Schwachsinn und verlogen, was da in der Presse berichtet wurde. Die Behauptung, es habe verbale Attacken nach der Bekanntgabe gegeben, ist so eine Geschichte. Es ärgert mich, wenn ich so etwas lese. Der Trainer und Max haben die Entscheidung der Mannschaft professionell erklärt und das Team hat es durchweg professionell aufgenommen. Wir haben uns direkt darauf besonnen, die Saison weiterhin erfolgreich beenden zu wollen. Es wäre ja auch vollkommener Quatsch, wenn Spieler so enttäuscht wären, dass sich das auf ihre Leistung niederschlägt. Es gibt keinen, der bewusst gegen den Trainer spielen würde. Das wäre ja auch vollkommener Schwachsinn. Das bringt keinem was – dem einzelnen so oder so nicht und der Mannschaft auch nicht. Das, was in der Presse mit den Attacken stand, ist gelogen. Marco Rose hat uns zugesichert, dass wir weiter gut zusammenarbeiten werden.

Aufgrund seiner starken Leistungen bei Gladbach wurde Jonas Hofmann (r.) im Oktober das erste Mal ins Aufgebot der Nationalmannschaft berufen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Ich spreche Sie jetzt darauf an und Sie werden sicherlich von vielen Journalisten danach gefragt. Das heißt, Sie müssen sich zwangsläufig damit auseinandersetzen. Dieses mediale Echo war abzusehen. Hätte man mit der Bekanntgabe des Wechsels lieber bis nach dem Spiel warten sollen?

Nein, das glaube ich nicht. Max Eberl hat genug Erfahrung, um zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist. Er hat betont, dass der Verein die Entscheidung kommunizieren möchte, sobald sie steht, damit er sich umsehen kann. Jetzt weiß jeder Bescheid und Max kann sich auf die Suche nach einem neuen Trainer machen. Das beeinflusst die Mannschaft nicht. Es kam schon häufiger die Frage auf, ob wir das zu sehr im Kopf haben oder ob uns das in unserer Leistung beeinflusst. Das finde ich überhaupt nicht. Das hat man auch an der Reaktion gesehen. Wir haben gesagt, dass wir die Entscheidung akzeptieren, aber bis zum Saisonende den maximalen Erfolg haben möchten.

Mönchengladbach ist in diesem Jahr besonders präsent in den Medien. Zum einen, weil das Team in der Champions League für Furore sorgt, dann gab es aber auch die Spuck-Aktion von Thuram, die Geschichte mit Embolo, jetzt den Rose-Wechsel. Macht es das schwieriger, in Ruhe zu arbeiten?

Nein, das finde ich nicht. Oftmals wird sowas auch viel zu sehr thematisiert. Natürlich sind die Geschichten mit Marcus und Breel nicht schön gewesen, aber auf die Mannschaft hat das keinen Effekt. Klar sind wir unmittelbar beteiligt und es wird darüber gesprochen. Aber sobald das geklärt wurde, war es auch erledigt. Ich zumindest habe das dann nicht mehr im Kopf und konzentriere mich auf das, was wichtig ist. Ich wüsste auch nicht, was es mir bringen sollte, noch weitere Gedanken daran zu verschwenden. Das beeinflusst meine Leistung nicht im Geringsten. Deshalb sind wir auch Profis, weil wir mit solchen Dingen professionell umgehen. Es ging schnell wieder darum, Erfolg zu haben.

Matthias Ginter sagte im Januar im Interview mit den Ruhr Nachrichten, ein Wechsel von Rose würde für ihn überraschend kommen. Wie groß war die Überraschung bei Ihnen, als Ihr Trainer der Mannschaft mitgeteilt hat, dass er zum BVB wechseln wird?

Der eine war mehr überrascht, der andere weniger. Es ist nicht immer eine Überraschung, wenn ein Trainer geht, das gehört zum Geschäft dazu. Aber es ist vielleicht ein bisschen überraschender, wenn die Gerüchte intern zuvor kein Thema waren.

Aber die Gerüchte gab es ja.

