Für den BVB steht am Freitag mehr auf dem Spiel als drei Punkte. Das DFB-Sportgericht verhandelt die Beleidigungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. Es droht eine harte Strafe.

Dortmund

, 01.11.2018, 17:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Beleidigungen von 1899-Eigner Dietmar Hopp und ein Banner, das den TSG-Mäzen im Fadenkreuz zeigte, hatten im September bundesweit für Aufsehen und Schlagzeilen gesorgt. Borussias Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und BVB-Präsident Reinhard Rauball entschuldigten sich im Nachgang bei Hopp und kündigten die Zusammenarbeit bei der Ermittlung der mutmaßlichen Täter an.

Extrem angespanntes Verhältnis

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Dem Eklat vorausgegangen waren Strafanzeigen durch Hopp und Stadionverbote in Hoffenheim gegen mehr als 30 BVB-Fans wegen mutmaßlicher Vergehen am letzten Spieltag der Vorsaison. Die Reaktion aus der Dortmunder Szene kam prompt und unüberhörbar mit Beleidigungen auf unterstem Niveau und eventuell strafbaren, zumindest aber geschmacklosen Transparenten. Wie nun das Sportgericht darauf reagiert und mit welchem Strafmaß es sanktioniert, wird spannend zu beobachten.

Der BVB muss sich am Freitag vor dem DFB-Sportgericht verantworten

Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp erstattete Strafanzeigen gegen mehr als 30 BVB-Fans. © dpa

Das Verhältnis von organisierten Anhängern und Deutschem Fußball-Bund sowie Deutscher Fußball Liga ist derzeit so angespannt wie lange nicht mehr. Im August hatte der Zusammenschluss der Fanszene die Gespräche mit den Verbänden aufgekündigt, bundesweit kam es zu Protesten. „DFB, DFL & Co. - Ihr werdet von uns hören!“, kündigten vor allem Ultragruppen landesweit an. „Der vor über einem Jahr begonnene Dialog zwischen dem DFB und den „Fanszenen Deutschlands“ scheint somit endgültig zum Erliegen gekommen sein“, urteilte das Portal „Faszination Fankurve“.

Rückkehr der Kollektivstrafe?

Auf dem Prüfstand steht nun auch die Aussetzung der Kollektivstrafe. Damit war der DFB den Fan-Organisationen ein Jahr lang entgegengekommen. Zuvor hatte das Sportgericht bei massiven Ausschreitungen immer wieder Zuschauer-Teilausschlüsse, so genannte Geisterspiele und wie im Fall von Dynamo Dresden 2011 einen einjährigen Ausschluss aus dem DFB-Pokal verhängt. Hertha BSC musste erst vor einem Jahr 100.000 Euro Strafe zahlen, weil die Fans im Pokalspiel gegen Rostock Pyros gezündet hatten.

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Auch Borussia Dortmund war bereits einmal von einer Kollektivstrafe betroffen. Nach massiven Beleidigungen der Fans beim Bundesligaspiel gegen RB Leipzig wurde die knapp 25 000 Zuschauer fassende Südtribüne für die Partie gegen den VfL Wolfsburg im Februar 2017 gesperrt. Zudem gab es eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro.

„Das ist doch keine Lösung“

Die Fan-Organisation „Unsere Kurve“ sprach sich auch nach den Vorfällen im Spiel zwischen BVB und Hertha BSC vehement gegen Kollektivstrafen aus. „Ich halte nach wie vor nichts davon. Das würde an der Stelle viele Falsche treffen, schließlich waren auch hier Tausende im Block, die damit nichts zu tun hatten. Erwiesenermaßen bringt die Kollektivstrafe auch nichts“, sagte Sprecher Jochen Grotepaß.

Der BVB muss sich am Freitag vor dem DFB-Sportgericht verantworten

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke spricht sich klar gegen Kollektivstrafen aus. © dpa

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke positioniert sich deutlich gegen Kollektivstrafen. Zu den aktuellen Schmährufen sagte Watzke im ZDF-Sportstudio: „Wenn irgendjemand auf der Tribüne einen anderen beleidigt - ich will das nicht in Schutz nehmen - aber das ist im Fußball schon seit 50 Jahren so.“ Auf Gedankenspiele, den BVB sportlich zu bestrafen, reagierte er ähnlich deutlich: „Sollen sie uns Punkte abziehen? Das ist ja unfassbar. Das ist doch keine Lösung. Wir müssen die Einzeltäter, die da ermittelt werden, bestrafen.“

„Plump und dümmlich“

Das forderte auch Hopp-Anwalt Dr. Christoph Schickhardt im Gespräch mit unserer Redaktion. Neben dem zu erwartenden Strafantrag für die ermittelten BVB-Anhänger macht er sich für eine wirksame Bestrafung von Borussia Dortmund stark. Im aktuellen Fall hätten Dutzende Fans aus Dortmund mit tagelanger Vorbereitung und „krimineller Energie“ die Banner und Plakate erstellt und in den Block geschmuggelt. Und das sei nicht zu dulden, zumal es in der Ausdrucksform auch nur als „plump und dümmlich“ zu bezeichnen sei.

Auch die TSG Hoffenheim wird sich vor dem Sportgericht verantworten müssen in der Frage, wie etwa die beleidigenden Banner in den Block gelangen konnten. Ein vom DFB auf Bitten des Vereins zum Spiel entsandter Sicherheitsbeobachter soll sowohl dem Klub als auch dem Ordnungsdienst attestiert haben, alle Vorschriften eingehalten und die notwendigen Schritte einwandfrei abgewickelt zu haben.

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