Florian Kringe ist eine BVB-Legende - seine neue Hüfte will aber nicht immer so wie er

dzInterview

Für Borussia Dortmund ist auch ein 1:1 bei Burimar United in Thailand ein Erfolg. Warum? Das erklärt Florian Kringe, Mitglied der BVB-Legendenmannschaft, im exklusiven Interview.

Dortmund

, 19.11.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Herzlichen Glückwunsch: Sie sind seit dem Sommer nun auch offiziell eine BVB-Legende!

Ich finde das großartig! Nicht nur, weil dieser Verein in meinem Leben eine außergewöhnliche Rolle spielt und ich in guten und schlechten Zeiten Borusse war und bin. Es gehört ja auch zur Wahrheit, dass meine besseren Jahre in die Zeit fielen, als es dem Verein schlecht ging. Cool, dass ich trotzdem dabei sein darf.



Sie sind immerhin dreimal Deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger geworden.

Ja, richtig. Aber ehrlich gesagt habe ich in den erfolgreichen Jahren meist keine tragende Rolle gespielt. Umso mehr freue ich mich, im Legenden-Team mitspielen zu dürfen. Das zeigt auch, wie dieser Klub tickt. Es ist wie bei einem Klassentreffen, wenn wir zusammenkommen. Früher haben wir ein- oder zweimal am Tag zusammen auf dem Platz gestanden, dann sieht man sich lange Zeit nicht. Und wenn wir uns jetzt treffen, ist das immer lustig und schön.

Zur Person

Florian Kringe

Florian Kringe ist eine BVB-Legende - seine neue Hüfte will aber nicht immer so wie er

© imago

Florian Kringe (36) wurde in der Jugend des BVB ausgebildet und schaffte 2001 den Sprung zu den Profis. Von seinen 192 Bundesligaspielen (18 Tore) fallen 151 (17 Tore) in seine Zeit bei der Borussia (2004-2009 und 2010-2012). Der zentrale Mittelfeldspieler lief außerdem für den 1. FC Köln, Hertha BSC und den FC St. Pauli auf, dort beendete er 2015 seine Karriere. Mit dem BVB wurde er Deutscher Meister 2011 und holte 2012 das Double.

Sie sind in Thailand auf Tour, um den BVB zu repräsentieren. Was sagen Sie denn den Menschen dort über Borussia Dortmund?

Es gibt hier einen BVB-Fanklub und richtig viele Fans, die uns freundlich und herzlich empfangen. Das kann man sich von Deutschland aus nur schwer vorstellen. (lacht) Ich habe gleich nach der Ankunft ein Autogramm gegeben auf ein Foto, das aus den allerersten Profitagen von mir stammen muss. Ich konnte mich gar nicht mehr daran erinnern, da musste ich doch sehr schmunzeln.



Wie gelingt die Verständigung?

Mit Händen und Füßen und einem Lächeln im Gesicht. Dafür sind die Menschen hier in Thailand schon dankbar. Die freuen sich einfach riesig, dass sie mal Borussia Dortmund zu Gast haben.



Ist es denn zwingend notwendig, dass der BVB seine Marke auf der ganzen Welt verbreiten will?

Ich kenne ja die Kritik an der Internationalisierung und auch an der Kommerzialisierung. Das nehmen wir auch ernst. Es geht um einen Spagat, den wir schaffen wollen. Denn es gibt auch in Asien BVB-Fans und Fanklubs und ganz viele Menschen, die hinter Borussia Dortmund stehen. Die sind es auch Wert, dass der Klub sich um sie kümmert. Deswegen werden die Zuschauer in Deutschland ja nicht schlechter behandelt.



Wie viel wissen denn die Thailänder über Borussia Dortmund?

Schon einiges. Sie wissen, dass wir ein großer Verein sind mit vielen Anhängern, einer bewegten und abwechslungsreichen Geschichte. Man muss aber auch sehen: Die Klubs beispielsweise aus der englischen Premier League betreiben ihre globale Vermarktung länger und aufwändiger als die Bundesliga bisher. Von dem Standpunkt aus ist es, bei aller Kritik an der Internationalisierung, tatsächlich unumgänglich, sich weltweit aufzustellen. Sonst gerät man in einen Wettbewerbsnachteil.

Florian Kringe ist eine BVB-Legende - seine neue Hüfte will aber nicht immer so wie er

Florian Kringe (r.) ist mit den BVB-Legenden in Thailand unterwegs. Auch Roman Weidenfeller (M.) und Dede sind mit dabei. © BVB

Vor zehn Jahren hätten Sie vermutlich auch nicht davon geträumt, im Herbst 2018 mit der BVB-Legendenmannschaft nach Thailand zu reisen.

