Der BVB vor dem Start in die Rückrunde: Fehler sind verboten

dzBorussia Dortmund

Die Aufholjagd des BVB beginnt. Doch die Vorbereitung offenbart bekannte Probleme. Stellt Dortmund die haarsträubenden Fehler ab, ist aber noch vieles möglich.

Dortmund

, 17.01.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sollte er Frust verspürt haben in diesen neun Tagen in Spanien - man musste bei Lucien Favre schon zwischen den Zeilen lesen, um ihn zu erkennen. Vielleicht halfen die milden Temperaturen, vielleicht hat sich der Schweizer auch einfach mit den Gegebenheiten arrangiert, weil einige Dinge ja auch schlicht nicht zu ändern waren.

Intern sind beim BVB die Sorgenfalten geblieben

Wenn Favre dann über den Umstand referierte, dass ihm wichtige Stützen wie Marco Reus oder Neuzugang Erling Haaland aus Norwegen erst im letzten Drittel des Trainingslagers - und da auch nur eingeschränkt - zur Verfügung gestanden hatten, hörte sich das bei ihm so an: „Das war nicht optimal. Aber wir konnten fast alle angeschlagenen Spieler noch in den Tests einsetzen. Von daher sind wir weiter als gedacht.“

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Der scheinbare Optimismus strahlte indes nur nach außen. Intern sind die Sorgenfalten geblieben, die der Rückfall in der letzten Hinrundenwoche, als der BVB aus zwei eigentlich überlegen geführten Spielen nur einen Zähler einfuhr, wieder auf die Stirn gezaubert hatte. Dazu schleppte der BVB die Spätfolgen der Herbststrapazen mit etlichen verletzten Spielern mit ins neue Jahr.

BVB-Neuzugang Haaland muss sich noch gedulden

Nicht nur Reus und Haaland verpassten in Marbella wichtige Einheiten. Thorgan Hazard, Paco Alcacer, Thomas Delaney, Marcel Schmelzer und Jacob Bruun Larsen standen auch auf der Liste der Spieler, um die sich vornehmlich die Physiotherapeuten und die Athletik-Trainer kümmern mussten. Favre konnte mit den meisten erst gegen Ende der neun Tage arbeiten. Zu viele potenzielle Startelf-Spieler für den Rückrunden-Start in Augsburg waren dabei, als dass Favre dies als lästiges Nebengeräusch der Einheiten an der Costa del Sol hätte abtun können.

Der BVB vor dem Start in die Rückrunde: Fehler sind verboten

BVB-Neuzugang Erling Haaland weist noch Trainingsrückstand auf. © Kirchner-Media

Besonders schmerzlich: Der von der Konkurrenz bestaunte Transfer-Coup des BVB gesellte sich zu den Akteuren, die viel öfter nicht als auf dem Platz an der schicken Anlaga „Dama del Noche“ gesehen wurden. Die Integration von Erling Haaland fand fast ausschließlich am Mittagstisch und im Hotelzimmer statt. Zu wenige gemeinsame Einheiten gab es auf dem Rasen.

BVB-Sportdirektor Zorc strahlt demonstrativ Zuversicht aus

Diesen und anderen Widrigkeiten zum Trotz strahlte die Dortmunder Führungscrew demonstrativ Zuversicht aus. Fragen, ob man das Saisonziel korrigieren müsse angesichts der Punkte-Rückstände auf Tabellenführer RB Leipzig (7) sowie die Verfolger Mönchengladbach (5) und Bayern München (3) wies Sportdirektor Michael Zorc mit herausgereckter Brust von sich. „Die Ziele“, meinte der 57-Jährige in Marbella, „haben sich nicht geändert. Wir wollen vorne angreifen.“ Allerdings kam Zorc nicht umhin zuzugeben, „dass wir nicht in der Pole Position sind.“

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Dafür haben in der Hinrunde nach wiederkehrendem Muster Fehler gesorgt, die einer Spitzenmannschaft vielleicht einmal, aber nicht in solcher Regelmäßigkeit unterlaufen sollten. Borussia Dortmund hat etliche Siege aus der Hand gegeben in Spielen, die die Mannschaft dominiert hatte. Sie ließ die Gier vermissen, eine Führung nach Hause zu bringen. Und sie gestattete mit zum Teil haarsträubenden Fehlern den Gegnern, wieder zurückzukommen. Das, sagt Zorc, müsse die Mannschaft deutlich besser machen in der Rückrunde.

Debüt von Giovanni Reyna ist nur eine Frage der Zeit

Zweifel sind erlaubt. Das Trainingslager hat ob der oben beschriebenen Probleme und vor allem den in der Kürze der Zeit scheinbar nicht abzustellenden Fehlern und Unkonzentriertheiten nur wenig Mut gemacht für die Restserie. Vier Gegentore fing sich der BVB auch im Test-Doppelpack am vergangenen Samstag kurz vor Ende des Trainingslagers und half bei den meisten kräftig mit.

Der BVB vor dem Start in die Rückrunde: Fehler sind verboten

Steht vor seinem Bundesliga-Debüt: Giovanni Reyna. © Kirchner-Media

So lassen sich kurz vor dem Anpfiff der zweiten Halbserie nur wenige Gewinner der Winter-Vorbereitung ausmachen. Ein solcher ist sicher der erst 17-jährige Giovanni Reyna, der sich couragiert in den Kader spielte in den Einheiten und den Testspielen. Persönlicher Lohn: „Gio“, auf den alle große Stücke halten, soll zunächst bei den Profis verbleiben. Sein Bundesliga-Debüt ist nur noch eine Frage der Zeit.

Startprogramm bietet dem BVB alle Möglichkeiten

Schon in der Hinrunde verpasste es die Borussia, aus dem sicher nicht zu schweren Auftaktprogramm Kapital zu schlagen. Damals ließ die Niederlage bei Aufsteiger Union Berlin erste Zweifel an der Meister-Tauglichkeit dieser Mannschaft wachsen. Vor dem Rückrundenstart ist der machbare Auftakt mit dem Auswärtsspiel in Augsburg und den dann folgenden Heimspielen gegen die Aufsteiger Köln und Union quasi die ultimative Gelegenheit, um früh in der Rückrunde wieder nach oben aufzuschließen, Selbstvertrauen aufzubauen und Druck auf die Konkurrenz auszuüben.

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Aber: Zu instabil erwies sich auch nach Neujahr im Trainingslager in Marbella die Defensive, zu wenig Druck kommt aus der zweiten Reihe, zu viele Leistungsträger schleppen derzeit noch Rückstände mit sich herum oder kommen aus Formkrisen. Wie schnell „Wikinger“ Erling Haaland integriert werden kann, wie sehr er schon eine Hilfe sein kann, das ist eine wichtige Frage. Die wichtigere aber: Bekommt der BVB die altbekannten Probleme in den Griff? Wenn nicht, dürften alle derzeit noch erreichbaren Ziele schnell außer Sichtweite geraten. Wenn ja, ist vieles möglich. Auch der Griff zur Schale.

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