Der schwierige Poker um Erling Haaland: Das spricht für und gegen den BVB

dzBorussia Dortmund

Der BVB sucht einen neuen Stürmer. Der Poker um Erling Haaland wird immer heißer. Am Mittwoch weilte der Norweger zu Gesprächen in Dortmund. Das spricht für und gegen die Borussia.

Dortmund

, 13.12.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Michael Zorc hatte auch am Tag nach dem Besuch des Wunschstürmers bei Borussia Dortmund keine Lust, zum Thema Erling Haaland Stellung zu beziehen. „Weder zu dieser noch zu anderen Personalien werde ich mich äußern“, sagt der BVB-Sportdirektor auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr). Zorcs Sätze klingen nicht neu. Der Fokus liege auf dem Spiel bei den 05ern, „zu allem anderen gibt es keinen Kommentar“.

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In Salzburg hat Zorcs Sportdirektoren-Kollege Christoph Freund kurze Zeit später deutlich weniger Probleme mit der Bestätigung von Unterredungen zwischen Haaland und dessen möglichen neuen Klubs. Freund erklärt auf einer Pressekonferenz des österreichischen Serienmeisters Red Bull auf die Frage, ob er über Haalands Stippvisiten in Dortmund und Leipzig am Mittwoch informiert gewesen sei: „Wir sind in alle Gespräche involviert. Alle in Salzburg wollen das Beste für ihn.“ Freunds Aussage ist so etwas wie die offizielle Bestätigung der Exklusiv-Meldung dieser Redaktion, dass sich der norwegische Stürmer am Mittwochnachmittag samt Entourage mit den BVB-Bossen in Dortmund getroffen hat.

Über Leipzig und Salzburg nach Dortmund

Und wie das heute so ist, lässt sich dann sogar Haalands mittwöchliche Flugroute auf dem Trip quer durch Europa nachvollziehen. Das Charterflugzeug mit der Kennung D-CARO war am Vormittag in Nizza mit Berater Carmine „Mino“ Raiola an Bord gestartet, der seinen Wohnsitz in Monaco hat. Über Salzburg ging es zunächst nach Leipzig, von dort aus am frühen Nachmittag weiter nach Dortmund und um 19 Uhr wieder zurück nach Salzburg. Ende des Kurztrips.

28 Treffer hat der „blonde Riese aus Skandinavien“ in dieser Saison bereits erzielt. In 22 Pflichtspielen. Das ruft fast schon zwangsläufig alles auf den Plan, was im Weltfußball Rang und Namen hat. Auch Borussia Dortmund buhlt intensiv um Haalands Unterschrift, der angeblich für 20 Millionen Euro aus seinem bis 2023 laufenden Vertrag bei Red Bull Salzburg herausgekauft werden kann. Verbrieft ist das alles nicht.

Die Konkurrenz für den BVB ist riesengroß

Fest steht dagegen: Die Konkurrenz für den BVB auf dem Transfermarkt ist riesengroß, aus der Bundesliga mischt RB Leipzig, Schwesterverein der Roten Bullen aus Österreich, im Kampf um Haaland munter mit. International hält dem Vernehmen nach ein knappes Dutzend Schwergewichte um die Hand von Erling Braut Haaland, wie der 19-Jährige mit vollem Namen heißt, an.

Der 1,94 Meter große Angreifer ist die Entdeckung dieser Champions-League-Saison. In sechs Gruppenspielen hat er achtmal getroffen. Gleich in seinem ersten Spiel in der Königsklasse schnürte er einen Dreierpack. Haaland ist damit der drittjüngste Spieler nach Wayne Rooney und Raul, dem dieses Kunststück in Europas Elite-Wettbewerb gelungen ist. Und er ist der erste Spieler überhaupt, der in seinen ersten drei Auftritten in der Champions League sechs Treffer erzielt. Es gibt nicht wenige Stimmen, die sagen, dass Haaland das Zeug dazu hat, einer der besten Stürmer der Welt zu werden. Solche Superlative sind naturgemäß gefährlich, aber zumindest Haalands Torquote ist schon jetzt weltklasse.

Haaland versetzt europäische Topklubs in Aufregung

Ein Dortmunder Trumpf im Werben um Haaland könnte sein, dass seine Aussichten auf Einsatzzeiten beim BVB deutlich höher wären als in der europäischen Fußball-Beletage. Der Einzug ins Achtelfinale der Champions League ist ein weiterer wichtiger Pluspunkt. Salzburg kickt im neuen Jahr „nur“ in der Europa League weiter. Ob das reicht, um den Sturmtank von Borussia Dortmunds Trikot zu überzeugen - entweder im Winter oder im Sommer - muss trotz des gemeinsamen Gesprächs am Mittwoch mit einem dicken Fragezeichen versehen werden. Und es ruft die Frage auf den Plan: Wer ist dieser vermeintliche Himmelsstürmer eigentlich, der die Führungsriegen der europäischen Topklubs derart in Aufregung versetzt?

