Der BVB muss bei der Personalie Lucien Favre bald Farbe bekennen

dzMeinung

Der BVB müht sich zum Sieg gegen St. Petersburg. Hinter den Kulissen diskutiert Borussia Dortmund die Trainerfrage - und muss bei der Personalie Lucien Favre bald Farbe bekennen.

Dortmund

, 29.10.2020, 12:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem schwer verdaulichen Abendmahl reichte Borussia Dortmund für diesen Moment das Gefühl der Sättigung. Gaumenfreuden hatte wohl niemand erwartet, nachdem das 1:3 zum Auftakt in der Champions League in Rom für „Druck auf dem Kessel“ gesorgt hatte, wie Sportdirektor Michael Zorc nach dem mühsamen 2:0 gegen Zenit St. Petersburg formulierte. Fehlender spielerischer Glanz paarte sich allerdings an diesem nasskalten Oktober-Abend erneut mit fehlender Inspiration - das stimmt bedenklich, denn es passierte in einem Wettbewerb, der für die Profis doch viel mehr sein sollte als normales Alltagsgeschäft.

BVB-Spieler wirken gegen Zenit St. Petersburg gehemmt

Leidenschaft auf den Platz zu bringen aber fiel der Borussia erneut schwer. Vielleicht auch angesichts der äußeren Umstände in einem Stadion, dessen bedrückende Leere kaum als Motivationsspritze gewirkt haben dürfte. Man sollte allerdings erwarten können, dass der Gewöhnungseffekt an diese Begleiterscheinungen mittlerweile eingesetzt hat. Das Spiel der sehr gehemmt daherkommenden Borussen lebte jedoch mehr von der Hoffnung, dass die turmhohe Überlegenheit irgendwie zu einem Treffer führen würde, als von dem Selbstvertrauen, mit der Dominanz beim Ballbesitz ganz sicher irgendwann zu treffen.

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Und „irgendwie“ passte als Begriff für die Entstehung des Elfmeters, der das Spiel in die richtigen Bahnen lenkte, dann auch ganz gut. Dortmund gab den Gästen aus Russland für die Rückreise auch eine Dankes-Grußkarte an Verteidiger Karavaev mit, dessen plumper Einsatz gegen Thorgan Hazard einem Spiel eine Wende gab, dass auch gut und gern 0:0 hätte enden können. Trotz eines Ballbesitz-Anteils für die Heimmannschaft von am Ende 69 Prozent.

Favre-Diskussion kann Borussia Dortmund nicht gefallen

Eine Diskussion hätte bei diesem Resultat an Fahrt aufgenommen, die Borussia Dortmund ohnehin begleitet und die wohl so lange Thema bleiben und nicht mehr einzufangen sein wird, bis die Personalie auch öffentlich geklärt ist: die zur derzeit noch offenen Zukunft von Lucien Favre. Dass sie schon einsetzt, bevor die Blätter von den Bäumen gefallen sind, kann Borussia Dortmund nicht gefallen. Und es ist keine zu gewagte Prognose, dass sich die Debatte in der aktuellen Konstellation mit jedem Spiel weiter hochschaukeln wird, dass der BVB nicht für sich entscheiden kann.

Borussia Dortmund wird Farbe bekennen müssen. Und das im laufenden Betrieb, denn die für solche Zukunftsentscheidungen gern herangezogene Winterpause fällt in diesem Jahr ja aus. Klar ist, dass der BVB dieses Thema nicht noch monatelang vor sich herschieben kann, zu groß ist die Gefahr einer dauerhaften Ablenkung. Dass hinter den Kulissen längst über die richtige Strategie diskutiert und an Lösungen gearbeitet wird, gehörte am Mittwoch eher zur Kategorie „unaufgeregte News“. Es wäre ja fahrlässig, wenn sich der Klub nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten würde.

Der BVB muss sich auf auf alle Eventualitäten vorbereiten

Dass es anders als zum Beispiel seinerzeit in Hoffenheim und Leipzig im Zuge der Personalie Julian Nagelsmann bei Borussia Dortmund noch keine klare und frühzeitige Kommunikation hinsichtlich der Trainerfrage gegeben hat, mag daran liegen, dass sich beide Seiten vielleicht wirklich noch nicht klar darüber sind, ob der gemeinsame Weg noch weitergehen soll. Das wäre allerdings so oder so keine gute Basis für eine weitere Zusammenarbeit. Wahrscheinlicher ist ohnehin, dass intern die Frage der Alternative noch nicht schlüssig beantwortet werden kann.

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