Ja, das stimmt. Oftmals ist es aber auch so, dass an Gerüchten nichts dran ist. Generell gibt es im Fußball aber so viele Wechsel. Wenn man ein paar Jahre dabei ist, weiß man, dass sowas passieren kann. Natürlich ist es schade, weil man sich super versteht, weil es läuft, weil man positive Gedanken und Erfolg miteinander verbindet. Ich akzeptiere und respektiere diese Entscheidung aber voll und ganz. Es ist jedem selbst überlassen, wie er sein Leben gestaltet, wie er sich beruflich entscheidet. Marco hat gegen keinen Vertrag verstoßen.

Sie meinten nach der Bekanntgabe, dass der Rose-Abgang ein herber Verlust sei. Nehmen Sie es Ihrem alten Arbeitgeber übel, dass er Ihnen den Trainer wegschnappt?

Ach nein. Große Vereine werden natürlich aufmerksam auf die Personen, die gute Arbeit leisten. Sie wären ja blind, wenn sie sich mit solchen Personalien nicht beschäftigen würden. Wir haben in dieser Saison schon häufiger erlebt, dass nicht nur unser Trainer, sondern auch Spieler im Fokus großer Klubs stehen.

Da Sie es gerade ansprechen: Es gibt das Gerücht, dass der FC Chelsea bei Ihnen angeklopft haben soll. Ihr ehemaliger Trainer Thomas Tuchel steht dort nun an der Linie. Könnten Sie sich einen Wechsel auf die Insel vorstellen? Gab es Kontakt?

Grundsätzlich fühle ich mich wohl bei Borussia, das habe ich auch schon immer betont. Es mag sein, dass der eine oder andere Verein sein Interesse bekundet hat. Dennoch liegt für mich der absolute Fokus darauf, eine erfolgreiche Saison mit Borussia zu bestreiten und mich voll und ganz dem Erfolg zu widmen. Meine persönliche Situation stelle ich darunter.

Eine Kontaktaufnahme von Chelsea gab es aber?

Dass andere Vereine auf einen aufmerksam werden, wenn man gute Leistungen bringt, ist, glaube ich, klar. Von daher ist es möglich, dass der eine oder andere schon mal nachgefragt hat.

Ich glaube, das versteht man.

Das versteht man. (lacht)

Beim 3:2-Sieg über Bayern München traf Jonas Hofmann zweimal und bereitete einen Treffer vor. © picture alliance/dpa/AP/Pool © picture alliance/dpa/AP/Pool

Dann aber zurück zum Thema Rose. Sie kennen beide Vereine als Spieler: Marco Rose und der BVB – wird das passen?

Es wird sich zeigen, wie erfolgreich er mit der Mannschaft arbeitet. Bei uns hat es sehr, sehr gut gepasst und das wird es auch bis zum Saisonende. Dass er ein großartiger Trainer ist, wissen wir alle, das wird er auch in Dortmund beweisen müssen.

Einige Gladbach-Fans haben eine sofortige Beurlaubung von Marco Rose gefordert. Was sagen Sie zu dieser Forderung?

Es mag wahrscheinlich Situationen geben, in denen man darüber nachdenken kann. Aber in unserer Situation mit Marco macht es für mich momentan weniger Sinn. Wenn man Marco kennt, weiß man, wie gierig er nach Erfolg ist. Er könnte niemals mit sich vereinbaren, weniger zu tun, nur weil er zum Saisonende geht. Das hat er uns als Mannschaft versichert. Er ist einfach wie immer. Er will jedes Spiel gewinnen. Von daher gibt es auch keine Zweifel daran, mit Marco bis zum Saisonende weiterzumachen.

In den sozialen Netzwerken hat es auch einige sehr unschöne Äußerungen in seine Richtung gegeben. Toni Kroos und andere Fußballer haben kürzlich mit einem Video auf Cybermobbing aufmerksam gemacht. Was haben Sie schon für Erfahrungen mit Anfeindungen gemacht?

