BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. © picture alliance/dpa/dpa-Pool
Borussia Dortmund

Der BVB und die Super League: Es steht viel auf dem Spiel

Die Super League löst ein heftiges Fußball-Beben aus. Mittendrin: Borussia Dortmund. Es geht um nichts weniger als die sportliche Zukunft des BVB.

Sogar der englische Premierminister zeigte sich am frühen Montag schockiert. „Eine europäische Super League wäre sehr schädlich für den Fußball“, betonte Boris Johnson, „sie würde das Herz des heimischen Fußballs treffen und die Fans im ganzen Land beunruhigen.“ Wenige Stunden zuvor hatten zwölf Topklubs aus England, Spanien und Italien ihre konkreten Pläne enthüllt, unabhängig vom kontinentalen Verband Uefa und dessen Champions League jetzt eine eigene Liga zu gründen. Sie wollen das große Geschäft selbst in die Hand nehmen und eine nahezu geschlossene Fußball-Gesellschaft aus 15 Teams plus fünf Qualifikanten bilden.

Zwölf Mitglieder des exklusiven Zirkels (Liverpool, Chelsea, Arsenal, Manchester United, Manchester City, Tottenham, Real Madrid, Atletico Madrid, Barcelona, Juventus, Inter und AC Mailand) stehen fest, drei Plätze sind noch vakant. Die US-Investmentbank JP Morgan steigt als Milliarden-Finanzier in die Super League ein, allein an Gründungsprämie soll es mehr als 230 Millionen Euro pro Klub regnen. Real Madrids Präsident Florentino Perez fungiert als Boss der selbst gekürten Fußball-Elite, die auch um die deutschen Schwergewichte FC Bayern und Borussia Dortmund als feste Mitglieder buhlt.

BVB-Fans stellen sich gegen die Super League

Nicht nur in Englands politischer Spitze war die Entrüstung über die Abspaltungspläne groß. Der frühere englische Nationalspieler Gary Neville sprach gar von einem „kriminellen Akt“ und forderte: „Setzt diese Vereine an das Ende der Tabelle, nehmt ihnen alle Punkte weg und das Geld.“ Auch die Fans von Borussia Dortmund, die auch gegen die Champions-League-Reform protestierten, gingen auf die Barrikaden. In einem offenen Brief schrieb das „Bündnis Südtribüne“ am Montag: „Eine Liga, die mit den fundamentalen Leistungsprinzipien des Fußballsports und des fairen Wettbewerbs bricht, um Gewinne zu maximieren. Dieses Vorhaben ist ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die den Fußballsport lieben.“ Die Fans forderten den BVB auf, sich „nicht an diesem Vorhaben oder ähnlich gelagerten Plänen durch zum Beispiel eine tiefgreifende Umstrukturierung der Champions League zu beteiligen“. Und sie wollen, dass „die Mitglieder von Borussia Dortmund mitentscheiden, wenn es darum geht, sich zu einer derartigen Abkehr von allem, was den Fußball ausmacht, zu positionieren.“

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte am Montag, dass sich der BVB und der FC Bayern über die Ablehnung der Super League nachwievor einig seien. Watzke hatte schon zuvor im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten eine Teilnahme an einer exklusiven Liga ausgeschlossen. „Ich werde niemals einen Wettbewerb unterstützen, zu dem es keine offenen Zugänge gibt. Eine geschlossene Gesellschaft wie in der amerikanischen NFL, NHL oder NBA, das ist nicht unser Fußball – und das kann es meines Erachtens nach auch nicht sein.“

Super League: Die verbindliche Entscheidung Borussia Dortmunds steht noch aus

Aber: Die verbindliche Entscheidung Borussia Dortmunds steht noch aus. Vieles hängt davon ab, wie sich die Konfrontation zwischen den aktuellen Super-League-Klubs auf der einen, und der Uefa auf der anderen Seite in den nächsten Wochen entwickelt. Wird es einen Kompromiss geben? Platzen die Super-League-Pläne doch noch? Nicht unmöglich. Kommt es jedoch tatsächlich wie angedroht zur Abspaltung der europäischen Topklubs von der Uefa, dann wird der BVB Farbe bekennen müssen. Mit weitreichenden Konsequenzen, was die sportliche Zukunft betrifft.

Entscheidet sich die Borussia gegen die Teilnahme an einer Super League, wäre das im Sinne vieler Fußball-Traditionalisten. Hans-Joachim Watzke und Mitstreiter würden lautstarke Anerkennung aus der aktiven Dortmunder Fanszene ernten. Es wäre eine Entscheidung für Sportsgeist und den zu bewahrenden Rest an Fußball-Romantik im modernen Profitum. Wenig begeistert wären dagegen die Großaktionäre des BVB, denn Geld würde künftig nur noch in der Super League verdient. Die Champions League der Uefa wäre – die am Montag beschlossene Reform des Wettbewerbs ändert nichts daran – ohne die wichtigsten 15 Fußball-Klubs des Kontinents aus Vermarktungssicht quasi wertlos. Vereine außerhalb der Super League würden finanziell und letztlich auch in der sportlichen Leistungsfähigkeit vom Spitzenniveau abgehängt.

Kann sich der BVB ein Nein zur Super League überhaupt leisten?

Der BVB müsste sich also entscheiden, ob er sich ein Nein zur Super League leisten will – und letztlich überhaupt leisten kann. Auch mit Blick auf die durch die Corona-Pandemie verursachten herben finanziellen Einschnitte: Ein Minus von mehr als 75 Millionen Euro wird in diesem Sommer in der BVB-Bilanz stehen, die Rücklagen sind aufgebraucht, mehr als 28 Millionen an Krediten musste die Borussia bereits aufnehmen. Kein Zweifel, es gab schon leichtere Entscheidungen, die die BVB-Bosse treffen mussten – der Druck ist immens.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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