Gonzalo Castro war drei Jahre lang für den BVB am Ball. Erst lief‘s gut, dann schlecht. Im Sommer wechselte er zum VfB Stuttgart - und freut sich nun auf das Duell mit den Ex-Kollegen.

Stuttgart

, 19.10.2018, 21:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Geboren in Wuppertal und eine Fußballerkarriere zwischen Rhein und Ruhr - bis zum Sommer: Der VfB Stuttgart ist Ihr dritter Verein in der Bundesliga, also Bundeschliga, wie gut ist Ihr Schwäbisch schon?

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(lacht) Es ist leider noch nicht so besonders. Das wird wohl noch ein bisschen dauern. Aber ich bin hier der Gonzalo Caschtro, das habe ich schon mitbekommen.


Zumindest VfB-Manager Michael Reschke, den Sie aus gemeinsamer Zeit in Leverkusen kennen, ist ja des Rheinischen mächtig.

Ja. Ab und zu flüchten wir ins Kölsch.


Was schmeckt denn am besten? Maultaschen, Currywurst oder Rheinischer Sauerbraten?

(lacht) Das kann ich noch nicht wirklich beurteilen. Das mit den Maultaschen ist bislang an mir vorbeigegangen. Ich muss das jetzt dringend mal nachholen.


Zum Fußball. Wie gut ist der Kontakt nach Dortmund noch?

Er ist noch sehr gut. Schmelle (Marcel Schmelzer, Anm. d. Red.) habe ich am Wochenende noch getroffen.

Auf wen freuen Sie sich am meisten am Samstag?

Schmelle ist ja leider verletzt und wird wohl nicht spielen können. Mit Ömer Toprak habe ich lange in Leverkusen und in Dortmund zusammengespielt. Auch zu Marco (Reus, Anm. d. Red.) und Mario (Götze, Anm. d. Red.) habe ich noch Kontakt. Es sind ja noch viele da, mit denen ich bis zum Sommer beim BVB gespielt habe. Ich freue mich einfach, die ganzen Jungs wiederzusehen.


Stuttgart gegen Dortmund ist das Duell Letzter gegen Erster. Was überrascht Sie mehr? Dass der BVB ganz oben steht oder der VfB ganz unten?

Dass wir ganz unten stehen. Das haben wir uns natürlich ganz anders vorgestellt. Es ist sportlich absolut unbefriedigend. Aber es kann am Samstag auch ein Vorteil sein, weil uns keiner auf der Rechnung hat.


Was läuft schief beim VfB?

Es sind einige Faktoren, die zusammenkommen. Es gab Spielverläufe, die gegen uns gesprochen haben. Und dann sind wir in eine Phase reingekommen, in der wir angefangen haben, darüber nachzudenken. Jetzt haben wir einen neuen Trainer, vielleicht gibt uns das einen neuen Impuls.


Markus Weinzierl ist da. Was kann er in der kurzen Zeit bewegen?

Er kommt mit dem Blick von außen und bringt neue Ideen rein. Durch die Länderspielpause war ein wenig mehr Zeit da, aber alles wird noch nicht funktionieren am Samstag. Das ist ja ganz klar.

Ex-Borusse Gonzalo Castro: Die Qualität des BVB ist enorm

Stuttgarts neuer Trainer Markus Weinzierl (r.) im Gespräch mit Gonzalo Castro. © imago/Pressefoto Baumann

Vergangene Saison musste Peter Bosz beim BVB im Dezember gehen, Tayfun Korkut in Stuttgart nun sogar schon im Oktober. Wie schwierig es für eine Mannschaft, so früh in der Saison mit einem Trainerwechsel zurechtzukommen?

Ich hatte die Situation noch nie, dass ein Trainer so früh gehen musste. Es ist erst einmal eine Umstellung. Wir haben die ganze Vorbereitung mit Tayfun Korkut absolviert, haben versucht, seine Idee umzusetzen. Jetzt kommt ein neuer Trainer - und wir müssen seine neue Idee sehr schnell verinnerlichen.


Wie stehen Sie persönlich zum Trainerwechsel beim VfB?

Es schwierig zu beurteilen. Die Trainer haben grundsätzlich nicht viel Zeit, sich und ihre Ideen zu entfalten. Niko Kovac ist doch auch so ein Beispiel. Er hat drei Spiele mit den Bayern nicht gewonnen - und schon wird über seine Entlassung spekuliert, obwohl er vorher siebenmal in Serie gewonnen hat.


In Stuttgart ist es außergewöhnlich, oder? Vom umjubelten Mann bis zum entlassenen Trainer in weniger als einem halben Jahr.

