Favre streicht Alcacer aus dem BVB-Kader - Anzeichen für Wechsel verdichten sich

dzBorussia Dortmund

Paco Alcacer fehlt im BVB-Aufgebot. Lucien Favre streicht ihn aus dem Kader. Die Anzeichen verdichten sich, dass der Spanier seinen Abschied forcieren will.

Dortmund

, 17.01.2020, 19:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die knapp 50 Autogrammjäger, die sich am späten Freitagnachmittag auf den Weg zum Dortmunder Flughafen begeben hatten, staunten nicht schlecht. Paco Alcacer gehörte nicht zum schwarzgelben Tross, der in Richtung Augsburg aufbrach. Der Flug „MHV 1909“ hob ohne den Spanier ab, auch ohne Dan-Axel Zagadou - und doch war Alcacers Fehlen der größere Aufreger.

Denn während BVB-Trainer Lucien Favre bei Zagadou bestätigte, dass der Franzose kurzfristig verletzungsbedingt ausfällt, der 20-Jährige soll muskuläre Probleme haben, winkte Favre bei der Frage, warum Alcacer nicht dabei sei, nur seufzend ab. Sagen wollte der Schweizer nichts. Auch Michael Zorc wollte sich auf Nachfrage nicht zum Thema Alcacer äußern.

Jetzt lesen

Nach Informationen dieser Redaktion hatte Alcacer am Freitag zunächst noch mit der Mannschaft trainiert, war aber später im Privatwagen vom Trainingsgelände in Dortmund-Brackel davongefahren. Der Torjäger, der nach einem guten Saisonstart (wettbewerbsübergreifend sieben Tore) aus dem Tritt gekommen ist und im Laufe der Hinrunde einmal mehr mit Verletzungen zu kämpfen hatte, hat es nicht in den 20-köpfigen Spieltagskader für die Partie in Augsburg geschafft.

Alcacer ist in der Mannschaft weitestgehend isoliert

Der Verdacht liegt nahe, dass dies nicht nur damit zusammenhängt, dass Alcacer verspätet in die Wintervorbereitung eingestiegen ist, sondern dass Alcacers Trainingsleistungen Favre zuletzt derart geärgert haben, dass der Schweizer auf die Dienste des Torjägers vorerst lieber verzichtet. Alcacers Trainingsrückstand jedenfalls ist nicht größer als der von Marco Reus oder Erling Haaland, die ebenfalls verspätet in die Winter-Vorbereitung eingestiegen sind. Eher im Gegenteil.

Alcacer kam in den vergangenen Wochen nicht über die Rolle des BVB-Jokers hinaus.

Alcacer kam in den vergangenen Wochen nicht über die Rolle des BVB-Jokers hinaus. © Kirchner-Media

Vermutlich überwiegen daher andere Gründe: Der Spanier, seit anderthalb Jahren in Dortmund und erst vor einem Jahr für über 20 Millionen Euro fest vom FC Barcelona verpflichtet, hat zunehmend Heimweh, wirkt oft lustlos und ist in der Mannschaft weitgehend isoliert. Die Gerüchte um eine baldige Spanien-Rückkehr Alcacers reißen seit Wochen nicht ab, obwohl sein Vertrag eigentlich bis zum 30. Juni 2023 läuft.

Alcacer fristet beim BVB ein Reservisten-Dasein

Hinzu kommt: Seit Favres Systemumstellung auf ein 3-4-1-2-System fristet Alcacer im Dortmunder Sturmzentrum ein Reservisten-Dasein. Sein letztes Tor für den BVB schoss er am vierten Spieltag beim 4:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen. Vor der Winterpause kam der 26-Jährige im Dezember nur auf zehn Minuten Einsatzzeit, obwohl er seine Knieprobleme auskuriert hatte. Jadon Sancho und Thorgan Hazard erhielten den Vorzug - und durch Haalands Unterschrift beim BVB sind Alcacers Chancen auf Spielzeit bei Borussia Dortmund nicht besser geworden.

Passend zu den Eindrücken vom Dortmunder Flughafen war am Freitag aus Spanien zu vernehmen, dass Alcacers ehemaliger Klub, der FC Valencia, bei dem Alcacer den Sprung in den Profifußball schaffte, über eine Rückholaktion des Torjägers nachdenke. Auch Atletico Madrid und dem FC Sevilla wird seit Längerem Interesse nachgesagt.

Dem BVB liegt (noch) kein Angebot für Alcacer vor

Der Haken: Ein konkretes Angebot für Alcacer liegt dem BVB nach Informationen dieser Redaktion bislang nicht auf dem Tisch. Passend dazu erklärte Sportdirektor Zorc jüngst: „Uns liegt kein Angebot vor, über das wir diskutieren könnten.“ Zwei Wochen bleibt für mögliche Interessenten Zeit, daran etwas zu ändern - und jenseits von 25 Millionen Euro müsste es wohl mindestens liegen, damit der BVB Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kommentar
Tuchels Ehrfurcht spielt Dortmund in die Karten - BVB erlebt einen denkwürdigen Abend