Der BVB muss auswärts die Kurve kriegen - Zorc formuliert eine klare Forderung

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Spektakel gegen Paris, doch auswärts nur Mittelmaß: Der BVB muss im Titelkampf auf fremden Plätzen die Kurve kriegen. Sportdirektor Zorc macht eine klare Ansage.

Dortmund

, 21.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ekstase, Genuss, Spektakel. Also Heimspiel. Oder eben das krasse Gegenteil: Auswärtsfrust. Himmel und Hölle lassen sich in Bezug auf Borussia Dortmund in dieser Saison leicht in diese beiden Schubladen packen. Einem 3:0 daheim gegen Wolfsburg folgte ein desaströses 0:4 in München. Nach einem 5:0 gegen Union Berlin leistete sich der BVB das Pokal-Aus in Bremen und ein 3:4 in Leverkusen. Nur zwei Beispiele für die zwei Gesichter der Borussia.

Zuhause eine Macht, gehen die Schwarzgelben auf fremden Plätzen derzeit nur als Mittelmaß durch - Platz neun in der Auswärtstabelle, sieben von elf Partien konnte der BVB nicht gewinnen. Das ist mager. Und das, obwohl Dortmund nicht selten mit dem Schwung eines klaren Heimerfolges im Gepäck anreiste.

Der BVB fährt mit einem klaren Kopf nach Bremen - und ist gewarnt

Die spannende Frage lautet: Was geschieht jetzt, am Samstag in Bremen? Hinter der Borussia liegt ein berauschender Abend in der Champions League. Ein mehr als verdienter 2:1-Heimsieg gegen das Starensemble von Paris Saint-Germain. Aber als die Party in den Katakomben des Signal Iduna Parks noch lief, da blickten die Protagonisten schon mit klarem Kopf auf das, was jetzt unverzichtbar sein wird, um nicht direkt wieder vom Himmel in die Hölle abzustürzen. „Wir müssen unser Auswärtsgesicht verstecken“, sagte Mats Hummels, „wir wissen ja seit dem Pokalspiel, wie es nicht geht in Bremen. Am Samstag dürfen wir sie nicht zu Punkten kommen lassen, so sehr ich Bremen auch mag.“

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Das Rezept dafür, an der Weser genau so stabil zu agieren wie jüngst im heimischen Dortmund, liegt vor: „Paris ist der Maßstab“, betonte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Oder um es mit Mats Hummels‘ Worten auszudrücken: „Konzentriert, ackern auf allen Positionen, als Mannschaft verteidigen, Zweikämpfe gut führen, Räume schließen.“ Also all das, was am vergangenen Dienstag gegen Neymar und Mbappe funktioniert hat, muss auch am Samstag gegen Milot Rashica und Davie Selke klappen. „Wenn wir das nicht tun, wird es deutlich schwieriger“, mahnte Hummels.

BVB-Profis verkörpern gegen Paris die Lust aufs Kämpfen

Nicht noch einmal wollen sich die Borussen schmerzlich vormachen lassen, was dank großer Leidenschaft möglich ist. Im Pokalspiel vor zweieinhalb Wochen zeigte Bremen mehr Einsatz als der BVB - und verdiente sich so das Weiterkommen. Die fehlerhafte und nicht konsequent verteidigende Borussia machte es ihrem Gegner zu leicht, zu Toren zu kommen, das Spiel zu kontrollieren. Am Samstag muss es die Elf von Trainer Lucien Favre aber schaffen, ihr Heimspiel-Gesicht, ihr Paris-Bezwinger-Gesicht aufzusetzen.

„Wir müssen unser Auswärtsgesicht verstecken.“
Mats Hummels

Denn gegen Paris war zu sehen, dass alle Borussen bereit zur harten Maloche ins Stadion gekommen waren. Sie stoppten die milliardenschwere Pariser Tormaschine dank einer leidenschaftlichen, fleißigen und konzentrierten Vorstellung von der ersten Minute an. Unbändige Lust aufs Kämpfen, das verkörperte jeder BVB-Profi in diesem famosen Achtelfinal-Hinspiel in der Königsklasse. „Wir waren gut organisiert, richtig aggressiv. Ich denke, es war eine Super-Performance von jedem von uns“, resümierte Axel Witsel treffend.

Preise für Schönspielerei wollten die Schwarzgelben offenbar nicht gewinnen. Im Gegenteil. Ihre Mission hieß, den Zauberern aus Paris den Spaß am Spiel zu nehmen. Und so standen urplötzlich ein Dortmunder Torhüter und vor ihm zehn extrem giftige Verteidiger auf dem Platz. Für Neymar, Kylian Mbappe oder Angel Di Maria gab es kaum ein Durchkommen.

BVB-Neuzugang Emre Can verleiht der Defensive Stabilität

Paris Saint-Germain, das zuvor 67 Tore in 25 Saisonspielen erzielt hatte und auch in der Königsklasse durch die Gruppenphase spaziert war, prallte zumeist am Borussen-Kollektiv ab und verlor erstmals nach 16 Partien wieder - weil die Mentalität der Hausherren stimmte. Thorgan Hazard bestach gegen Paris nicht durch Dribblings, sondern als Balleroberer. Axel Witsel und Emre Can setzten ihre physische Stärke in der Mittelfeldzentrale vollends ein, führten ihre Zweikämpfe kompromisslos und verhinderten Konter. Die zuvor so oft wackelnde Abwehrkette leistete sich zudem so gut wie keine Fehler.

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Die Borussen bewegten sich klug, halfen einander, liefen gemeinsam fünf Kilometer mehr als die Franzosen - und kassierten am Ende verdient ihren Lohn, den 2:1-Sieg und den tosenden Applaus ihres hingerissenen Publikums. Den Rausch des Erfolgs mochte Emre Can aber nicht allzu lange auskosten. Aus gutem Grund. „Lob an die Mannschaft. Aber es ist erst Halbzeit, es wird schwer. Aber wir können das schaffen, wenn wir alle zusammenhalten und zusammen verteidigen“, sagte der Antreiber mit Blick aufs Rückspiel. Der Nationalspieler ist binnen kürzester Zeit seit seiner Verpflichtung zur wertvollen Führungskraft avanciert. Das blieb auch Abwehrchef Mats Hummels nicht verborgen. „Emre strahlt richtig was aus und ist einfach ein Gewinner. Er will Stabilität verleihen, ist körperlich stark, er geht extrem in die Zweikämpfe.“

Weitere Auswärtspatzer sind für den BVB verboten

Can ist quasi der personifizierte Anschauungsunterricht für das, was die Borussia in jedem Spiel benötigt. Möglichst von allen Spielern, wie gegen Paris. Nicht nur auf Europas großer Fußballbühne. Vor allem im Brot- und Buttergeschäft Fußball-Bundesliga. „Wir müssen sehen, dass wir in der Bundesliga dranbleiben. Am Samstag bei Werder Bremen haben wir noch etwas gutzumachen. Das Spiel ist wichtiger als das gegen Paris“, betonte Michael Zorc. Schließlich hat sich der BVB die Meister-Mission auf die Fahnen geschrieben, und da sind weitere Auswärtspatzer schlichtweg verboten. Ansonsten helfen Ekstase, Genuss und Spektakel zuhause am Ende auch nicht weiter.

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