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Meinung

Dramatischer BVB-Abwärtstrend: Im Sommer muss ein harter Schnitt folgen

Raus aus der Champions League, rein in die Krise: Der BVB kassiert in Mönchengladbach den nächsten Rückschlag. Die Lage ist ernster, als viele glauben. Im Sommer muss ein harter Schnitt folgen.

Der knapp fünfminütige Schnelldurchlauf mit den Höhepunkten der 90 Minuten im Borussia-Park spiegelte die Gesamtsituation bei Borussia Dortmund in allen ihren Facetten wider. Der BVB kann wunderbar Fußball spielen, sich auf – mit Verlaub – dümmste Art Gegentore einfangen und steht trotz immensem Aufwand am Ende mit leeren Händen da.

Wenn das in einem Spiel zuträfe, wäre das kein Beinbruch. Aber Borussia Dortmund hat sich sozusagen zum siebten Mal in dieser Bundesliga-Saison ein Bein gebrochen. Allein gegen Köln, Union Berlin und Gladbach kosteten sieben (!) Standard-Gegentore neun Zähler. Ein Irrsinn in Schwarzgelb! Rückschläge in den Spielen, Rückschläge im Neuaufbau der Mannschaft, Rückschläge in der Tabelle.

Lauter können die BVB-Alarmglocken gar nicht mehr schrillen

Wie will diese Mannschaft ihre Ziele erreichen, wenn sie sich bei nächster Gelegenheit selbst ins Knie schießt? Falls die letzten Träumer, ob bei den Stollen- oder Anzugträgern, es noch nicht mitbekommen haben: Es kann für den BVB nur noch darum gehen, diese Spielzeit irgendwie zu retten, was im konkreten Fall bedeutet, Platz vier zu erreichen. Das ist, nach jetzt drei Spielen ohne Sieg und inmitten einer handfesten Krise, alles andere als wahrscheinlich. Ein Verpassen der Königsklasse würde einen Rückschlag für Jahre bedeuten, die finanziellen und sportlichen Auswirkungen kaum absehbar. Lauter können die Alarmglocken gar nicht mehr schrillen.

Ob der Ernst der Lage tatsächlich jedem der BVB-Profis bewusst ist, muss man abermals in Frage stellen. Einsatz und Bereitschaft stimmten einigermaßen in Mönchengladbach. Dreimal nach ruhenden Bällen Gegentreffer zu kassieren, spricht allerdings dafür, dass das größte Problem bei den Schwarzgelben nicht die Beine sind: Die Köpfe scheint die brenzlige Lage noch nicht erreicht zu haben. Edin Terzic behauptet zwar, die Mannschaft sei sich über die Gefahren und den Abwärtstrend im Klaren. Auf dem Platz herrscht in den Standardszenen trotzdem Verwirrung und Verantwortungslosigkeit.

Anspruch und Wirklichkeit gehen beim BVB seit Jahren auseinander

Die große Mehrzahl der folgenden 16 Bundesliga-Spiele muss der BVB gewinnen. Kein einziger Erfolg ist selbstverständlich, auch am nächsten Samstag gegen den FC Augsburg ist harte Arbeit die Voraussetzung. Dann müssen die Borussen ihre Einsicht beweisen und umsetzen. Sie spielen auch um ihre eigene Zukunft. Dass im nächsten Sommer ein harter Schnitt bei diesem launischen Kader gemacht werden muss mit einem neuen Trainer, steht unabhängig vom Saisonergebnis bereits jetzt fest. Anspruch und Wirklichkeit gehen seit Jahren auseinander.

Im besten Fall nutzt der BVB diese enttäuschende Spielzeit jetzt dazu, im Hintergrund an einer neuen Ausrichtung zu werkeln. Dabei muss auch die Frage auf den Tisch kommen, wofür Borussia Dortmund stehen will. Ein „weiter so“ darf es nicht geben.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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Jürgen Koers
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