Enttäuschender Start: BVB-Routinier Piszczek muss sich in Geduld üben

dzBorussia Dortmund

Die letzte Saison von Lukasz Piszczek bei Borussia Dortmund verläuft bislang enttäuschend. Der BVB-Routinier muss sich in Geduld üben - und mit einer neuen Rolle anfreunden.

Dortmund

, 19.11.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

So richtig Fahrt aufgenommen hat die Abschiedstournee noch nicht. Nicht nur, dass in diesen Tagen niemand, der Lukasz Pisczek (35) gerne noch einmal für Borussia Dortmund spielen sehen würde, zum Zuschauen vorbeikommen darf, weil die Corona-Lage nicht mehr als Geisterspiele zulässt. Nein, es gäbe aktuell auch nicht besonders viel von Lukasz Piszczek zu sehen, wenn Fans in den Stadien erlaubt wären.

BVB-Routinier Piszczek erwischt in Rom einen gebrauchten Abend

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Denn Piszczeks letzte Saison bei Borussia Dortmund verläuft bisher enttäuschend. Zu Saisonbeginn bremsten ihn nach einer Einwechslung und einem Kurzeinsatz im DFB-Pokal beim MSV Duisburg (5:0) Rückenbeschwerden aus, an den ersten beiden Bundesliga-Spieltagen gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) und den FC Augsburg (0:2) stand er nicht im Kader des BVB. Am dritten Spieltag gegen den SC Freiburg (4:0) schaffte er es nach einem weiteren Kurzeinsatz im Supercup gegen Bayern München (2:3) zumindest wieder ins 20er-Aufgebot, am vierten Spieltag beim 1:0-Sieg bei der TSG Hoffenheim durfte er dann erstmals von Beginn an auflaufen, doch nach 20 Minuten war schon wieder Feierabend, weil er von Stefan Posch unglücklich am Auge getroffen wurde.

Enttäuschender Start: BVB-Routinier Piszczek muss sich in Geduld üben

© Deltatre

Und drei Tage später beim 1:3 gegen Lazio Rom in der Champions League erwischte der Pole wie die gesamte BVB-Mannschaft einen gebrauchten Abend. Piszczek wurde nach gut einer Stunde ausgewechselt. Seitdem sind für den ehemaligen Vize-Kapitän, der dieses Amt vor der Saison aus freien Stücken abtrat, in den vergangenen fünf Spielen nur noch vier Minuten Einsatzzeit hinzugekommen, beim 2:0 in Bielefeld wurde er kurz vor Schluss für den angeschlagenen Mats Hummels eingewechselt. Piszczek muss sich derzeit mit einer Reservisten-Rolle anfreunden.

BVB-Umstellung auf Viererkette macht es für Piszczek komplizierter

Die Zahlen belegen den Eindruck: Von 1080 möglichen Spielminuten sammelte Piszczek bislang nur 136. In der Dreier-Abwehrkette zog Favre ihm zu Saisonbeginn Emre Can, Manuel Akanji und Hummels vor, im rechten Mittelfeld erhielt Thomas Meunier von Lucien Favre das Startelf-Mandat. Und seit Favres Umstellung auf die Viererkette ist es für Piszczek sogar noch ein bisschen komplizierter geworden, seinen Platz in der Dortmunder Defensive zu finden, weil er kein gelernter Innenverteidiger und auch nicht mehr der Außenverteidiger ist, der er über so viele Jahre im BVB-Trikot war.

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Der ehemalige polnische Nationalspieler, der seit 2010 bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht, hat nicht mehr das Tempo vergangener Tage. Auch hinten rechts in der Viererkette, wo Piszczek beim BVB ein knappes Jahrzehnt Platzhirsch war, erhielt zuletzt stets Neuzugang Meunier den Vorzug. Zudem stünden auch Felix Passlack und Mateu Morey auf dieser Position bereit.

Piszczek gibt den verlässlichen Part in der BVB-Dreierkette

Und so ist aus dem „absoluten Führungsspieler“ Piszczek, wie Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc es im vergangenen Mai formulierte, als der BVB den Vertrag mit Piszczek um ein weiteres Jahr ausdehnte, ein absoluter Führungsspieler geblieben, der allerdings nicht mehr oft spielt.

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Das war in der vergangenen Saison noch ganz anders. In der Rückrunde stand Piszczek bis auf zwei Ausnahmen - beim 3:4 in Leverkusen und beim Pokal-Aus in Bremen (2:3) - immer in der Dortmunder Anfangself, an Hummels‘ Seite gab er einen unspektakulären, aber verlässlichen Part als rechter Verteidiger in der Dreierkette, der in Achraf Hakimis Rücken verlässlich die Drecksarbeit erledigte.

Piszczek muss sich auf seiner BVB-Abschiedstournee in Geduld üben

In dieser Spielzeit gibt es bei Borussia Dortmund in Hakimis Rücken nichts mehr freizuhalten, weil Hakimi jetzt für Inter Mailand spielt. Sein Nachfolger, Thomas Meunier, erledigt seinen Hausaufgaben in der Rückwärtsbewegung gewissenhafter als der stürmische Marokkaner. Piszczek muss sich auf seiner Abschiedstournee daher in Geduld üben, bis noch einmal große Auftritte anstehen. Er muss entweder darauf hoffen, dass Favre erneut zur Dreierkette zurückkehrt und er seinen Platz aus der Vorsaison zurückerobern kann - oder er muss sich doch noch mal als Rechtsverteidiger in der Viererkette durchsetzen, zumindest übermächtig scheint Meunier als Konkurrent bislang nicht zu sein.

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Er habe immer noch Spaß und sei „noch nicht verbrannt“, hat Piszczek, der nie über seine momentane Reservistenrolle klagen würde, bei seiner Vertragsverlängerung im Mai erklärt. „Ich werde Gas geben, damit ich mein Ziel erreiche. Ich will mit dem BVB nochmal etwas gewinnen.“ Danach packe er dann seine Sachen und fahre zurück nach Polen. Mal sehen, wie viele Spielminuten er bis dahin noch auf seine persönliche BVB-Bilanz packen kann. Ein letztes halbes Jahr bleibt Zeit.

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