Der Fußball ist, wie gesagt, sehr schnelllebig geworden.


Auch Borussia Dortmund hat einen neuen Trainer - und es läuft wieder. Haben Sie dem BVB so eine schnelle Kurskorrektur zugetraut?

Ich hätte gedacht, dass der BVB ein bisschen mehr Zeit benötigt. Aber der Klub hat einen tollen Kader und einen guten Trainer. In dem einen oder anderen Spiel war vielleicht auch ein wenig Glück dabei, aber die Qualität ist enorm groß.


Kurze Ferndiagnose: Was trauen Sie dem BVB in dieser Saison in der Endabrechnung zu?

Das ist schwierig zu sagen. Die Saison ist noch sehr jung und die Mannschaft tanzt noch auf drei Hochzeiten. Wenn der BVB das Niveau bis zum Winter halten kann und vom Verletzungspech verschont bleibt, dann ist eine ganze Menge drin. Am Ende wird es aber auch darauf ankommen, ob die Bayern wirklich richtig schwächeln oder sich gerade nur eine kurze Auszeit nehmen.


Sie sind nach zwei guten Jahren beim BVB in der vergangenen Saison nicht mehr wirklich zurechtgekommen. Vor allem die Rückrunde lief enttäuschend. Warum?

Damals sind verschiedene Dinge zusammengekommen. Am Anfang lief es gut unter Peter Bosz. Aber dann hatten wir eine richtig schlechte Phase inklusive Trainerwechsel. In der Rückrunde unter Peter Stöger war ich dann verletzt, war mal drin und mal raus. Am Ende habe ich dann nur noch ganz wenig gespielt. Es war eine komische Situation für mich. Auch die Stimmung im Verein war nicht gut. Trotzdem möchte ich nichts schlechtreden. Ich hatte eine tolle Zeit beim BVB, auch wenn es in den letzten Monaten in Dortmund nicht mehr gut für mich lief.

Ex-Borusse Gonzalo Castro: Die Qualität des BVB ist enorm

Über sein letztes Jahr beim BVB sagt Castro (M.): „Am Anfang lief es gut unter Peter Bosz. Aber dann hatten wir eine richtig schlechte Phase inklusive Trainerwechsel. In der Rückrunde unter Peter Stöger war ich dann verletzt, war mal drin und mal raus. Am Ende habe ich dann nur noch ganz wenig gespielt.“ © dpa

Mit etwas Abstand und rückblickend betrachtet. Was ist beim BVB denn alles falsch gelaufen in der vergangenen Saison?

Die Negativserie unter Peter Bosz war problematisch. Auch der Trainerwechsel war nicht einfach. Nach der Winterpause haben wir zunächst dreimal nur Unentschieden und schlechten Fußball gespielt. Und dann kommt man in so einen Strudel rein. Jeder fängt an zu überlegen. Das ist in jeder Fußballmannschaft der Welt so, wenn’s kriselt. Aber am Ende haben wir uns dann zum Glück irgendwie ins Ziel gerettet und die Champions League erreicht.


In dieser Saison ist die Mannschaft noch ungeschlagen. Was spricht dafür, dass sich das Samstag ändert?

Wir spielen zu Hause und haben nichts zu verlieren gegen den Tabellenführer. Es glaubt ja kaum jemand daran, dass wir gegen Dortmund etwas mitnehmen, deshalb können wir befreit aufspielen. Der Druck lastet jedenfalls auf dem BVB und nicht auf uns.


Hat Markus Weinzierl Sie denn schon über den BVB ausgefragt, weil Sie noch so nah dran sind?

Er hat mich gefragt, wie sie spielen. Und ich habe gesagt, dass ich noch ein wenig rumtelefonieren muss (lacht). Mehr kann ich nicht verraten.


Davon mal abgesehen: Was muss der VfB auf den Platz bringen, um gegen den BVB für Punkte in Frage zu kommen?

Wir müssen mutig sein und in die Räume kommen, wo es brenzlig wird für den Gegner. Uns würde ein frühes Tor einfach mal guttun. Das haben wir in den vergangenen Wochen zu selten geschafft. Wir müssen dahin kommen, dass der BVB auf dem Platz Respekt vor uns bekommt.

Gegen Werder Bremen haben Sie beim einzigen VfB-Sieg in dieser Saison zum 2:1 getroffen und durften erstmals im Stuttgarter Trikot jubeln. Würden Sie auch jubeln, wenn Sie Roman Bürki am Samstag einen einschenken?

Ich hatte tolle Jahre beim BVB. Aus Respekt vor dem Verein und den Fans würde ich wohl darauf verzichten.

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