Emotional, gestenreich, lautstark! Die erstaunliche BVB-Wandlung des Lucien Favre

dzBorussia Dortmund

Den Wandel des BVB lebt auch der Trainer vor: Lucien Favre nimmt deutlich mehr Einfluss, ist gestenreicher und artikuliert sich lauter. Der Schweizer offenbart eine erstaunliche Entwicklung.

Dortmund

, 07.11.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kurz vor Ende dieses wilden Ritts hatte Borussia Dortmund plötzlich zwölf Mann auf dem Feld. Der zwölfte Mitspieler war unverkennbar, er trug kein gelbes Trikot mit schwarzer Hose, sondern dezentes Blau-Grau, darüber eine Winterjacke.

Der vierte Offizielle verzweifelt an BVB-Trainer Favre

Lucien Favre hatte seine Coaching-Zone großzügig erweitert und beackerte die rechte Außenbahn in der Schlussphase mit hohem Laufeinsatz. Mindestens zwei Meter stand er im Feld, sobald die Partie kurz unterbrochen war, er gestikulierte, dirigierte und versuchte, sich im Höllenlärm Gehör zu verschaffen. Der vierte Offizielle verzweifelte bei dem Versuch, den BVB-Trainer in seine Schranken zu weisen.

„Er ist sehr lebhaft momentan, gibt sehr viel vor. Das gefällt mir schon.“
Hans-Joachim Watzke

Der Wandel, der die Auftritte der Borussia in den drei Spielen der vergangenen acht Tage kennzeichnet, mit erkennbar mehr Mut, mehr Gegenwehr und Gier, den lebt auch der Trainer vor. Favre ist weiterhin in seinen Äußerungen vorsichtig und auch in seinem Handeln von dieser Charaktereigenschaft geprägt. Aber er nimmt deutlich mehr Einfluss an der Linie, agiert gestenreicher und artikuliert sich lauter.

Das ist auch seinem Chef aufgefallen. „Ich glaube, er hat überlegt: Was kann ich vielleicht verändern? Er ist sehr lebhaft momentan, gibt sehr viel vor“, sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wohlwollend. „Das gefällt mir schon.“ Sportdirektor Michael Zorc sieht das genau so, Favre sei richtig „kämpferisch“, erklärte der Sportdirektor, „er fordert von den Spielern bestimmte Dinge ein.“

Der Grübler und Zweifler als Motivator - daran würde man sich gern gewöhnen in Dortmund, wo Emotionalität an der Seitenlinie immer noch in „Klopp“ gemessen wird und der Schweizer bis dato auf dieser Skala kaum messbare Ausschläge hatte.

Favre hat sich beim BVB adaptiert

Es ist auch ein Signal nach außen des 62-Jährigen: Nach Wochen mit vielen negativen Schlagzeilen hat sich Favre „adaptiert“, wie er selber sagen würde. Favre hat in der Krise die Ärmel hochgekrempelt, er kämpft auch in der Öffentlichkeit um seinen Job.

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Die nächste Herausforderung folgt. In München hat der BVB einiges gutzumachen, auch Favre erlebte im April, wie sein hoch eingeschätztes Dortmunder Team unter die Räder geriet und die desaströse Bundesliga-Bilanz auf 3:22 Tore aus den vergangnen fünf Gastspielen anwuchs.

Favre erlebt keinen normalen Fußballabend

Der Abpfiff des einen hätte bei Favre normalerweise den Startschuss für die Vorbereitung auf das andere Spiel gegeben, doch es war ja kein normaler Abend. Er werde „mit Sicherheit nicht“ über Samstag sprechen, verkündete Favre, angesprochen auf den Gipfel bei den Bayern. „Heute genießen wir nur dieses Spiel.“

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