Es gab ja richtig schwere Momente ab 2004. Da ging es um Personalabbau, um Gehaltseinsparungen. Manchmal wussten wir ja nicht, ob am nächsten Tag überhaupt noch Training stattfindet. Was seitdem passiert ist, das ist eine märchenhafte Entwicklung. Das war damals nicht im Entferntesten zu erwarten. Viele richtige und glückliche Entscheidungen haben dazu beigetragen.



Sie selber galten schon in Ihrer Zeit als aktiver Profi als ein Spieler, der den Fans nahe ist.

Es freut mich total, wenn ich darauf angesprochen werde. Für mich war das immer selbstverständlich, dass ich auch den Dialog mit den Fans suche und mir anhöre, was sie zu sagen haben. Das gehört für mich dazu. Wenn man die Distanz verringert, also aufeinander zugeht, dann hilft das beiden Seiten.



Ist so eine gelebte Fannähe heute schwieriger zu leben?

Ich denke schon. Die Vereine selber beanspruchen ihre Spieler viel mehr als zu meiner aktiven Zeit, allein was da an PR-Terminen und Aktionen für die klubeigenen medialen Aktivitäten hinzugekommen ist, das gab es früher nicht. Ich kann Spieler verstehen, wenn die sagen, nun ist mal Feierabend, ich habe auch noch ein Privatleben. Und im Zeitalter der Smartphones kann man sich kaum unerkannt und unentdeckt bewegen, sofort wird alles öffentlich. Das ist schwierig.

Florian Kringe ist eine BVB-Legende - seine neue Hüfte will aber nicht immer so wie er

Florian Kringe erlebte mit dem BVB ab 2004 schwere Zeiten. Er war aber auch Teil der Meistermannschaften 2010/2011 und 2011/2012. © imago

Der Schulterschluss mit den Fans galt beim BVB als eines der Ziele für diese Saison.

Das ist auch wichtig und gehört zur Kultur dieses Vereins. Manchmal reichen ja sogar kleine Gesten. Aber es muss das Gefühl vorherrschen, dass bei Borussia Dortmund alle zusammenstehen.

„Borussia Dortmund spielt wieder BVB-Fußball.“
Florian Kringe

Sie sind nicht nur Profi gewesen, sondern auch Fußball-Fan. Wie sehr begeistert Sie der aktuelle BVB?

Sehr! Borussia Dortmund spielt wieder BVB-Fußball. Wir wissen aber auch, dass da ganz viele junge Spieler dabei sind, von denen man nicht erwarten darf, dass die eine ganze Saison auf dem höchsten Niveau spielen. Grund zur Freude besteht, mit allzu großen Erwartungen sollte man die Mannschaft jedoch noch nicht belasten.



Sie mussten sich nach dem Ende der sportlichen Laufbahn operieren lassen. Wie gut kickt es sich denn mit der neuen Hüfte?

Ganz gut! Ehrlich gesagt, hätte ich das viel früher machen sollen. Aber mit Mitte 30 eine neue Hüfte – das hörte sich für mich auch nicht gut an. Regelmäßig Fußball spielen sollte ich zwar nicht mehr, und laufen und schießen, das gelingt nicht mehr ganz so wie früher. Aber ich bin beschwerdefrei, und das ist viel wert. Ganz lustig fühlt es sich auf dem Platz an: Da möchte der Kopf manchmal schneller, als der Körper es umsetzen kann. Doch das geht auch anderen von uns alten Herren so.



Sie arbeiten im Team von Pro Profil, der Beratungsagentur von Thomas Kroth, der ja auch eng mit dem BVB verbunden ist. Wie läuft die Karriere nach der Karriere?

Das macht mir großen Spaß! Ich berate einige Spieler selbst, kümmere mich bei internationalen Transfers um die Abwicklung und manchmal scoute ich auch selbst. Das ist ein spannender und abwechslungsreicher Job. Und ich gebe gerne die vielen unterschiedlichen Erfahrungen aus meiner eigenen Profizeit an junge Spieler weiter.

Das Aufegebot der BVB-Legenden in Thailand: Roman Weidenfeller, Patrick Owomoyela, Florian Kringe, Mladen Petric, Mohamed Zidan, Miroslav Stevic, Karlheinz Riedel, Julia Cesar, Marcio Amoroso, Dede, Tinga, Evailson, Ewerthon, Leandro, Nobby Dickel
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger 09 Fakten

BVB-Neuzugang Hazard dreht gegen seinen Ex-Klub auf - Brandt macht kleinen Schritt aus der Krise

Hellweger Anzeiger Borussia Dortmund

Zutiefst verunsichert! Für den BVB bleiben Akanjis Wackler diesmal ohne negative Folgen