Genau dieselben, die die Jungs in dem Video beschrieben haben. Ich habe es erst jetzt wieder unter meinem letzten Instagram-Post gesehen. Da hat jemand geschrieben: „Ich brech‘ dir beide Beine.“ Das ist nur eine von zig solcher Äußerungen, die man über sich ergehen lassen muss. Das ist teilweise wirklich beschämend. Da weiß man gar nicht, was man dazu sagen soll. Die Leute sitzen anonym hinter ihrem Computer und tippen einfach in die Tastatur, ohne darüber nachzudenken, was das mit der Person auf der anderen Seite macht. Der Selbstmord von Robert Enke ist vielleicht nicht unmittelbar in diesem Kontext zu sehen, aber Hasskommentare und Beleidigungen können so etwas befeuern. Das ist in keiner Weise zu tolerieren. Es wäre schön, wenn man dagegen vorgehen könnte, aber wahrscheinlich ist es schwierig, dahinterzukommen, wer dort genau schreibt. Es ist schon extrem traurig zu sehen, wozu Menschen im Stande sind.

Was macht das mit Ihnen, wenn Sie solche Kommentare lesen?

Mittlerweile kann ich darüber nur noch lachen. So lächerlich und beschämend, wie es ist, lohnt es sich gar nicht, sich darüber aufzuregen und sich darüber einen Kopf zu machen. Ich muss es so deutlich sagen: Es sind dumme Menschen, die meinen, völlig grundlos andere Menschen beleidigen zu müssen.

Nehmen Sie diese Entgrenzung generell in der Gesellschaft wahr?

Ich will da nicht pauschalisieren. Das ist im Fußballgeschäft natürlich sehr präsent. Es gibt aber auch ganz, ganz viele positive Dinge, die ich erlebt habe. Ich versuche immer das Positive zu sehen und nicht das Negative. Es wäre natürlich schön, wenn das jeder so sehen würde. Es ist klar, dass es auch mal zu Reibungen kommt, aber es ist wichtig, dass Auseinandersetzungen mit dem nötigen Respekt ablaufen. Das ist ein Thema, mit dem sich die Gesellschaft beschäftigen sollte. Aber es gibt viele Themen, mit denen man sich beschäftigen kann. Gerade in der Corona-Zeit sind ja viele Probleme deutlich geworden.

Woran denken Sie da?

Die Menschen werden aktuell auf eine Probe gestellt. Wie geht man mit den Verordnungen um, wie hält man zusammen? Da merkt man, dass da gesellschaftlich teilweise noch Luft nach oben ist. Dass wir alle Menschen sind und Fehler machen, verstehe ich voll und ganz. Wichtig ist nur, dass man daraus lernt und es besser macht. Es gibt aber leider auch genug, die das nicht tun. Ich habe mittlerweile auch gelernt, noch mal eine Nacht darüber zu schlafen, bevor man wichtige Entscheidungen trifft. Der Marco wird wahrscheinlich auch ein paar mehr Nächte drüber geschlafen haben (lacht).

Manchmal kann man aber auch keine Nacht drüber schlafen und die Emotionen müssen raus. Ich erinnere mich an ein sehr emotionales Interview von Ihnen, nachdem Stuttgart einen umstrittenen Elfmeter gegen Gladbach zugesprochen bekommen hat. Man hat gesehen, dass Sie bedacht waren, nicht alles zu sagen, was Sie vielleicht gerne gesagt hätten.

Fußball ist Emotion und wenn in einem solchen Moment die Emotionen raus müssen, weil man sich über einen Schiedsrichter beschwert, dann kann es auch Teil der Vorbildfunktion sein, seine Meinung zu sagen. Natürlich immer mit dem nötigen Respekt, aber mit einer bestimmten Wortwahl. Es werden immer wieder Typen wie früher gefordert, aber wenn man dann mal ein Typ ist und vielleicht das Wort „Scheiße“ in den Mund nimmt oder einfach mal sagt „der Schiri war heute nichts“, bekommt man sofort Strafen. Es ist für mich der völlig falsche Ansatz, direkt Strafen zu verhängen, wenn einer seine Meinung sagt und das mit Respekt tut. Es gehört doch dazu, dass man mal etwas loswerden muss. Die Emotionen kommen sonst abhanden. Oft steht man im Interview da und hat im Kopf, das kann ich jetzt nicht sagen, sonst werde ich ein Spiel gesperrt. Mittlerweile ist das für mich alles etwas übertrieben.

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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland
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