Die Geschichte von „Big Earl“, der lange ein kleiner schmächtiger Junge war und erst ab dem 17. Lebensjahr innerhalb von 24 Monaten 17 Zentimeter wächst, beginnt im Norden Englands. In Yorkshire. Haalands Papa, Alf-Inge, selbst Fußballprofi, spielt damals für Leeds United in der Premier League. Haaland Junior sagt nicht ohne Grund, dass er irgendwann in England spielen möchte und am liebsten mit Leeds die englische Meisterschaft gewinnen würde. Haaland Senior zieht zum Ende seiner Karriere über Leeds weiter zu Manchester City und schließlich zurück in die norwegische Heimat.

Haaland entscheidet sich gegen Juventus Turin

Der Sohnemann kickt in der Jugend zunächst bei Bryne FK, mit 15 debütiert er in der ersten Mannschaft in der zweiten Liga, wechselt Anfang 2017 zu Molde FK und läuft unter Trainer Ole Gunnar Solskjaer, heute Trainer bei Manchester United, im Alter von 16 Jahren erstmals in der ersten norwegischen Liga auf.

„Ich war geschmeichelt, dass Juventus interessiert war, aber ich dachte, es sei zu früh, um dorthin zu gehen.“
Erling Haaland

Im Januar 2019 dann folgt der Wechsel zu Red Bull Salzburg. Haaland entscheidet sich gegen ein Angebot von Juventus Turin. In einer Salzburger Vereinsmitteilung wird er zitiert: „Ich war geschmeichelt, dass Juventus interessiert war, aber ich dachte, es sei zu früh, um dorthin zu gehen.“ Aktuell ist zu hören, dass Haaland und sein Umfeld den Zwischenstopp Bundesliga womöglich einem direkten Wechsel zu einem der ganz großen Klubs dieser Welt vorziehen. Denn Haaland plant seine Karriere Schritt für Schritt.

Anlaufschwierigkeiten auf neuen Stationen werden einkalkuliert. Auch das erste halbe Jahr in Salzburg, damals unter Trainer Marco Rose, gestaltet sich kompliziert. Doch seit dieser Saison trifft er, wie er will. Eigentlich ging es schon im vergangenen Mai los. Bei der U20-WM in Polen schießt er beim 12:0-Sieg Norwegens gegen Honduras neun Tore - und fällt danach auch dadurch auf, dass er sich ärgert, nicht zweistellig getroffen zu haben.

Haaland wird von Mino Raiola beraten

Und nun also dieser sensationelle Lauf in der aktuellen Spielzeit. „Ich war mir sicher, dass diese Saison meine Saison werden würde. Ich bin mir bewusst, dass ich sehr wichtig für die Mannschaft bin und ihr helfen kann“, sagt Haaland, der beim Autofahren gerne die Champions-League-Hymne hört und sich zu seinen Zukunftsplänen nicht öffentlich äußert. Marco Rose, mittlerweile Trainer bei Borussia Mönchengladbach, meint: „Erling ist wirklich ein unglaubliches Talent. Für seine Größe ist er ein Riesenfußballer, extrem torgefährlich, aber besonders beeindruckend ist auch seine tolle Mentalität. Er hat einen unglaublichen Willen und eine enorme Wucht. Dass er eine große Karriere vor sich hat, ist für mich klar. Ich verfolge sehr gespannt, wie jetzt alles für ihn weitergeht.“

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Wie es jetzt für Haaland weitergeht, das ist eine Frage, die sich viele Sportdirektoren auf diesem Kontinent stellen, unter ihnen auch Michael Zorc. Beraten wird Haaland seit dieser Saison nicht mehr nur von seinem Vater, sondern eben auch von Mino Raiola, dem vermutlich mächtigsten Spielerberater der Welt, der 2013 Henrikh Mkhitaryans Transfer von Schachtar Donezk zu Borussia Dortmund einfädelte. In einem Interview mit „11 Freunde“ sagte Raiola mal: „Ich löse die Probleme meiner Klienten, wie es ein Vater täte. Ich bin ihre Familie. Ich bin derjenige, der ihnen zeigt, wohin ihr Weg gehen kann.“ Er wähle immer die beste Variante für seine Spieler aus. Der Weg des Erling Haaland soll sehr weit nach oben gehen. Entscheidend für den BVB wird sein, ob er auch über Dortmund führt.

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